Ende eines Mythos: Aachen verabschiedet den Tivoli

Von: Florian Lütticke, dpa
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Der alte Aachener Tivoli. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nur eine Toilette in der Gästekabine, eisiges Wasser bei laufender Rasenheizung im Winter, schwarzer Schimmel an den Wänden - auf ihrer Zeitreise zum Aachener Tivoli wurde Bayern München nicht nur auf dem Fußball-Platz überrascht.

„Die Bayern haben ja nach dem Spiel gar nicht mehr hier geduscht”, amüsiert sich Alemannia-„Kultfigur” Willi Landgraf heute noch. 2004 und 2006 schied der Rekordmeister im DFB-Pokal bei den Schwarz-Gelben aus, doch in der kommenden Saison erhöht sich für die Gegner zumindest fernab des Rasens der Komfort. Nach mehr als 80 Jahren endet die Ära Tivoli am Sonntag mit dem letzten Pflichtspiel gegen den FC Augsburg.

Nur wenige Meter weiter erheben sich die Kräne an der Baustelle für die neue Arena, die den gleichen Namen tragen wird. Unerbittlich läuft die Digitaluhr an der Fassade bis zum Start der neuen Spielzeit und dem Ende eines Mythos: 1928 wurde der Tivoli an der Krefelder Straße errichtet und bekam Ende der 50er Jahre die damals modernste Flutlichtanlage Europas sowie eine überdachte Sitzplatztribüne. Vieles blieb unverändert, wie auch der schmale Gang durch den die Mannschaften auf den Rasen mussten. „Wenn der Gegner im Tunnel stand, wussten sie, dass es richtig abgeht”, erzählt Landgraf, mit 508 Partien Rekordspieler der 2. Bundesliga.

Bei der Platzwahl setzte die Alemannia ebenfalls auf den Heimvorteil. „Wir wollten in der zweiten Halbzeit immer runter spielen”, erinnert Josef „Jupp” Martinelli, der von 1954 bis 1970 für Aachen in der Oberliga und Regionalliga West sowie der Bundesliga auflief. Erst 1999 wurde das Gefälle von rund anderthalb Metern auf dem häufig schlammigen Rasen begradigt. Nach Zuschauerausschreitungen fand am Tivoli 2004 das erste Geisterspiel in Deutschland statt, 2007 kehrte Aachen nach 36 Jahren für eine Spielzeit in die Bundesliga zurück.

Den Neubau nach einem erneuten Aufstieg in der höchsten Spielklasse zu eröffnen, ist vor dem letzten Spieltag nicht mehr möglich. Doch viele zunächst skeptische Fans haben sich zumindest mit der Arena arrangiert und nahmen Anleihen für 4,2 Millionen Euro auf. Auch Landgraf verfällt beim Anblick des Rohbaus nicht in Sentimentalitäten. „In so einer Schüssel zu kicken, ist doch das Geilste. Dafür würde ich mir ein Bein abhacken.” Und so ganz müssen die Aachener auch nicht auf das frühere Flair verzichten: Die alte Stadionuhr wird beim Umzug mitgenommen.

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Gänsehautatmosphäre auf dem Tivoli: Wenn am Sonntag zum letzten Mal ein Zweitliga-Spiel auf dem alten Tivoli angepfiffen wird, liegen mehr als 80 Jahre Fußballgeschichte hinter dem Aachener Traditionsstadion - eine Zeit voller Höhe- und Tiefpunkte, Freude und Enttäuschung, voller Erinnerungen.

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Einsendeschluss ist am 27. Mai um 24 Uhr. Mitmachen lohnt sich: Die drei schönsten Bilder werden prämiert und in unserer Zeitung veröffentlicht. Die Sieger bekommen je zwei Karten für das erste Heimspiel im neuen Stadion.
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