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„Das war Schlecht gegen Grottenschlecht”

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
Rot Weiss Ahlen - Alemannia Aachen
Aachens Trainer Michael Krüger schaut vor dem Spiel lachend zur Seite. Foto: dpa

Ahlen. Florian Meyer hat im Laufe seiner Karriere schon manches schöne Fußballspiel geleitet, doch den Abpfiff am frühen Sonntagnachmittag im Ahlener Werse-Stadion muss der Fifa-Schiedsrichter als persönliche Erlösung empfunden haben.

Mit 0:1 unterlag Rot-Weiß, das war eine gute Nachricht für die Liga, weil der Abstieg der limitierten Westfalen damit auch rechnerisch perfekt war. Alemannia Aachen quittierte dagegen den ersten Auswärtssieg nach sechs Spielen, und das war schon das einzig Positive neben der bemerkenswerten Stimmung im Fanblock, wo sich mancher Oberkörper einen Sonnenbrand eingehandelt haben dürfte.

„Das war Schlecht gegen Grottenschlecht”, sagte Erik Meijer, und der ist bekanntermaßen Manager im Klub des Siegers. Michael Krüger, der Trainer, wirkte nach der qualvollen Partie wie ein angezählter Boxer, froh, wenigstens bilanztechnisch das Ziel erreicht zu haben. „Auf diesen Sieg brauchen wir uns nichts einbilden.” Ein „schmutziges Spiel” sei es gewesen, über das man „den Mantel des Schweigens legen sollte”.

Selbst unter Berücksichtigung der Platzverhältnisse - die Spielfläche wirkte, als habe der ortsansässige Reitverein zuvor ein fünftägiges Springturnier abgehalten - kam Alemannia nicht aus einer miserablen Bewertung heraus. Meijer: „Da hatte ich ja früher in der Friterie beim Flipperspielen mehr Kontrolle über die Kugel.” Der scheidende Ex-Kapitän Cristian Fiel sagte: „Natürlich, ein technisch sauberer Fußball ging auf diesem Platz auf keinen Fall.” Doch insgesamt war der jüngste Leistungsnachweis nur ein weiteres „Ab” in dieser an „Aufs” so armen Saison. „Wir haben keinen Fußball zelebriert.”

Auch gegen das Team von Christian Hock („Wir haben keine Berechtigung, in der Zweiten Liga zu spielen”) gelang es Alemannia nicht, die Zügel an sich zu reißen und mit forschen, entschlossenen Aktionen mal eben die Verhältnisse zu klären. Krüger ruderte wieder früh mit den Armen und forderte zum Rausrücken auf, als sich das Team unverständlich weit in die Defensive treiben ließ. Als Aimen Demai (25.) zum ersten Mal Ahlens Keeper Kirschstein ins Geschehen einbezog, hatten die Gastgeber schon drei Mal am Alarmglöckchen gezogen.

Stellvertretend für die Auflösung der Frage, wer denn nun schlecht und wer grottenschlecht war, stand der Sportskamerad Özkara, der unbehelligt an Thorsten Stuckmann scheiterte. Das Tor des Tages fiel dann auf der Gegenseite, eingeleitet durch Alper Uludags Pass auf Benny Auer, den Kirschstein ziemlich tumb von den Beinen holte. Aimen Demai verlud den Keeper in der 35. Minute; Fiel vergab wenig später mit einem Freistoß ebenso das 2:0 wie kurz nach dem Seitenwechsel Seyi Olajengbesi nach einem Eckball.

Das war´s auch schon mit Alemannias Herrlichkeit. Aus dem Spiel heraus entfachte die Mannschaft so viel Gefahr wie ein Jäger, der mit Platzpatronen durchs Revier pirscht. Ahlen produzierte dagegen Rohrkrepierer, Lartey und Köse zirkelten übers Tor, ein Kopfball von Özkara verendete auf der Linie, wo Allan Jepsen stand.

„Viel Leerlauf - und ein paar Mal sind wir gut weggekommen”, es müsse ja einen Grund haben, so Erik Meijer, dass Ahlen nun auch absteigt. Rot-Weiß hat kein Ziel mehr, Aachen dagegen schon oder besser: der Geschäftsführer Sport. „Ich würde gerne noch Platz neun erreichen”, nicht ganz unwichtig fürs TV-Ranking des finanziell wieder mal erheblich angeschlagenen Vereins und für die Bonus-Zahlung des Hauptsponsors.

„Wir haben zwar drei Punkte mehr. Aber Ruhe”, sagt Meijer, „Ruhe wird nicht einkehren”.
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