Frankfurt/Main - Am Ende „vermöbelt” sich Alemannia Aachen selbst

Am Ende „vermöbelt” sich Alemannia Aachen selbst

Von: Klaus Schmidt
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Das geballte Leiden auf einem
Das geballte Leiden auf einem Bild: Boy Waterman, Reinhold Yabo, Seyi Olajengbesi und Aimen Demai (von links) nach dem nächsten Punktraub in letzter Sekunde. Foto: Andreas Steindl

Frankfurt/Main. Der Spielmittag war noch keine zwölf Minuten alt, da hatten sich die schlimmsten Befürchtungen schon bestätigt. Der Tabellenvorletzte Alemannia Aachen lag beim Tabellenzweiten Eintracht Frankfurt 0:2 zurück, ein Desaster schien seinen Lauf zu nehmen.

Abenteuerliche Abwehrfehler, haarsträubende Fehlpässe, Zweikampfverhalten, das seinen Namen nicht verdiente, Ballbesitz vielleicht bei 20 Prozent. Als Schiedsrichter Harm Osmers die Partie abpfiff, hatten die Schwarz-Gelben nur 3:4 verloren. Und das war das Ergebnis von zwölf vogelwilden Schlussminuten, einem grotesken Verlauf.

„Fußball kann grausam sein”, sagte der ehemalige Frankfurter und jetzige Aachener Coach Friedhelm Funkel. Es gab keinen Widerspruch: Hätte die Eintracht das Spiel mit der angemessenen Ernsthaftigkeit über die Bühne gebracht, Alemannia wäre ordentlich vermöbelt worden.

Idrissou staubte zum 1:0 (10.) ab, nachdem Boy Waterman der Ball versprungen war, Köhler nutzte eine Hereingabe von Idrissou (Stehle rutschte weg) zwei Minuten später. „Da kannst du natürlich jedes Konzept an die Wand nageln”, sagte Kapitän Benny Auer.

Mit einer Dreierkette wollte Funkel die Eintracht überraschen und möglichst am Ende des Tages auch die Toto-Tipper - die Idee ging gründlich in die Hose. Auer: „Die erste Halbzeit war das Schlechteste, was ich seit langem von uns gesehen habe.”

Der Trainer nannte es „mehr als grausam”, Sportmanager Erik Meijer „unterirdisch”.

Die einfachsten Dinge des Zweitligafußballs misslangen, ein Stockfehler reihte sich an den anderen, geistig und zwangsläufig körperlich war Alemannia ein fast schon bedauernswertes Team.

Funkel entließ die Mannschaft nach der etwas lauteren Kabinenansprache wieder ins 4-4-2-System, brachte Sergiu Radu und Shervin Radjabali-Fardi. Frankfurter Arroganz im Gefühl eines sicheren Sieges und dann doch noch Aachener Moral läuteten ein nicht für möglich gehaltenes Finale ein.

Auer (78.) setzte den Ball nach Flanke von Tobias Feisthammel spektakulär mit der Hacke ins Tor - die Hoffnung, am Main doch noch für eine Überraschung sorgen zu können, drückte Hoffer (81.) mit einem Distanzschuss in den Keller. „Da muss dann eigentlich Ruhe sein”, kritisierte Armin Veh, aber die Ruhe bekam der Eintracht-Coach nicht.

Eine Minute später köpfte Sergiu Radu auf Achenbach-Flanke zum 2:3 ein. Und dann hämmerte Aimen Demai einen Freistoß an die Latte, der Ball senkte sich hinter Nikolov ins Frankfurter Tor (87.). „Wir können Fehler auch wieder gutmachen”, das war Teil eins der Analyse des Franzosen. Teil zwei: „Wir können uns aber auch die ganze Arbeit wieder kaputtmachen.”

In der 89. Minute passierte genau das, als Kim Falkenberg zu einem taktischen Foul greifen musste. Der Freistoß flog in den Strafraum, der eingeteilte Demai war nicht dicht genug beim eingewechselten Matmour. Und dann patzte auch noch Waterman bei einem Kopfball, den er für gewöhnlich pariert. Erik Meijer: „Ein rabenschwarzer Tag für Boy. Er hat die falschen Entscheidungen getroffen.”

Vermutlich könnte Alemannia mit einer deutlichen Abfuhr beim Liga-Primus besser umgehen als mit dem Gefühl eines Hundes, dem kurz vor dem Zuschnappen die Wurst weggezogen wird.

Dresden, Bochum, jetzt Frankfurt: „Es waren so viele Ereignisse in den letzten Wochen, wo wir kurz vor Schluss was vergeigt haben”, Benny Auer fands „zum K.....”

Drei Punkte beträgt nun der Rückstand auf den rettenden Platz 15, der Karlsruher SC hält sich dort auf - und erwartet am Samstag die Alemannia. „Das”, so hat es Auer erkannt, „wird ein richtiges Kracherspiel im Kampf um den Klassenerhalt.”

Vermutlich wird Erik Meijer nicht mit dem Antrag durchkommen, „die 89. bis 94. Minute aus unseren Spielen zu streichen”.
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