Essen - Alemannias Joker von der Bank sticht sofort

Alemannias Joker von der Bank sticht sofort

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
8350997.jpg
Hitzig: Aachens Aimen Demai (vorne) und Domagoj Duspara nehmen Marwin Studtrucker in doppelte Bewachung beim Hinspiel in Essen. Foto: sport/Revierfoto

Essen. „Er hat zu mir gesagt, geh‘ rein, dann machst du erst eins und dann noch eins“, erläuterte Sahin Dagistan seinen Auftrag. Und der Joker von der Bank stach: Gerade erst drei Minuten in der Partie markierte der 26-Jährige per Kopf den hochverdienten Ausgleich für Alemannia Aachen bei Rot-Weiß Essen.

Auftrag-Teil zwei klappte zwar (noch) nicht, da Aachens Chancenverwertung erneut zu wünschen übrig ließ. Der Sieg vor 12 097 Zuschauern, darunter 2500 Aachener, wäre verdient gewesen, so blieb es beim 1:1 (0:1).

„Wir wollten nicht nur einen, sondern drei Punkte“, haderte Peter Schubert. „Die Jungs haben alles versucht, da kann ich nicht meckern. Nur wurden die Chancen nicht genutzt.“ Die Rot-Weißen waren mit Anpfiff auf Betriebstemperatur, während Aachen erst langsam in die Partie fand – aber die erste Chance hatte: Rafael Garcia passte in den Lauf von Kevin Behrens (3.), der das Außennetz traf. Glück für Aachen: Linksverteidiger Tim Hermes (9.), der ein Jahre lang in der U 23 der Alemannia gespielt hatte, erschütterte per Freistoß nur das Gebälk.

Rot für Essen

Körperbetonte Einsätze und Fouls prägten diese Phase, bis Schiedsrichter Daniel Rott (Dortmund) durchgriff: Michael Lejan (14.) sah nach einem Foul an Sven Kreyer Gelb, der Essener wegen Nachtretens glatt Rot. Rudelbildung, hitzige Diskussionen waren die Folge. „Und in der Halbzeitpause ist RWE-Sportvorstand Uwe Harttgen zum Schiri gegangen und hat gesagt, dass Lejan getreten hätte. Das ist ein Unding“, war Aachens Cheftrainer sauer.

Umstritten auch der Freistoß, der zu Essens Führung führte: „Kevin war in der Rückwärtsbewegung und ist mit seinem Gegenspieler zusammengestoßen“, ärgerte sich Schubert über den Pfiff. Freund und Feind waren nach Hermes‘ Schuss (35.) am Ball vorbeigeflogen, der aufsprang und in den Winkel ging – und Frederic Löhe sah nicht gut aus.

Anders reagierte Aachen nicht geschockt, zudem spielte die Überzahl der Schubert-Elf in die Karten. Sie blieb geduldig, übernahm zunehmend die Kontrolle. Domagoj Duspara legte für Dominik Ernst (37.) auf, der verstolperte. Behrens‘ Flanke fand Duspara (39.), dessen Schuss abgefälscht wurde, und erneut die Kombination Duspara – Ernst (41.), der nicht richtig zum Schuss kam. Mit einer Fußabwehr rettete Löhe nach einem Konter gegen Marcel Platzek (45.). „Wir haben gut nach vorne gespielt, hatten aber nicht das Balltempo wie gewünscht, haben zu wenig Lücken reißen können“, bemängelte Schubert.

Aachen kontrollierte nun die Partie, drängte Essen, das nur noch konterte, in die eigene Hälfte. Hitzig ging es weiter, doch der Schiri ließ die Karten in der Tasche: Ein Kopfstoß von Hermes gegen Ernst (54.) blieb ungeahndet, ebenso ein Foul des Ex-Aacheners an Demai (63.). „Der Schiri hat es nicht geschafft, den Druck rauszunehmen“, bemängelte Aachens Tim Jerat hinterher.

Die Alemannia diktierte zunehmend das Spiel – nur traf sie nicht: Lejan sah den frei stehenden Behrens, doch dessen Schuss beförderte RWE-Keeper Niclas Heimann so gerade noch über die Latte. Dann versuchte es Rafael Garcia einfach mal frech aus 20 Metern – diesmal rettete die Latte RWE.

Selbst abgelegt

Dann kam Dagistan für Duspara, der 70 Minuten geackert und den Ball behauptet hatte, so dass die Außen Räume bekamen. Dagistan eroberte den Ball, legte auf Ernst ab, der flankte, und der Stürmer (73.) – blitzschnell nach vorne gerannt – traf in der Rückwärtsbewegung per Kopf zum 1:1. „Ich bin reingekommen, dann kam die Flanke, und ich habe den Ball rein gemacht“, wollte Dagistan gar nicht viele Worte machen. „Es ist einfach ein schönes Gefühl.“ Drei Mal von der Bank gekommen und zwei Tore erzielt – eine feine Quote für einen Akteur aus der Mittelrheinliga, der in die neue Klasse erst noch reinwachsen muss. „Es ist schön, wenn so viel Qualität von der Bank kommt“, freute sich auch Schubert. Noch ist Dagistan kein Kandidat für die Startelf: „Sahin soll sich in Ruhe entwickeln.“

In der Schlussphase drängte RWE noch einmal, doch Aachens Abwehr stand sicher. „Ich bin zufrieden und auch wieder nicht“, ärgerte sich Demai hinterher. „Wir haben die Ruhe bewahrt, weiter kontrolliert gespielt und den Ausgleich gemacht. Aber aufgrund unserer Torchancen wären die drei Punkte verdient gewesen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert