Toilettenfrau
Präsentiert von der Actimonda

Alemannia: Überraschungsgast im Mittelfeld?

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
4470783.jpg
Befördert: Armand Drevina, Kapitän der A-Jugend, könnte in der Startelf stehen. Foto: Ratajczak

Aachen. Nach dem Training gab es dann noch eine kleine Weiterbildung in eigener Sache. „Was muss ein Spieler bedenken bei einem Verein, der sich im Insolvenzverfahren befindet?“ war die Überschrift des Referats von Lars Kindgen. Alemannias Profis hatten um die Nachhilfe durch die Spielergewerkschaft VDV gebeten.

Der Verband hat eine gewisse Erfahrung mit solchen dramatischen Situationen. Das angestrebte Verfahren in Aachen ist aber auch für ihn neu. „Wir kennen keinen Fall, in dem ein Insolvenzplanverfahren durchgezogen worden ist.“

Geht es nach den Plänen von Michael Mönig, ändert sich das. Alemannias Restrukturierungsbeauftragter will heute Morgen im vorläufigen Gläubigerausschuss erstmals seine Vorstellungen und das Ergebnis der Kollekte primär in Alemannias eigenen Gremien präsentieren. Die Versammlung berät dann, wie es weitergeht.

Für die Spieler ändert sich mit der für heute geplanten Antragstellung beim Insolvenzgericht nichts, erst wenn ein Verfahren eröffnet wird, entstehe ein außerordentliches Kündigungsrecht, sagt Kindgen. Weil das erst drei Monate später greifen würde, helfe das so richtig auch nicht weiter, denn selbst Kicker, die unverschuldet in Not geraten, dürfen nur im Januar durch das Transferfenster schlüpfen.

So bleibe nur der Weg der Einigung mit dem eingesetzten (vorläufigen) Insolvenzverwalter zur Vertragsauflösung oder auf einen neuen, niedriger dotierten Kontrakt.

Der Ausflug in die Jurisprudenz ist das nächste Zeichen, dass sich der Profi-Alltag am Tivoli geändert hat. Der Verein hängt am seidenen Faden, aber seine wichtigsten Marketingmitarbeiter sollen die Stimmung ein bisschen aufhellen. „Ich habe den Jungens gesagt, sie sollen Gas geben, jeder kann an seinem Marktwert arbeiten“, hinterließ Kindgen, der selbst mal bei Alemannia zu besseren Zeiten unter Vertrag stand.

Mit dem Appell liegt er ganz auf der Linie von René van Eck. Aachens Trainer ist in dieser Woche ebenfalls sehr deutlich geworden. „Es regt mich auf, wenn die Mannschaft die Köpfe hängen lässt. Wer nicht mehr will oder nicht mehr kann, soll mit seinem Vertrag zum Sportdirektor gehen“, hat er angeregt. „Es geht weiter. Wir müssen gemeinsam die Karre aus dem Scheißdreck ziehen“, sagt er und bezieht die Fans mit ein. Beim anstehenden Spiel gegen den VfL Osnabrück werden „Retter-Shirts“ für 20 Euro verkauft. Van Eck will drei für seine Kinder erwerben.

Weißer Ritter mit Schatulle?

„Wir müssen kämpfen“, sagt der 46-Jährige. Bis zum Jahresende – solange ist der Betrieb vorerst gesichert – will das Team über dem Strich, also jenseits der Abstiegsplätze stehen. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass noch jemand mit dem großen Koffer vorbeikommt und uns finanziell rettet.“ Kommt der weiße Ritter mit der Schatulle nicht, wird sich das Bild der Mannschaft gewaltig verändern. Kurzfristig behält sie ihr Gesicht.

Christian Weber und Thomas Stehle fallen ebenso weiter aus wie Denis Pozder, der immerhin das Lauftraining wieder aufgenommen hat. Einen Überraschungsgast könnte es auch am Samstag in der Aufstellung geben. Der Trainer erwägt, Armand Drevina aufzustellen.

Der Kapitän der A-Jugend hat in Stuttgart seine ersten vier Profiminuten erlebt. „Er hat eine gute Ruhe am Ball, ist präsent in den Zweikämpfen“, sagt der Trainer über den Schüler, der nur selten bei den Profis trainieren kann. Vorgesehen ist der 18-Jährige im zentralen Mittelfeld, einer Position, die bislang für Kapitän Albert Streit reserviert war, dessen nächste Sperre abgelaufen ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.