Alemannia: Tivoli-Anleihe nicht insolvenzfest

Von: Christoph Pauli
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Fan-Anleihe
Sie präsentierten 2008 die Tivoli-Anleihe: Reiner Plaßhenrich, Friethof Kraemer, Erik Meijer, Robert Moonen und Jürgen Linden. Foto: Wolfgang Plitzner
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Für die Zeichner wäre es eine bittere Erkenntnis, wenn die Anleihe nicht insolvenzfest wäre: Ihnen wurde eine jährliche Verzinsung von sechs Prozent versprochen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Die Tivoli-Anleihen sind nicht insolvenzfest. Zu diesem Urteil kommt jedenfalls ein externer Jurist, der den Sachverhalt in den letzten Tagen intensiv geprüft hat. Der aktuelle Sachwalter Rolf-Dieter Mönning hat das Ergebnis nach Informationen unserer Zeitung in einem Zwischenbericht dem vorläufigen Gläubigerausschuss bereits mitgeteilt. Weder Mönning noch Geschäftsführer Michael Mönig wollten sich zu der Nachricht äußern.

Für die Zeichner wäre das eine bittere Erkenntnis: Sie hatten 2008 4,2 Millionen Euro zusammengetragen – ein wichtiger Baustein des Klubs für den Stadionneubau. Ihnen wurde eine jährliche Verzinsung von sechs Prozent versprochen. Mit dem Geld sollte verhindert werden, dass der Klub den Stadionnamen verkaufen muss.

„Die Liebe zum Tivoli, zum bestehenden Namen, ist ausgeprägter als der finanzielle Anreiz, den Stadionnamen an ein Unternehmen zu verkaufen. Würden wir das tun, hätten wir einen erheblichen Identitätsverlust, der Tivoli ist neben der Alemannia ein erheblicher Schlüsselreiz“, hatte der ehemalige Geschäftsführer Frithjof Kraemer damals erklärt. Fällig werden die Inhaberschuldverschreibungen am 16. August dieses Jahres. Bereits im Wertpapierprospekt wurde dokumentiert, dass im Insolvenzfall das Risiko bestehe, dass andere Verbindlichkeiten vorrangig zu befriedigen seien.

Die Stadt Aachen hatte bei der Umfinanzierung der Stadionkredite im Frühjahr letzten Jahres auf Sicherheiten für die Zeichner gepocht. Ursprünglich sollte der gesamte Betrag hinterlegt werden. Letztlich wurden 2,1 Millionen Euro auf einem Treuhandkonto geparkt. „Wesentlicher Inhalt dieses sehr stringent formulierten Vertrages ist es, dass die städtische Gesellschaft das Geld nur zur Rückzahlung der Fananleihe auszahlen darf“, teilte die Kommune mit.

In den internen Gesprächen hatte Alemannia dargelegt, dass etwa nur die Hälfte der Zeichner sich das Geld am Ende der Laufzeit auszahlen lassen würden. Die andere Hälfte wolle die limitierten Schmuckurkunden nicht zerschneiden lassen und verzichte. Solche Erkenntnisse hätten zumindest andere emittierende Klubs.

Jetzt droht, dass auch das festgelegte Geld nicht insolvenzfest ist. Setzt sich diese Rechtsauffassung durch, könnte Mönning das Geld von der Stadt einfordern und es in die Insolvenzmasse einfließen lassen, mit der später die Gläubiger befriedigt werden sollen. Die Anleger würden unfreiwillig einen Beitrag zur angestrebten Sanierung leisten, die eine entsprechende Quote vorsieht. Die Stadt hat sich der Rechtsauffassung noch nicht angeschlossen. „Inwieweit jetzt eine Auszahlung des Treuhandguthabens erzwungen werden kann, wird derzeit rechtlich geprüft“, sagt ein Sprecher der Stadt.

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