Bei einer Insolvenz der Alemannia verliert die Stadt viele Millionen

Von: Christoph Pauli
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Farbe bekennen: Für Alemannia
Farbe bekennen: Vertreter von zwei Ministerien, des Klubs, von der Stadt Aachen und auch vom Hauptsponsor und Kreditgeber AM versuchen am Donnerstag in Düsseldorf Alemannia Aachen aus der finanziellen Bredouille zu helfen.

Aachen. Die Elefantenrunde tagt am Donnerstag im Finanzministerium. Auf der Tagesordnung steht nur der eine dringend zu klärende Punkt: Wie kann man Alemannia Aachen aus der finanziellen Bredouille helfen?

Vertreter von zwei Ministerien, des Klubs, von der Stadt Aachen und auch vom Hauptsponsor und Kreditgeber AM versuchen in Düsseldorf den gordischen Knoten zu zerschlagen. Ohne Lösung droht dem Verein, der sich bei der Finanzierung des Stadions so gewaltig verhoben hat, die triste Insolvenz schon im nächsten Jahr. Bis zur Sitzung Mitte nächster Woche will die Verwaltung dem Rat einen Vorschlag unterbreiten. Es zeichnet sich ab, dass die Stadt einen zweistelligen Millionenbetrag investieren würde, um Anteile am Stadion zu erwerben. Der Verkauf der Sonderimmobilie würde die notwendige Sanierung entscheidend voranbringen.

Eine Engagement bei Alemannia ist aber nicht nur ein karitativer Akt. Die Mitglieder im Stadtrat können sich fein ausrechnen, was eine Insolvenz für die Stadt - jenseits des Imageverlustes - bedeuten würde. Schon die unmittelbaren Verluste würden sich auf 15 Millionen Euro belaufen. Für das Parkhaus zahlt Alemannia als alleiniger Mieter jährlich 473.000 Euro. Hochgerechnet auf die 15-jährige Laufzeit des Vertrages macht das einen Verlust von 7,2 Millionen Euro. Zudem würden vier Millionen Euro verfallen, die Alemannia für das Parkhaus bereits von der Apag erhalten hat (Upfront Fee). Die bereits gezogene kommunale Bürgschaft der Stadt von drei Millionen Euro wäre weg, zudem müsste die Stadt auf eine noch ausstehende Summe von 750.000 Euro an Ausgleichszahlungen für das Baugrundstück verzichten.

Ausbleibende Abgaben

Die Verluste wären ein Aspekt, ausbleibende Abgaben an Stadt und Finanzamt ein anderer. Alemannia hat im letzten Jahr jeweils 2,5 Millionen Euro Umsatz- und Lohnsteuer entrichtet. An Gewerbe- und Körperschaftssteuer fielen 2010 weitere 400.000 Euro an. Die Stawag erhielt 572.000 Euro.

Auch die andere städtische Tochter Aseag wurde vom Zweitligisten bedacht. Von jedem Ticket bei den Heimspielen gehen 62 Cent an das kommunale Nahverkehrsunternehmen. Bei 308.000 Zuschauern in der Saison 2010/2011 machte das eine Summe von 191 168 Euro aus. Zudem zahlte Alemannia 2010 175.000 Euro Erbbauzins- und Grundbesitzabgaben. So würden sich die ausbleibenden Ausgaben auf 6,33 Millionen Euro summieren - Basisgröße 2010.

Bei einer Insolvenz würde die Stadt nicht nur einen wichtigen Werbeträger verlieren, auch ein paar Dutzend Arbeitsplätze fielen weg - und es würde nicht das gut bezahlte kickende Personal treffen. Die Stadt würde auch noch unter einer anderen Fehlinvestition leiden: Ohne ein gut besuchtes Stadion gäbe es keinen Grund für den Bau der Fußgängerbrücke an der Krefelder Straße, die gerade für zwei Millionen Euro errichtet wird.

Und was würde mit der Immobilie geschehen? Die Stadt hat ein vertragliches „Heimfallrecht”, sie könnte den Tivoli übernehmen. Das Interesse dürfte überschaubar sein. Das Stadion wäre auch für eine „Betriebssportgemeinschaft Rathaus” eher etwas überdimensioniert. Würde die Kommune auf das Heimfallrecht verzichten, käme es zur Zwangsversteigerung. Die Stadt hätte bis zum Ende des Erbbaurechtsvertrags in 47 Jahren keinen Zugriff mehr auf das Stadion, 2058 würde der Sportplatz dann endgültig in städtischen Besitz übergehen.
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