Alemannia will den „Mann aus den Bergen” verpflichten

Von: Christoph Pauli
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Die Koffer sind gepackt, nur das Ziel muss Davide Chiumiento noch Foto: imago/Geisser

Aachen. Bislang kennt Alemannias Trainer Davide Chiumiento nur von Videos. „Ein sehr interessanter Spieler”, sagt Michael Krüger. Sein Sportdirektor ist schon weiter. Er hat den 25-Jährigen schon vor Ort beim FC Luzern in freier Wildbahn beobachtet. Erik Meijer weilt auch gerade zufällig in der Schweiz, er versucht, den Chiumentio ins Rheinland zu locken. Wenn der Preis denn stimmt.

Der im Sommer ablösefreie Nationalspieler könnte eine Planstelle in Alemannias neuer Mannschaft bekommen. Es wäre eine Planstelle, die schon seit ein paar Jahren nicht mehr am Tivoli besetzt werden konnte: Regisseur im Mittelfeld.

Die Geschichte von Davide Chiumiento hat durchaus spektakuläre Aspekte. Mit 15 verließ er den FC St. Gallen und nahm das Angebot eines berühmten Vereins an. Der kleine Schweizer Wirbelwind wurde von Juventus Turin verpflichtet.



Als 18-Jährige wurde er bei einem Jugendturnier in Viareggio zum besten Spieler gewählt, Juves Sportdirektor Luciano Moggi bog gleich mit einem Fünf-Jahresvertrag um die Ecke. Das „Jahrhundertalent” sollte in Turin erblühen, der 1,73 Meter große Chiumiento wurde als Nachfolger des berühmten Alessando Del Piero gehandelt.

Die Geschichte endete nicht im Happyend, der junge Italo-Schweizer durfte eine halbe Stunde für die große alte Dame auflaufen, danach wurde er nur noch bei anderen Klubs geparkt. Mal in Siena, mal in Le Mans, mal bei Young Boys Bern, wo es Probleme mit Trainer Martin Andermatt gab. Und wieder zog der kleine Ballkünstler weiter, der FC Luzern holte ihn 2007 ab.

Chiumento gilt als nicht sonderlich pflegeleicht, er hat einen sehr eigenen Kopf, in der Schweiz nennen sie ihn schon mal Diva. „Wir können in unserer netten Mannschaft so einen Charakter gut gebrauchen”, sagt Meijer. Ein bisschen mehr Temperament könne nie schaden.

Zweimal sagte Chiumento dem Schweizer Nationaltrainer Köbi Kuhn ab, er spielte zwar bis zur U21 für die Eidgenossen, aber lieber wollte er für das große Italien auflaufen. Der Weltmeister hatte kein Interesse an ihm. Und Kuhn verzichtete darauf, ihn für die heimische Euro 2008 zu nominieren.

Die Karriere von Chiumiento kam nicht so richtig in Gang. Talent wurde ihm regelmäßig bescheinigt. Der kleine Spielmacher hat immer den besonderen Pass dabei. Aber erst in Luzern bekam er die Kurve.

„Er bekam mir vor wie ein Slalomfahrer, der bei jeder Slalomfahrer, der bei jeder Zwischenzeit am schnellsten unterwegs war, aber nie mit der Bestzeit das Ziel erreichte”, charakterisierte ihn zwischendurch sein Trainer Rolf Fringer. „Und so kannst du unmöglich den Weltcup gewinnen.”

Es gibt gute Hinweise dafür, dass Chiumiento seine Lektion gelernt hat. Zwar hat er ein paar Jahre dafür gebraucht, aber immerhin. „Wenn ich sehe, welchen Weg meine ehemaligen Kollegen von Juventus gegangen sind, muss ich eingestehen, dass ich einen Absturz hinter mir habe”, sagt er.

Das klingt geläutert, und den Worten folgen Taten. Er spielt in Luzern eine famose Saison, hat in 14 Spielen 7 Treffer erzielt, etliche eingefädelt. Chiumiento wird als „Schlüsselspieler” gefeiert.

Vor ein paar Wochen hat der 25-Jährige sein Debüt für die Schweiz gegeben, Ottmar Hitzfeld wechselte ihn eine Halbzeit gegen Uruguay ein. In der Schweiz singen sie ihm längst wieder Hymnen.

Natürlich ist so ein 25-Jähriger mit so einer Biographie kein Geheimtipp mehr. „Wir müssen ihn davon überzeugen, dass er nach Aachen passt”, sagt Meijer. Fest steht vorerst: „Davide sucht eine Herausforderung im Ausland.”
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