Alemannia: Traumtor, aber kein Traumergebnis

Von: Christoph Pauli
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Denis Pozder (rechts) schoss die Alemannia gegen Darmstadt per Traumtor in Führung, am Ende reichte es trotz aller Dominanz aber nur zu einem Punkt. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Dieser ziemlich verregnete Samstag begann für Alemannia mit ein paar trüben Nachrichten. Ein letzter Belastungstest von Albert Streit fiel negativ aus, die Achilessehne ließ keinen Einsatz zu. Der mögliche Ersatzmann Florian Müller meldete sich mit Adduktorenproblemen ab.

Und der mögliche Ersatz des Ersatzmannes, Norikazu Murakami, war gegen Darmstadt 98 noch nicht spielberechtigt. Es war nicht die letzte unerfreuliche Nachricht aus Sicht der Aachener an diesem Samstag. 1:1 endete die Partie zwischen den Traditionsklubs.

„Der Fußball ist einfach unfair”, fasste Thimmy Thiele das Spiel zusammen. Dieser Fußball war zumindest ungerechnet, das einseitigste Heimspiel seit vielen Monaten endete nur Remis. Selbst Darmstadts Trainer Jürgen Seeberger, der den Ausgleich mit wilden Sprüngen wie bei einem Titelgewinn auf dem Spielfeld gefeiert hatte, ordnete das Ergebnis richtig ein. „Wir hatten keinen Eckball, keinen Standard und machen mit einer Chance einen Treffer. Mit dem 1:1 bin ich hochzufrieden, mit unserer Spielweise natürlich nicht.”

Sein Aachener Kollege Rene van Eck dagegen war mit der Spielweise seines Team „sehr zufrieden”. Die Mannschaft entwickelt sich. Mit dem Ergebnis freundete er sich verständlicherweise nicht an.

Seebergers Team kam aufs Spielfeld mit einem leicht erkennbaren Plan. Sie zogen sich weit zurück, gaben eine Hälfte fast völlig auf. An einer Torejagd waren sie nicht sonderlich interessiert.

Bis zur Pause bekamen 13.003 Fans nicht ansatzweise zu sehen, wie Aachens neuer Keeper Michael Melka sein Handwerk beherrscht. Die Hausherren hatten in Abwesenheit ihres kreativsten Spielers Albert Streit zwar nicht alle fünf Minuten auf dem seifigen Platz einen Gedankenblitz, doch in schöner Regelmäßigkeit kamen sie zu Chancen.

Meistens war Oguzhan Kefkir beteiligt. Nach drei Minuten zog der Türke vom linken Flügel nach innen, zielte aber zu hoch. Kefkir schickte Thiele auf die Reise, aus spitzen Winkel scheiterte der an Gästekeeper Jan Zimmermann (8.). Das Darmstädter Zentrum war ziemlich verriegelt, so vesuchten es die Aachener über die Außenbahnen. Christian Weber flankte, Denis Pozders Fallrückzierchen war kein großes Problem für den Schlussmann der Lilien (12.).

Das Spiel nahm keine große Fahrt auf, zu sehr verschanzten sich die Gäste. Kefkir hatte eine Gelegenheit, als Zimmermann den nassen Ball fallen ließ. Der Flügelstürmer wurde abgedrängt, verzog deutlich (27.). Der Türke durfte sich noch mal an einem ruhenden Ball versuchen. Sein Freistoß aus 25 Metern zischte übers Ziel (41.). Die längst verdiente Führung verpasste Pozder mit dem Pausenpfiff. Sein Kopfball nach einer präzisen Thiele-Flanke verfehlte das Tor nur knapp (45.). Es war die größte Gelegenheit, die Gäste aus der Reserve zu locken.

Eine gute Stunde dauerte es, bis die überfällige Belohnung anstand. Pozder nahm einen Einwurf auf, hielt den Ball in der Luft, um ihn dann vom Strafraumeck hoch ins lange Eck zu zimmern. Ein Treffer wie ein wärmender Sonnenstrahl an diesem Tag. Es war der vierte Treffer des Stürmers, den sie langsam an Team und Liga heranführen wollten. Der Top-Torjäger hatte sein Konto weiter auffüllen können, wohl auch müssen. Einen Rückpass von Kefkir schob er als elf Metern aufs leere Tor, Verteidiger Cem Islamoglu wehrte auf der Linie ab, beim Nachschuss kam Thiele in Rücklage. Gespielt waren schon 74 Minuten, und es gab kein Anzeichen, dass die Gäste hier noch aufmucken wollten. Alemannia wirkte sehr konzentriert in der Defensive. Schwertfeger und Brauer wachsen immer besser in ihre Rollen hinein, die Innenverteidiger gewannen alle Zweikämpfe. Die Partie war so einseitig wie vor Monaten das Aachener Spiel in Karlsruhe.

Punkte gibt es nicht für eine Mannschaft, die sich erkennbar entwickelt, aber erkennbar auch zu leichte Beute für den Gegner bleibt. Darmstadt nutzte die erste und einzige Chance, am Ende eines kollektiven Gestochers schob Kacper Tatara den Ball aus sieben Metern unter Melka ins Netz (76.). „Unmöglich wie wir uns da verhalten”, schüttelte Aachens Trainer Rene van Eck seinen Kopf. Die Mannschaft behält am Tivoli ihren Heimkomplex, der einst mit Jürgen Seeberger begonnen hatte.
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