Radarfallen Blitzen Freisteller

Alemannia: Uwe Scherr würde bleiben

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
5433789.jpg
Nicht auf der Flucht: Uwe Scherr würde unter Umständen am Tivoli den Neuaufbau begleiten. Foto: imago/Martin Hoffman

Aachen. Die Scherben wurden auch am Montag noch am Tivoli zusammengekehrt. Kaputt gegangen ist wieder einiges bei Alemannia am Wochenende. Die U 19 stieg aus der Bundesliga ab, die Profis werden die 3. Liga verlassen müssen. Und schon wird in allen Bereichen geplündert, viele Spieler werden von anderen Klubs umgarnt. Von Beileidsbekundungen bittet Manager Uwe Scherr dennoch abzusehen.

Wie es weitergeht im taumelnden Verein, ist die Kernfrage seit Wochen. Sportlich sind die Weichen in die Niederungen gestellt. Mitte der Woche ist ein Gespräch mit den Sanierern geplant, danach soll der finanzielle Rahmen für die 4. Liga erkennbar sein. „Es wird finanziell keine großen Sprünge mehr in Aachen geben“, weiß Scherr schon vor dem Ausflug ins Land der kleiner werdenden Zahlen. In den nächsten „ein, zwei Wochen“ sollen zumindest die wichtigsten Personalien bei Alemannia geklärt sein, hofft Scherr. Vor ein paar Monaten schrie er den damaligen Präsidenten Meino Heyen in einer internen Sitzung wutschnaubend an: „Sie haben mir die Karriere versaut.“ Damals, so erinnert sich Scherr, war er sicher, „im falschen Film“ gelandet zu sein. Amtsgericht statt Aufstieg, Abstieg statt Aufbau – davon stand nichts in der Stellenausschreibung. „Hinschmeißen wäre leicht gewesen.“ Inzwischen will der 46-Jährige nicht mehr zurückblicken. Er will beim x-ten Neuaufbau mitmachen. „Ich wäre nicht abgeneigt zu bleiben, wenn in Aachen vernünftige Strukturen entstehen. Unverändert bin ich davon überzeugt, dass der Klub viel Potenzial besitzt.“

Bleibt Scherr? Braucht man noch einen Manager in der 4. Liga, kann man sich ihn überhaupt leisten? Das ist eine der Überlegungen, die die handelnden Funktionäre haben. Oder soll man einen Trainer holen, der sich bestens in der Regionalliga auskennt und in Personalunion den Manager gibt? Auch das ist eine Denkrichtung. Muss man nach dieser dramatischen Vorgeschichte nicht mehr Wert auf einen guten kaufmännischen Geschäftsführer legen?

Aber immer noch tobt im Verein die ungelöste Frage, wer konzeptionell für die Zukunft zuständig ist. Die Sanierer würden gerne am 1. Juli das Haus wieder verlassen. Aktuell wird der Insolvenzplan vorbereitet. „Im Idealfall würde er dann zum 1. Juli von den Gläubigern angenommen“, sagt Michael Mönig. Der Interimsgeschäftsführer hätte damit seinen Auftrag erfüllt.

Die meisten Initiativen in den letzten Wochen gingen vom Wirtschaftsbeirat aus. Doch das ist ein Gremium, das formal nur beraten und nicht bestimmen darf. Dabei sind die Herren gerade mit dem Anspruch angetreten, die Zukunft Alemannias zu sichern.

Wer entscheidet also möglichst zeitnah? Wer bewertet die Leistung der Verantwortlichen in der verkorksten Saison? Warum hat der hoch gelobte Kader von Uwe Scherr auch in der Vorrunde enttäuscht? Punktemäßig ist die Ausbeute von Trainer René van Eck lausig. Aber es fällt schwer, die Arbeit zu beurteilen, seitdem die Pleitegeier ihre Schatten am Tivoli werfen. Für van Eck hat sich unterwegs die Aufgabe plötzlich verändert, als die Mannschaft aus wirtschaftlichen Zwängen auseinanderfiel und fortan nur noch punktuell wettbewerbsfähig war. Vermutlich kann man den Trainer eher an der Arbeit messen, bevor die Insolvenz offenkundig war. Der Niederländer will am Standort bleiben, hat er mehrfach betont. „Er ist der erste Ansprechpartner“, kündigt nun Scherr an. „Das ist schon imponierend, wie das Trainerteam seit Monaten arbeitet, ohne sich auch nur ein Mal über die Schwierigkeiten zu beschweren.“ Er würde gerne an van Eck festhalten – ohne bislang den finanziellen Rahmen zu kennen.

Die Ankunft in der Regionalliga bedeutet weitere Einsparungen – und nicht nur auf der in den letzten Wochen bereits ausgedünnten Geschäftsstelle. Das Nachwuchsleistungszentrum soll unter allen Umständen als Talentschmiede gehalten werden, sagt Scherr. Aber für hauptberufliche Trainer dort – wie aktuell Peter Schubert oder Reiner Plaßhenrich – werden die Mittel fehlen. Die Gehälter müssen weiter schmelzen. „Die Spieler werden noch weniger verdienen als jetzt in der Insolvenzsituation“, sagt Scherr.

Seit den Änderungskündigungen im Januar verdient kein Profi monatlich mehr als 3000 Euro. Die Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr in die Profibranche sind gering bei diesen Vorzeichen. „Den Leuten muss klar sein, dass der sofortige Aufstieg unrealistisch ist.“ Der Verein werde sich lange Zeit von all den Tief- und Rückschlägen erholen müssen. Die Scherben der Insolvenzsaison werden noch lange nicht aufgekehrt sein am Tivoli.

Leserkommentare

Leserkommentare (37)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert