Aachen - Alemannias Stiepermann: „In Aachen bin ich zum Mann geworden”

Alemannias Stiepermann: „In Aachen bin ich zum Mann geworden”

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Unerwarteter Höhenflug: Marco
Unerwarteter Höhenflug: Marco Stiepermann taucht bei Alemannia aus der Versenkung auf. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Fast schon keine Erinnerung hatte Marco Stiepermann, wie sich so ein Sieg anfühlt. Bei Alemannias ersten drei Erfolgen stand er nicht auf dem Platz, und jetzt ist er plötzlich einer der Hauptdarsteller wie gerade beim 2:0 über den VfL Bochum.

Sein neuer Trainer Ralf Aussem erinnerte sich daran, dass da im Klub noch ein Stürmertalent versteckt war. Vor der heutigen Partie beim MSV Duisburg traf sich unser Redakteur Christoph Pauli mit dem Angreifer, der von Borussia Dortmund ausgeliehen ist.

Was passiert gerade mit dieser Mannschaft?

Stiepermann: Wir leben wieder. Der neue Trainer trägt dazu bei. Ich zum Beispiel fühle mich endlich frei im Kopf, weil er mir viel Selbstvertrauen einflößt. Bei mir hat der Kopf mindestens 90 Prozent ausgemacht.

Arbeitet man als Profi nicht permanent an seinem Selbstbewusstsein?

Stiepermann: Für mich ist es richtig mies gelaufen bislang. In meinem ersten Profijahr spielt die Mannschaft unerwartet gegen den Abstieg, es gab einen ersten überraschenden Trainerwechsel. Dann kommt ein neuer Coach, der überhaupt nicht auf dich setzt. Als junger Spieler bist du irritiert, weißt nicht, was du machen musst. Der Trainer redet nicht mit dir, du findest nicht den Weg aus der Sackgasse.

Sucht man da nicht das Gespräch mit dem Trainer, wenn es keine Entwicklung gibt?

Stiepermann: Ich habe es nicht gesucht. Ich hatte den Eindruck, ich konnte trainieren wie ich wollte, es passierte nichts.

Im Training hatte man zeitweise den Eindruck, Sie würden nicht einmal das Aachener Rathaus vom Karlsbrunnen aus treffen.

Stiepermann: Wenn man so viele Spiele nicht berücksichtigt wird, fällt es auch einem 21-Jährigen schwer, die Moral und Körpersprache hochzuhalten. Ich bin jedes Training gegen eine Wand gelaufen, Woche für Woche, auch bei guten Aktionen gab es keine Rückmeldung. Ich habe nie aufgegeben, weil ich meinen Fähigkeiten vertraue, aber es ist schwer, so Leistung zu bringen.

Hofft man da auf einen Trainerwechsel?

Stiepermann: Ich kann gegen Friedhelm Funkel als Menschen überhaupt nichts sagen. Er hat einen guten Umgang mit der Mannschaft gepflegt. Er machte keine verrückten Sachen, aber der Funke ist nicht übergesprungen. Aber natürlich habe ich vom Wechsel profitiert, weil Ralf Aussem meine Qualitäten aus den Spielen der zweiten Mannschaft einfach zu schätzen weiß.

Es gibt Leute, die mit Ihnen schon länger arbeiten, die sagen, Sie hätten eine Art Schuldkomplex: Sie würden sich vergebene Chancen viel zu stark zu Herzen nehmen.

Stiepermann (grinst): Ich mache mir tatsächlich oft Gedanken. In solchen Momenten ärgere ich mich, weil ich es besser kann. Ich kenne meine Qualitäten, aber wenn du monatelang nicht triffst, dann kommst du ins Grübeln.

Warum gesteht sich ein 21-Jähriger nicht zu, dass er noch kein perfekter Spieler ist?

Stiepermann: Der Ehrgeiz ist groß. Ich will nach oben, so schnell wie möglich. Dann fehlt auch schon mal die Ruhe.

Sie waren grob Stürmer Nummer 5, jetzt sind Sie Stürmer Nummer 1. Ändert sich die Ausgangslage?

Stiepermann: Ich wurde zuletzt gar nicht als Mittelstürmer, sondern als Links- oder Rechtsaußen angesehen, obwohl ich als Mittelstürmer geholt wurde. Unter Hyballa gab es noch die Idee mit den beiden Spitzen Auer und Stiepermann, was ganz gut geklappt hat. Danach bin ich auf die Außenbahn verschoben worden.

Sie haben gerade den Kapitän aus der Startformation gedrängt. Ist das ein Thema?

Stiepermann: Ich weiß, dass mir Benny Auer meine Einsätze von ganzem Herzen gönnt. Ich habe ihm früher viel Glück gewünscht, jetzt ist es umgekehrt. Ich habe großen Respekt vor dem, was er bislang geleistet hat.

Wer gibt einen Halt in trostlosen Phasen?

Stiepermann: Familie, mein Bruder, Freundin, Freunde. Ich bin fast jeden freien Tag zurück nach Dortmund gefahren.

War das eine Flucht?

Stiepermann: Nein, ich habe eher Unterstützung gesucht, die ich hier teilweise nicht mehr bekommen habe.

Die Grundmelodie hat sich geändert. Die Spielfreude ist zurückgekehrt. Was geht noch in dieser Saison?

Stiepermann: Wir hatten unheimlich viele Rückschläge: Spieler, die monatelang nicht getroffen haben, Gegentore in letzter Sekunde. Das steckt keiner so einfach weg. Das gute Gefühl ist zurückgekommen, auch wenn wir jetzt müde sind. Wir müssen jedes Spiel gewinnen, egal wie der Gegner heißt.

Ihr erstes Profijahr geht nun zu Ende. Es war bestimmt langweilig?

Stiepermann (lacht): Na ja. Ich denke, dass ich hier in Aachen zum richtigen Mann geworden bin. Es wird nicht viele Spieler geben, die so ein erstes Profijahr erleben. Vorher ging es in meiner Karriere immer nur bergauf bis hin zum ersten Bundesligatreffer. Du denkst, du bist schon ganz oben. Jetzt erlebe ich erstmals Tiefpunkte. Ich denke, dass es für meinen weiteren Weg sehr heilsam war.

Führt Sie der weitere Weg im Sommer zurück nach Dortmund?

Stiepermann: Es gab noch kein Gespräch, beide Vereine sind enorm beschäftigt. Die Saison wird abgewartet. Jetzt geht es nur darum, im Abstiegskampf zu bestehen.
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