Der Aachener Höhenflug: Erinnerungen von Torschütze Stefan Blank

Von: Klaus Schmidt
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Aachen. Vielleicht hat dieser eine Schuss Alemannia aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Es ist der 4. Februar 2004, Alemannia spielt im Pokal-Viertelfinale gegen Bayern München.

 33. Minute, Stefan Blank packt den Hammer aus und überwindet den amtierenden Welttorhüter Oliver Kahn aus großer Entfernung. Selten ist der Tivoli so laut wie an diesem Abend gewesen.

Herr Blank, Sie sind seit dieser Saison Trainer der Zweiten Mannschaft des Halleschen FC. Werden Sie am Dienstag das „Zehnjährige“ des Bayern-Spiels und Ihres legendären Tores in Aachen mitfeiern?

Blank: Leider nein. Ich komme hier aus Halle nicht weg. Wir haben um 17 Uhr eine Sitzung von Präsidium und Trainerstab.

Haben Sie sich den 4. Februar 2004 so eingeprägt wie einen Geburtstag?

Blank: Das genaue Datum ist mir nicht so präsent. Aber es kommt auch heute noch vor, dass ich nach diesem Spiel gefragt werde. Wir hatten uns die ganze Woche darauf gefreut. Es war für uns alle ein sehr großes, emotionales Spiel. Wir sind später ins DFB-Pokal-Finale und in den Uefa-Cup eingezogen. Ein hervorragendes Jahr.

Ihr Treffer zum 1:0 gegen Oliver Kahn wurde zum Tor des Monats gewählt. Sind Sie auch heute noch der Meinung, dass dieser Ball haltbar war?

Blank: Ja – auch wenn er eine komische Flugbahn nahm.

Nervt es Sie, wenn Ihre Karriere immer wieder auf dieses eine Tor reduziert wird?

Blank: Ich war eineinhalb Jahre bei Alemannia. In dieser Zeit haben wir viele, viele große Spiele abgeliefert. Ich gebe zu: Ich schaue mir schon mal alte DVDs an – wie wir die Gegner bespielt haben, welche Emotionen drinsteckten. Aber das Spiel gegen die Bayern war medial so hochgepusht. An manche Fußballer erinnert man sich überhaupt nicht mehr. Es ist schön, wenn die Leute bei Stefan Blank wenigstens an das Tor gegen Bayern denken. .

Gibt es noch Verbindungen zu damaligen Mitspielern?

Blank: Ja – zu Dennis Brinkmann, der jetzt Co-Trainer der U 23 des VfL Bochum ist, zu Erik Meijer und zu Kalla Pflipsen habe ich viel Kontakt.

Bedauern Sie im Nachhinein, nicht länger am Tivoli geblieben zu sein?

Blank: Vom Wohlfühlfaktor her und vom Mannschaftsgefüge hätte ich Aachen nie verlassen. Aber ich war 28 und wollte die Chance auf einen lukrativen Vertrag wahrnehmen. Ich habe mit offenen Karten gespielt, als ich nach Kaiserslautern wechselte.

Tut es Ihnen in der Seele weh, wenn Sie Alemannias Entwicklung betrachten?

Blank: Wahnsinn, dieser Absturz. Bitter, was aus Alemannia geworden ist. Wir hatten damals ein gutes Fundament geschaffen, die Leute im Verein hatten Großes geleistet. Und dann wurden viele Entscheidungen getroffen, die nicht passten, und da gehört deutlich mehr dazu als das neue Stadion. Leute haben sich angeboten, deren Hilfe man nicht annehmen wollte. Dann ging’s in die Hose. Und auch vor dieser Saison wurden viele Fehler gemacht. Ich bin der Meinung: Trotz Insolvenz hätte man ein besseres Team zusammenstellen können, das im oberen Drittel mitspielt.

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