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Alemannia strebt den nächsten Tabubruch an

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Andreas Bornemann. Foto: imago/Sportnah

Aachen. Die Erkenntnisse ließen sich nicht mehr abschütteln wie ein lästiger Verfolger. So wie Möwen das Fischerboot begleiten, so musste auch Alemannia in der Hinrunde ein paar unerwünschte Begleiter ertragen.

Die Mannschaft holt keinen Rückstand auf, sie schießt keine Jokertore, sie ist nach Freistößen völlig ungefährlich - solche Urteile hatte sich die Gruppe redlich verdient in den letzten Monaten.

„Uns geht es darum, diese Muster zu durchbrechen”, hat Trainer Jürgen Seeberger seiner Mannschaft im Winterlager gepredigt. Ein paar dieser unliebsamen Thesen sind in den letzten Spielen bereits eindrucksvoll widerlegt worden. Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt, Jokertore, sieben der neun Treffer fielen nach Standards...

Die Bilanz stimmt, und nun soll das hartnäckigste aller Muster durchbrochen werden, das den fiesen Namen „chronische Auswärtsschwäche” trägt.

Die Mannschaft, die gerade ihr bestes Spiel unter Seeberger abgeliefert hat, läuft in Ingolstadt auf. Weil alles nun anders laufen soll, ist auch die Anreise anders: Die Gruppe reist erstmals in dieser Saison mit dem Zug. Und mitgenommen werden soll im Gepäckraum die Überzeugung der letzten drei Halbzeiten.

Manager Andreas Bornemann hat nach dem turbulenten Spiel gegen Rostock daran erinnert, „dass bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen ein Platz zwischen 6 und 8 ein realistisches Ziel” sei. Er wolle der Mannschaft nicht die Qualität absprechen, „aber ich möchte die Erwartungshaltung etwas relativieren”.

Verbale Defensive

Wo die Mannschaft sportlich anzusiedeln ist? „Unsere Chance liegt in der Ausgeglichenheit der Liga”, meint Bornemann. Zwischen Platz 1 und 9 scheint alles möglich, aber vorerst setzt das Team auf verbale Defensive.

Diese drei letzten Halbzeiten dürften auch eine Zäsur im Fußballerleben von Lewis Holtby sein. Offiziell ist der Wirbelwind 174 Zentimeter groß, ob das bundesweite Lob, das Interesse vieler Vereine auf seinen schmalen Schultern drückt? Wie geht ein 18-Jähriger mit solch süßer Last um?

„Er hat ein Talent über schnelle Muskelfasern hinaus. Er entwickelt sich konzentriert weiter und kümmert sich nicht darum, was um ihn herum passiert”, ist sich sein Trainer sicher.

Nur zu gerne würde Alemannia sich noch ein paar Jahre länger mit dem Megatalent aus der eigenen Jugend schmücken. Die Konkurrenz wächst allerdings von Spiel zu Spiel. Am Mittwoch saß Bornemann erstmals mit Holtbys Manager zusammen.

Alemannia muss primär mit weichen Fakten überzeugen. „Er ist gut aufgehoben in der Mannschaft, hier hat er Ruhe, bekommt seine Einsatzzeiten, ist beliebt...” Ausgang offen.

Noch hofft Aachen, dass das älteste Grundmuster - „Spieler folgt dem Lockruf des Geldes” - besiegt werden kann.
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