Alemannia: „Wir haben eine Identität gefunden“

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Ein Fall für Zwei: Peter Schubert und Reiner Plaßhenrich sind zufrieden mit einer durchaus komplizierten Saison. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Der freie Fall ist gestoppt, nach zwei Abstiegen hat Aleman-nia Aachen die Regionalliga West gehalten. Chefcoach Peter Schubert und „Co“ Reiner Plaßhenrich blicken im Gespräch mit unseren Redakteuren Klaus Schmidt und Christoph Pauli auf die abgelaufene Saison.

Vor einem Jahr sind Sie beide zwangsverheiratet worden. Wie fällt die Bilanz nach einem Jahr Sportler-Ehe aus?

Schubert: Für mich stand von vornherein fest: Wenn ich was mache, dann nur mit Reiner an meiner Seite. Es war uns klar, dass das bei der Ausgangssituation nicht einfach wird. Im Endeffekt ist es auch so gekommen, vor allem in der Hinserie. Die Rückserie hingegen war sehr stabil und ist dadurch auch deutlich ruhiger verlaufen. Unser Ziel, frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, haben wir erreicht. Trotzdem hat die Mannschaft es geschafft – ich lasse das letzte Spiel jetzt mal weg –, die Spannung hochzuhalten und die Saison ordentlich zu Ende zu spielen.

Plaßhenrich: Zwangsverheiratet finde ich, ist ein doofer Ausdruck. Wenn man die ganze Geschichte hier sieht, waren wir ja eigentlich schon weg. Ich bin jetzt fast elf Jahre hier im Klub. Der Verein hängt mir am Herzen. Es wird eine Zeit dauern, bis wir wieder da sind, wo wir mal waren. Der Umbruch, die ganzen Störfeuer, die gelegt wurden – trotzdem haben wir es geschafft, unser Ziel frühzeitig zu erreichen.

Haben Sie in der intensiven Zusammenarbeit neue Züge beim Kollegen kennengelernt?

Plaßhenrich: Man lernt sich jeden Tag besser kennen. Dadurch, dass ich noch viel mit der Jugend zu tun hatte, war sehr viel Hektik dabei. Es gab und gibt viele Baustellen. Ich glaube, im nächsten Jahr wird unsere Zusammenarbeit noch viel intensiver.

Waren Sie immer einer Meinung? Oder hat der Assistent auch mal den Chef von einer anderen Idee überzeugt?

Plaßhenrich: Wenn man ein Trainerteam ist, sollte man nicht immer einer Meinung sein. Aber zum Schluss kommen wir immer auf einen Nenner. Es bringt mir nichts, wenn ich dem Trainer nach dem Mund rede. Dann entwickeln wir uns nicht weiter.

Schubert: Wir sind nicht immer einer Meinung. Dann wägen wir einfach ab: Was spricht dafür, was spricht dagegen? Dann findet man einen Konsens, und den haben wir bislang immer gefunden. Wir stehen beide dazu, egal, wessen Überlegung letzten Endes im Vordergrund stand.

Sie selbst haben kaum eine Pause gehabt in der letzten Saison, wie anstrengend war die Saison für Sie? Fühlen Sie sich urlaubsreif?

Schubert (lacht): Das schon. Ich fahre weg, um ein paar Tage ausspannen zu können.

Plaßhenrich: Der Spielbetrieb in der Jugendabteilung geht ja weiter. Von daher ist nicht viel mit Urlaub.

Am Ende steht ein ungefährdeter, aber schmuckloser Platz 13. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Plaßhenrich: Mit der Punktausbeute und dem Klassenziel auf jeden Fall. Klar hätten wir uns gewünscht, auf Platz elf oder besser einzulaufen, das wäre etwas schmückender gewesen. Aber wenn uns einer gesagt hätte, dass wir frühzeitig die Klasse halten, hätten wir blank unterschrieben.

Wie sind Sie mit der spielerischen Entwicklung zufrieden?

Schubert: Wir haben eine Identität gefunden. Wir haben es geschafft, stabil zu verteidigen, gut gegen den Ball zu arbeiten, in vielen Spielen schnell umzuschalten, um den Raum zu bespielen, den der Gegner frei lässt, und daraus Chancen zu kreieren. Das ist den Gegnern nicht verborgen geblieben. Aber wir waren nicht konstant.

Die Mannschaft ist unter extremen Bedingungen entstanden. Waren Fehler da programmiert?

Plaßhenrich: Am Anfang war viel Euphorie, die Fans sind gleich hochgegangen. Die Entwicklung, die die Mannschaft genommen hat, konnte der eine oder andere nicht mehr mitmachen. Jeder Spieler hat viele Chancen gehabt.

War die Euphorie problematisch, weil nach dem Auftaktsieg bei Fortuna Köln auch manche Spieler dachten: Oh, wir sind ja doch nicht so schlecht?

Schubert: Dennis Dowidat hat am 4. Spieltag gesagt: Wir brauchen uns vor keinem zu verstecken. Prinzipiell kann man dem zustimmen. Aber andere Mannschaften, die schon länger zusammenspielen, haben mehr Konstanz. Sie lassen sich nicht durch Kleinigkeiten von ihrem Konzept abbringen. Das ist bei uns schon passiert.

Wie kritisch war die Situation intern, auch nach dem Pokal-K.o. bei Bezirksligist Inde Hahn?

