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Auer: „Das Team hat den Trainer nicht entlassen”

Von: Christoph Pauli
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Ein Bild aus dem Archiv: Kapit
Ein Bild aus dem Archiv: Kapitän Benny Auer nimmt die Anweisungen vom ehemaligen Co-Trainer Eric van der Luer Foto: Andreas Steindl

Aachen. Am Tag 1 nach Peter Hyballa redet der Kapitän. Alemannias Mannschaft hat trainingsfrei, die Spieler dürfen wieder reden, und so stellt sich Benny Auer den Fragen.

Steht die Mannschaft also zu Recht auf dem letzten Tabellenplatz, wie es der Trainer in seiner letzten Besprechung in der Kabine noch einmal gesagt hat?

Auer: Wenn man nach sieben Spieltagen Letzter ist, hat es seine Gründe. Wir hatten ordentliche Halbzeiten oder auch Minuten, unterm Strich war das alles zu wenig. Wenn wir so weiter agieren, wird es ein sehr schweres Jahr. Und darunter verstehe ich, dass es bis zum Schluss gegen den Abstieg geht.

Was ist also am Montagnachmittag passiert im Gespräch mit Erik Meijer, hat der Spielerrat sein Herz ausgeschüttet?

Auer: Zunächst einmal: Wir haben schon häufiger Gespräche wegen der Situation in unterschiedlichen Konstellationen geführt. Mal nur der Mannschaftsrat, mal die komplette Mannschaft, mal Einzelgespräche. Erik Meijer hat in dieser Zeit einen Eindruck gewonnen und dann mit Rückendeckung des Aufsichtsrats eine Entscheidung gefällt.

Gab es nicht unterwegs die Idee, das Verhältnis zu reparieren?

Auer: Ja sicher, deswegen haben wir ja geredet. Wir haben auch mit den Trainern über viele Dinge gesprochen. Über den Umgang, über Trainingsdosierung. Das ist auch meine Aufgabe als Kapitän, diese Themen anzusprechen. Es wurde immer wieder versucht, den Karren auf die richtigen Bahnen zu lenken.

Hat das Team gemeutert, wie es einige Medien formuliert haben?

Auer: Ich möchte klipp und klar feststellen, dass weder die Mannschaft noch einzelne Spieler für die Beurlaubung gesorgt haben. Eine Mannschaft kann ihren Trainer nicht entlassen, und eine Mannschaft kann auch nicht gegen einen Trainer spielen. Das gibt es nicht.

Die Formulierung im Abgangszeugnis war, dass das Vertrauensverhältnis irreparabel zerstört ist. Würden Sie die Worte auch so wählen?

Auer: Schwierige Frage. Fakt ist, dass wir Tabellenletzter mit drei Punkten sind.

Das ist die sportliche, aber nicht die gruppendynamische Einschätzung.

Auer: Ich denke, dass wir uns nicht über irgendwelche Formulierungen unterhalten müssen.

Kann man nicht zu allen Zeiten auch nach einer bahnbrechenden Siegesserie in die Mannschaft hineinhorchen, und man findet unzufriedene Spieler?

Auer: Klar. Ich möchte einen Wunsch formulieren: Wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen und uns massiv auf die Partie gegen Fürth konzentrieren, egal, wer auf der Bank sitzt. Die Situation ist momentan so prekär, wir brauchen wichtige Punkte. Wir als Mannschaft haben viele Fehler gemacht in der Vergangenheit, und es wird höchste Zeit, dass jeder für sich wieder konzentrierte Arbeit abliefert.

Welche Fehler hat das Team gemacht?

Auer: Wir haben es an Leistung vermissen lassen, und da beziehe ich mich mit ein. In den bisherigen acht Pflichtspielen hat sich keiner besonders hervorgetan.

Die Kritik an älteren Spielern ist oft ruppig und heftig gewesen. Kommt da jetzt ein Bumerang zurück, wie Eric van der Luer vermutet?

Auer: Eric van der Luer kann nur mutmaßen, er war bei den Gesprächen nicht dabei. Jeder hat in den Gesprächen seine Sicht der Dinge geschildert, unabhängig von jung und alt, gut und schlecht.

Sie standen oft im Visier. Haben Sie die Kritik akzeptiert oder hat sie genervt?

Auer: Kritik ist nicht so angenehm, ich hätte mir gewünscht, dass sie häufiger intern geblieben wäre. Das haben wir geklärt. Peter Hyballa fand das sinnvoll. Letztlich habe ich versucht, mich professionell und verantwortungsbewusst als Spieler und Kapitän zu verhalten.

Und deswegen haben Sie vor ein paar Wochen öffentlich gesagt, dass Sie ein sehr gutes Verhältnis zu Peter Hyballa haben?

Auer: Ich habe von einem offenem, ehrlichen Verhältnis gesprochen. Das war auch so. Als Spieler braucht man kein gutes, sondern ein professionelles Verhältnis zu seinem Trainer mit identischen Zielen.

Ist es ein Problem, dass Spieler nicht stark gemacht wurden?

Auer: Das muss jeder für sich entscheiden. Es gibt viele sensible Spieler, die Lob brauchen, andere fordern harte Kritik regelrecht ein, um in der Spur zu bleiben. Jeder Trainer muss ein Gespür für den individuellen Umgang entwickeln.

Beide Trainer sprechen auch nach ihrer Beurlaubung übereinstimmend von einem intakten Verhältnis. Sehen Sie das anders?

Auer: Wieder schwierig. Wir tun gut daran, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Hätte es aus Ihrer Sicht eine andere Lösung geben können, als beide Trainer zu entlassen?

Auer: Das gute ist, dass ich Spieler bin und solche Entscheidungen nicht treffen muss. Erik Meijer und der Aufsichtsrat haben sich ausreichend Gedanken gemacht. Sie haben es sich nicht leicht gemacht, es war ja am Montag auch nicht die erste Sitzung zu dem Thema.
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