Die Alemannia gibt nicht den Spielverderber

Von: Roman Sobierajski
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Keine Hoheit in der Luft: Alemannen-Torhüter Thorsten Stuckmann im Duell mit Freiburgs Kapitän Heiko Butscher. Lewis Holtby und Timo Achenbach springen eher solidarisch mit. Foto: Michael Heuberger

Freiburg. Da wollte die Alemannia als guter Gast nun doch nicht den bösen Spielverderber geben: Fünf Siege aus fünf Spielen hatte der SC Freiburg bislang in der Rückrunde verbucht - und der 2:1-Sieg über Aachen, der erst nach 88 Minuten zustande kam, stellt den bisherigen, zwölf Jahre alten Vereinsrekord mit sechs Siegen am Stück ein.

„Das ist das Glück eines potenziellen Aufsteigers”, bewertete Torwart Thorsten Stuckmann den späten Erfolg der Breisgauer. Glück ist allerdings die kleinste Komponente des Erfolgs der Mannschaft von Trainer Dutt.

Der Tabellenführer zeigte Kampfgeist und Spielkultur, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Sieger-Mentalität. Alles Tugenden, die Alemannia Aachen bislang über weite Strecken der Saison vermissen ließ. „Wir hatten große Probleme mit dem gesamten Volumen des Freiburger Spiels”, zollte Trainer Jürgen Seeberger der gegnerischen Überlegenheit Anerkennung.

Als Beispiel mag allein der erste Durchgang herhalten: Freiburg erzwang eine um die andere Chance, die Alemannia-Spieler schienen in dem ganzen Angriffswirbel zum einen überfordert, zum anderen auch ein bisschen dankbar für eine zusätzliche Trainingseinheit.

Während sich Aachens Gefahrenpotenzial in 45 Minuten auf eine Kopfballchance von Benny Auer (9.) und einen Weitschuss von Daniel Brinkmann (37.) beschränkte, hätte der Tabellenführer schon nach 45 Minuten deutlicher in Führung liegen müssen als mit dem 1:0, das Ömer Toprak nach einem groben Schnitzer von Thorsten Stuckmann geköpft hatte (11.).

Eigene Dramaturgie

Doch das Spiel entwickelte seine eigene Dramaturgie, und da zwischenzeitlich die Rückstände von Mainz und Fürth durch das Publikum mehr gefeiert wurden als das Geschehen auf dem Platz, vergaß das Team vor lauter selbstbeglückter Zauberei das Toreschießen. „Freiburg hat die Chancen nicht genutzt und uns am Leben gelassen”, fasste Mirko Casper den Vortrag im ersten Durchgang zusammen. „Aber in der Pause haben wir uns gesagt, hier geht vielleicht noch etwas.”

So kam es auch: Als die Hausherren ihrem ungeheuer hohen Spieltempo nach dem Wechsel Tribut zollen mussten, kam die Alemannia durch einen Standard wieder zurück ins Spiel. Den Freistoß von Jerome Polenz vollstreckte Lukasz Szukala mit einem schönen Kopfball (61.), und weil der Fußball Gefallen an solchen Wendungen findet, lag plötzlich der Hauch der Sensation in der Luft, dass die dominierende Mannschaft doch noch als Verlierer vom Platz gehen könnte.

Zumal das Aachener Spiel durch die Umstellung - Müller rückte auf die linke Mittelfeldseite und Holtby in den Sturm - plötzlich Tiefe bekam und auch der Gegner beim „Hopp oder topp” mitspielte: „Wir haben mit den Spielern ein Abkommen”, zitierte Freiburgs Trainer Robin Dutt einen Paragraphen aus dem Aufstiegs-Vertrag. „Wenn es unentschieden steht, gehen wir volles Risiko und spielen auf Sieg, auch wenn das mal daneben gehen kann.”

Diese Sorge hielt sich allerdings nur kurz, da Aachen aus seinen Konterchancen viel zu wenig machte - und die Spieler ein ähnliches Abkommen wohl nicht unterschrieben haben. So lief der Film vor den Augen der 18.800 Zuschauer ab, der einen Sieger ausmacht.

Heiko Butscher kam völlig unbedrängt zur Flanke, das präzise Zuspiel köpfte Tommy Bechmann trotz Geleitschutzes von Olajengbesi und Szukala unhaltbar in die Maschen (88.) und machte das Freiburger Glück perfekt.

„Wir haben Anspielstationen vermissen lassen, und wenn es schon bis zur 87. Minute unentschieden steht, dann muss man das auch zu Ende spielen”, kritisierte Jürgen Seeberger sein Team, das - zwar gegen einen starken Gegner, aber immerhin am 23. Spieltag der Saison - keine spielerischen oder organisatorischen Fortschritte erkennen ließ.
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