Schubert: Wir haben überlegt: Was können wir verändern, um der Mannschaft mehr Stabilität zu geben? Michael Lejan konnte uns zu diesem Zeitpunkt im Zentrum mehr helfen als auf der Seite. Das war eine der Maßnahmen, die gefruchtet haben.

Wer ist Spieler der Saison?

Plaßhenrich: Die Mannschaft hat geschlossen das Ziel erreicht.

Schubert: Man hat das im Champions-League-Finale gut gesehen. Der Superstar auf Real-Seite kam erst in der 119. Minute zur Geltung, vorher hast du den nicht gesehen. Auf der anderen Seite ist der Superstar in der 9. Minute verletzt ausgewechselt worden – es hat keinen Bruch gegeben. Auch diese Teams funktionieren als Kollektiv.

Einen Superstar wird man in der Regionalliga eher nicht finden. Wessen positive Entwicklung hat Sie denn am stärksten überrascht?

Schubert: Angenehm war sicher die Entwicklung von Rafael Garcia. Acht Tore, fünf Vorlagen sind für einen Jungen, der erst sein zweites Herren-Jahr spielt, davon ein Jahr in der Oberliga, schon gut. Zumal er ja in keine gefestigte Mannschaft gekommen ist.

Welche Spieler wurden verabschiedet?

Schubert: Wir haben verabschiedet – das heißt nicht, dass der eine oder andere nicht wiederkommt: Sangaré, Ajani, Drevina, Unger, Moslehe, Schumacher, Strujic, Yoshihara, Ahrens, formell Lünenbach und Marquet.

Sascha Marquet will sich innerhalb der nächsten beiden Wochen entscheiden. Welchen Eindruck haben Sie nach den Gesprächen?

Schubert: Wir haben ihm gesagt, dass wir gerne mit ihm weiterarbeiten würden. Für uns ist es wichtig, mit wem wir in die Vorbereitung starten und dass wir nicht jede Woche 20 Testspieler da haben. Ein paar Faktoren spielen sicher auch in Saschas Überlegungen eine Rolle. Er will gerne den Schritt in die Dritte Liga noch mal machen, für ihn ist es jetzt eine Grundsatzentscheidung. Sascha geht aber sicher nicht für jeden Drittligisten hier weg. Vielleicht bleibt er aber auch und baut weiter mit an dem, was wir aufgebaut haben, um wieder aufzusteigen.

Mit Demai und Hoffmann wurden im Winter gleich Anschlussverträge ausgehandelt. Kann es da noch Irrungen geben?

Schubert: Stand jetzt werden Aimen und Marcus auch nächste Saison bei uns spielen.

Andere Teams machen schon Neuzugänge bekannt, wieso ist das am Tivoli noch etwas zäh?

Plaßhenrich: Die Situation letztes Jahr war beunruhigender. Wenn man so etwas einmal mitgemacht hat und jetzt den großen Stamm schon hat, geht man etwas ruhiger ran. Es bringt nichts, ständig Namen reinzuwerfen. Es gibt wohl keinen Spieler in der Regionalliga, der nicht auf der Gerüchteliste von Rot-Weiß Essen steht. Ob das immer so glücklich ist? Da versucht jeder zu pokern – was in den letzten Jahren ja auch hier gut geklappt hat.

Schubert: Wir schauen auch intern. Wir werden mit Kris Thack-ray weitermachen, Sebastian Wirtz und Marvin Brauweiler kommen aus der U23, wir werden Tobias Mohr aus der A-Jugend dazunehmen, und Kengo Fukudome soll als dritter Torhüter noch ein Jahr bleiben. Und wir sind natürlich im Dialog mit Niko Opper nach seinem Kreuzbandriss. Ihm hat ein Spiel gefehlt zur Vertragsverlängerung. Florian Abel ist mit seiner Situation unzufrieden und muss für sich eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht. Formell haben wir einen Vertrag miteinander.

Wieso gab es so viele schwere Verletzungen am Ende der Saison?

Schubert: Das waren überwiegend Kontaktverletzungen. Was sicher ein Stück weit mit Müdigkeit zu tun hat.

Geschäftsführer Alexander Mronz hat öffentlich angekündigt, dass der Etat um die Summe X erhöht wird. Deckt sich das mit Ihren Erkenntnissen?

Schubert: Die entscheidende Frage ist ja: Welche Summe erhöht sich um wieviel Prozent? Die Summe, die zuletzt in den Medien genannt wurde, . . .

. . . 1,3 Millionen Euro . . .

Schubert: . . . entspricht nicht dem Etat, der für Spielergehälter zur Verfügung steht. Wir sind bemüht, das Geld, das wir als Überschuss haben, in die Mannschaft zu investieren. Wieviel das sein wird, kann man noch nicht genau beziffern. Wir versuchen, woanders etwas einzusparen, dadurch würde der Spielraum auch größer.

Wo wollen Sie mit Alemannia in der nächsten Saison hin?

Schubert: Wir waren jetzt sechs Punkte vom Siebten weg. Daran sieht man, wie eng alles beieinander ist. Dieses Jahr haben wir es nicht geschafft, in die obere Tabellenhälfte vorzustoßen. Das muss nächstes Jahr ganz klar unser Ziel sein. Mit der Konstanz, die wir in der Rückrunde gezeigt haben, brauchen wir uns vor keinem zu verstecken.

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