Alemannias „Straßenköter”: Sie bellen nicht nur, sie beißen auch

Von: Christoph Pauli
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Fünf „Straßenköter”: Aachens Kevin Kratz, Manuel Junglas, Marco Höger, Tolgay Arslan (von links) und Mischlingshündin Maya. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Kommt das Beste zum Schluss? Das letzte Alemannia-Spiel ist gleich die größte Herausforderung. Die Mannschaft trifft heute auf Eintracht Frankfurt. Zweitligist will Erstligist aus dem Pokal werfen. Und die Hauptrolle sollen vier Aachener Mittelfeldspieler übernehmen: Kevin Kratz, Tolgay Arslan, Manuel Junglas und Marco Höger, Alemannias Gang oder wie Trainer Peter Hyballa sagt: „Unsere Straßenköter.”

Reden wir über Müdigkeit.

Junglas (knurrt): Die gibt´s nicht.

Höger: Natürlich sind wir am Ende der Hinrunde körperlich und mental geschlaucht. Aber auf uns wartet der Höhepunkt: Der Tivoli ist zum zweiten Mal ausverkauft. Da verfliegt die Müdigkeit.

Was raubt die Energie: Die vielen Spiele oder der permanente Input der Trainer?

Kratz: Wir haben sehr viele Spiele gehabt, ohne dass wir großartig pausieren konnten. Manu und ich kommen zudem aus einer ernsthaften Verletzung. Der Wetterumschwung trägt auch seinen Teil bei. Aber keine Ausreden: Am Mittwoch hat die Müdigkeit nichts zu suchen.

Empfinden Sie es so wie der Trainer sagt, dass die Schmerzgrenze erreicht ist?

Arslan: Sicher, aber es ist einfacher, bei so einem Spiel über die Grenze zu gehen als zum Beispiel in Bielefeld. Aber auch das haben wir geschafft. Jetzt steht der krönende Abschluss an, wir wollen etwas Großes schaffen.

Wie würden Sie bis hierher die Hinrunde einstufen: gut, mäßig, überragend, überraschend?

Arslan: Spielerisch war das schon in Ordnung. Aber ich kann sicher für uns Vier sprechen: Wir gehören weiter nach oben und fühlen uns besser als Platz 10.

Kratz: Wir sind auch besser als Platz 10.

Arslan: Wir sammeln jetzt Erfahrung. Man sieht, dass wir von Spiel zu Spiel reifer werden. Wir haben Spaß auf dem Platz.

Peter Hyballa hat Sie als die Straßenköter eingeführt. Können Sie sich mit dem Begriff anfreunden?

Höger: Es war positiv gemeint. Wir haben Spaß auf dem Platz, wir kämpfen gerne. Wir sind alle auf Aschenplätzen groß geworden. Wir haben klein angefangen, aber im Gegensatz zu anderen Spielern haben wir uns hochgekämpft. Das prägt unser Spiel, wir können uns wehren. Für mich ist der Vergleich ein Kompliment.

Was können diese Köter besonders gut?

Höger: Sie sind manchmal etwas unbefangen, manchmal etwas leichtsinnig. Aber sie sind mutig. Und das kann gegen Teams wie Hertha oder jetzt Frankfurt nur von Vorteil sein. Andere Spieler machen sich Gedanken, wir gehen raus und wehren uns.

Vor dem Spiel bei Hertha hat der Trainer ein Bild in der Kabine gezeigt, das einen kleinen Hund zeigt, der sich mit einem großen anlegt. Sind die Aachener Hunde nicht seitdem gewachsen?

Höger: Das Bild bezog sich auch auf den Klub. Und da ist Aachen im Vergleich zu Hertha oder Frankfurt ein kleiner Kläffer. Auf dem Platz wollen wir aber Mittwochabend zeigen, dass der kleine Hund den großen auch anbellen kann.

Können die Aachener Hunde nur bellen oder auch zubeißen?

Arslan: Wir können beißen, aber wir wollen spielen, gut Fußball spielen.

Kratz: Wir haben gegen Mainz doch gezeigt, dass wir richtig zupacken können.

Welche Chancen hat der Tabellenzehnte der 2. Liga gegen den Siebten der 1. Liga, der gerade den kommenden Meister besiegt hat?

Arslan: Kam Mainz nicht als klarer Tabellenführer nach Aachen? Hatten sie nicht sogar in München gewonnen? Damit ist alles gesagt.

Seit wann ist dieses letzte Spiel des Jahres auf dem Radar? Hat es schon die letzten Wochen überschattet?

Kratz: Bei den meisten Spielern ist dieses Highlight seit drei, vier Wochen im Kopf. Das ist das große Ziel, darauf wird hingearbeitet, um topfit zu sein. Wir haben uns aber nicht dem Vorwurf ausgesetzt, dass die Liga nur nebenbei lief. Der Dezember ist gut gelaufen.

Ist es das Spiel des Jahres?

Höger: Für mich ist es die größte Partie bislang. Mainz war schon großartig, aber wir sind jetzt eine Runde weiter im Wettbewerb, noch einmal eine Nummer größer. Das Stadion war innerhalb von ein paar Stunden ausverkauft. Ich habe nur in Berlin vor einer größeren Kulisse gespielt, aber das verliert sich im Olympiastadion.

Arslan: Ich habe im letzten Jahr beim HSV einige Spiele gemacht, da war die Kulisse größer, aber dieses DFB-Pokalspiel ist anders, weil David an einem Tag gegen Goliath gewinnen kann.

Kratz: Es ist das interessanteste Spiel meiner Karriere. Ich habe schon vor mehr Zuschauern gespielt, aber das hier ist geil: Erste gegen Zweite Liga, und wir haben eine Chance.

Junglas: Wir haben noch eine Rechnung offen aus dem letzten Jahr, als wir im Pokal 1:5 zurücklagen und auf 4:6 noch herangekommen sind. Es wird ein großes Spiel.

Ist die Ausgangslage nicht so, dass die vier Straßenköter jetzt Hauptdarsteller werden können und es auf sie ankommt?

Arslan: Das stimmt, ich war damals nur dabei, jetzt bin ich mittendrin. Wir gehören zu den Leuten, die Verantwortung haben, auf die es mit ankommt.

Bei einem solchen Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür. Hat das Wetter auch Vorteile?

Kratz: Wir sind schon spielstark, das gilt aber auch für Frankfurt. Es wird darauf ankommen, wer mehr Straßenköter ist an diesem Tag.

Hat es in den letzten Monaten für die jungen Hunde auch schon mal was auf die Schnauze gegeben?

Höger: Wir gehen schon mal leichtsinnig durchs Leben. Das kann Vorteile haben gegen große Gegner wie Hertha oder Frankfurt. Es kann aber auch Nachteile haben gegen Teams wie Bielefeld oder Karlsruhe, wie schon zu besichtigen war. Wir Vier haben gerade nach dem Spiel in Bielefeld eine sehr scharfe Kritik der Trainer erfahren, aber damit können wir umgehen.

Arslan: Wir sind jetzt schon ein halbes Jahr zusammen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir das Spiel in Bielefeld vor vier Monaten auch noch gewonnen hätten. Wir haben gelernt, wir wachsen von Spiel zu Spiel.

Strolcht die Gang auch außerhalb des Spielfeldes durch das Revier?

Arslan (feixt): Wir machen schon extrem viel miteinander.

Kratz: Ich gehöre da nicht zu, ich muss mich um meine Familie kümmern (Gelächter der übrigen).

Junglas: Das ist nur schlecht, Alter.

Kratz: Ich habe natürlich keine Probleme, mit den Jungs loszuziehen, ich bin ja auch erst 23 Jahre alt.

Höger: Auf den Punkt gebracht: Wir schlafen getrennt, ansonsten hängen wir immer zusammen.

Und das ist schön?

Höger: Das macht Spaß. Wir sind auf einer Wellenlänge.

Ab Donnerstag sind Kurzferien, was machen die Köter dann?

Arslan: Wir sind erst einmal bei unseren Familien. Dann fahren wir zu dritt über Silvester nach Paris.

Kratz: Ich bin nicht dabei und mache mir mit meiner Freundin ein paar schöne Tage bei ihren Eltern in Österreich.

Höger: Wir sind ein paar Tage getrennt, ab dem 29. Dezember sind die Straßenköter wieder zusammen.
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