Bonn - DFB-Pokal-Traum von Alemannia Aachen platzt auf der Zielgeraden

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DFB-Pokal-Traum von Alemannia Aachen platzt auf der Zielgeraden

Von: Benjamin Jansen
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Die Alemannia-Abwehr stand im Pokalfinale gegen Viktoria Köln häufig unter Druck, erzwang jedoch gegen den Favoriten die Verlängerung. Foto: imago/Schwarz

Bonn. Als auch die Nachspielzeit der Verlängerung abgelaufen war und sich die erste Enttäuschung gelegt hatte, bat Fuat Kilic seine Spieler zu einem Gespräch im Kreis. „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie ein sehr gutes Spiel gemacht haben und sich keiner einen Vorwurf machen muss“, sagte Alemannia Aachens Trainer, als der Traum vom DFB-Pokal nach der bitteren 0:2-Niederlage gegen Viktoria Köln geplatzt war.

Das galt besonders für Mark Depta. Alemannias junger Keeper hatte im Finale des Mittelrheinpokals ein überragendes Spiel abgeliefert, beim Treffer durch Sven Kreyer (109.) war ihm der Ball aber durch die Hände gerutscht. Es war die Vorentscheidung an einem sommerlichen Abend, der in der Verlängerung durchaus eine andere Wendung hätte nehmen können.

Mit einer defensiven Dreierkette (Heinze, Hackenberg, Pluntke), die bei gegnerischen Angriffen zu einem Fünferriegel wurde (Fiedler, Winter), wollte Kilic dem großen Favoriten den Zahn ziehen. Viktoria-Trainer Olaf Janßen hatte exakt den elf Akteuren vertraut, die sich in der Meisterschaft knapp drei Wochen zuvor souverän mit 4:0 am Tivoli durchgesetzt hatten. Und das bedeutete auch, dass Viktoria-Kapitän Mike Wunderlich, der seinen Faserriss rechtzeitig auskuriert hatte, seine Mannschaft im Bonner Sportpark aufs Feld führte.

Dass sich von der ersten Minute an ein anderes Spiel entwickelte, hatte viel mit den Aachenern zu tun, die die richtigen Schlüsse aus der Lehrstunde in der Liga gezogen hatten. Anstatt den Gegner zu jagen, überließen sie den Kölnern das Spielgerät, um im entscheidenden Moment die Vorstöße zu unterbinden und schnell umzuschalten. Das funktionierte so gut, dass sich Timm Golley (8.) aus 22 Metern genötigt sah, einen Fernschuss abzugeben, um Depta zu prüfen.

5478 Zuschauer sahen, dass Alemannias junger Keeper erst nach 13 Minuten ernsthaft eingreifen musste, als Wunderlich am Fünfmeterraum übersehen wurde. Die Kilic-Elf fand ihre Konzentration schnell wieder: Tobi Mohr eroberte den Ball und suchte im Strafraum Mergim Fejzullahu (15.). Der treffsichere Angreifer zielte zu zentral, so dass Viktoria-Keeper Sebastian Patlzer den Einschlag verhinderte. Die diszipliniert verteidigenden Aachener ließen den Vize-Meister in dieser Phase regelmäßig abblitzen. Wunderlich versuchte sich als Freistoßschütze (17.) und Flankengeber (26.), der gewünschte Erfolg stellte sich aber nicht ein.

Das galt auch für den Freistoß von Fejzullahu (30.), der Stürmer bugsierte den ruhenden Ball aus 18 Metern deutlich über das Viktoria-Gehäuse. Der Favorit erhöhte kurz vor dem Seitenwechsel die Schlagzahl: Erst blockte David Pütz einen Schuss von Felix Backszat (41.), dann musste Depta sich richtig lang machen, um einen Golley-Schuss (45.) zu entschärfen. Der Pausenpfiff hatte die Offensivbemühungen der Kölner nur kurz unterbrochen, Wunderlich (51.) fand in Alemannias Keeper seinen Meister.

Die Angriffsmaschinerie des entthronten Regionalliga-Meisters lief jetzt auf Hochtouren, Backszat (54.) und Simon Handle (58.) verpassten die Führung. Die Aachener ließen sich tief in die eigene Hälfte drängen, Entlastungsangriffe wurden zur Rarität. Mit einem Kopfball prüfte auch der eingewechselte Sven Kreyer (71.) Depta, zwei Minuten später lenkte Aachens Schlussmann einen Schuss von Golley über die Latte (73.). „Mark hat uns im Spiel gehalten, ansonsten hätten wir schon viel früher zurückgelegen“, wusste nicht nur Mohr.

Das Spiel nahm immer mehr an Dramatik zu, auch weil David Pütz in der Schlussminute der regulären Spielzeit am Viktoria-Tor vorbeiköpfte. Der Arbeitstag war noch nicht beendet, die Verlängerung sollte die Entscheidung über den Einzug in den DFB-Pokal bringen. Köln blieb spielbestimmend, aber auch die Aachener witterten ihre Chance auf den Siegerscheck: Nils Winter (99.) scheiterte gleich zweimal freistehend an Patzler. „Ich muss den Ball im Tor versenken. Das wäre der Genickbruch für die Viktoria gewesen“, urteilte Alemannias Kapitän. Auch der eingewechselte Kai Bösing (100.) schaffte es aus zwei Metern nicht, den Ball über die Linie zu drücken.

Als der Siegtreffer für die Aachener keine Überraschung mehr gewesen wäre, kam der Knock-Out: Kreyer (109.) zog aus spitzem Winkel ab, der Ball rutschte an Depta vorbei ins Tor. Der Schlusspunkt einer turbulenten Partie war das noch nicht. Der eingewechselte Joy-Slayd Mickels sah nach einem Schubser Rot (113.), ein paar Alemannia-Anhänger mussten daran gehindert werden, in den Innenraum vorzustoßen. Die Aachener warfen in Unterzahl alles nach vorne, auch Mark Depta hatte die Strafräume gewechselt. Und so traf Wunderlich (120. + 6.) ins leere Tor zum Endstand. Es passte ins Bild, dass Winter und Co. die Medaillen für den zweiten Platz erhielten, als der Himmel seine Schleusen öffnete...

Aachen: Depta - Heinze, Hackenberg, Pluntke - Fiedler (77. Damaschek), Pütz (97. Bösing), Lippold, Mohr, Winter - Fejzullahu - Torunarigha (83. Mickels)

Weiter im Kader: Sahin - Yesilova, Konate-Lueken, Kucharzik, Kühnel, Azaouaghi, Buchta, Nebi, Kleefisch

Vikt. Köln: Patzler - Handle (90. Eichmeier), Lanius, Willers, Lang - Backszat (105. Lohmar), Saghiri - Holzweiler (69. Kreyer), Wunderlich, Koronkiewicz - Golley

Schiedsrichter: Niklas Dardenne (Nettersheim) Zuschauer: 5478 Tore: 0:1 Kreyer (109.), 0:2 Wunderlich (120.+5) Gelbe Karten: Mohr, Lippold/Golley Rote Karte: J.-S. Mickels

 

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