Alemannia stiehlt sich selbst den Sieg

Von: Roman Sobierajski
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Karlsruher SC - Alemannia Aachen
Der Karlsruher Lars Stindel (links) in einer Spielszene mit dem Aachener Florian Müller (rechts). Foto: dpa

Karlsruhe. „Alles Gerede ist vorbei”, verkündete der Karlsruher Stadionsprecher den 23.332 Zuschauern im Wildparkstadion. Kurze Zeit später rollte gegen Alemannia Aachen der Ball tatsächlich. Doch nach dem 1:1 dürfte an manchen Stellen der Gesprächsbedarf wieder aufgeflammt sein.

„Wir hätten das Spiel nach dem Führungstreffer für uns entscheiden müssen”, ärgerte sich etwa Timo Achenbach. „Aber wenn man den zweiten Treffer nicht nachlegt, dann wird man früher oder später bestraft.” Die ersten 20 Minuten der Begegnung bei tropischen Temperaturen hatten sich beide Teams noch vorsichtig abgetastet, der gegenseitige Respekt zum Saisonstart schien groß.

Doch schon in dieser Phase wurde die größte Schwäche des Bundesliga-Absteigers offensichtlich, die mangelnde Eingespieltheit der Mannschaft von Ede Becker. Aachen stand defensiv souverän, überraschende Spielzüge der Hausherren waren Fehlanzeige. Beide Teams kamen in der Folgezeit zu Chancen vor dem Seitenwechsel, die größte des KSC entschärfte Thorsten Stuckmann (27.).

„Wir hatten eine kleine Schwächephase vor der Halbzeit, aber das haben wir nach dem Wechsel mit dem Tor schnell beseitigt”, befand Trainer Jürgen Seeberger, der „ein sehr gutes Spiel mit hohem Tempo” gesehen hatte. Der Führungstreffer, der war ein feines Geschenk des kroatischen Defensivakteurs der Badener, Dino Drpic. Florian Müller, der spiegelverkehrt als Rechtsfuß auf der linken Seite spielen musste, hatte sich im Strafraum durchgesetzt, den Ball nach innen gespielt - und Drpic ließ dem eigenen Torhüter mit der Hacke nicht den Hauch einer Chance (53.).

„Dann hat sich Karlsruhe geschüttelt und richtig aufgedreht”, sah Seeberger die letzte halbe Stunde. Doch eigentlich machte der Hausherr kräftig die Haustür auf bei dem Versuch, zum Ausgleich zu kommen. Nur Aachen war ein höflicher Gast und trat nicht ungefragt über die Schwelle. Babacar Gueye war allein vor Keeper Kor- netzky aufgetaucht, zog aber nach außen vorbei, wodurch der Schusswinkel zu spitz wurde. Für die Nachschuss-Chance kam Hervé Oussalé um einen Bruchteil zu spät (80.).

Mit anders herum verteilten Rollen hätte die Entscheidung bereits in der 67. Minute fallen können, fallen müssen. Oussalé trennte sich im Strafraum tatsächlich einmal vom Ball und bediente Gueye - allerdings so nachlässig, dass sich eine glasklare Torchance im Handumdrehen in eine fahrlässig vergebene verwandelte.

Der dann fällige Ausgleich der Karlsruher brauchte fast die gesamte Länge des Platzes, hatte einige Beteiligte und noch mehr Unbeteiligte: Thorsten Burkhardt war in Strafraumnähe gefoult worden, doch Schiedsrichter Günter Perl ließ weiterspielen. Weiterspielen ließen auch Timo Achenbach und Cristian Fiel, die darauf verzichteten, den KSC-Konter durch ein taktisches Foul weitab vom eigenen Tor zu stoppen. Zu viel Einsatz zeigte dann beim Flankenball Aachens Innenverteidigung, die gemeinsam mit Torwart Stuckmann hochging. Fast alle trafen sich gegenseitig, nur der Ball hielt sich vornehm raus und kullerte dem kurz zuvor eingewechselten Macauly Chrisantus vor die Füße, der unbedrängt einschieben konnte (81.).

Dass es nicht noch bitterer wurde, war Thorsten Stuckmann zu verdanken, der in der 88. Minute mit dem Fuß gegen Chrisantus rettete und zwei Minuten später mit den Fäusten gegen Mutzel klärte. „Wir haben hier ein gutes Spiel abgeliefert, darauf können wir aufbauen. Gegen St. Pauli müssen wir drei Punkte holen”, zog Timo Achenbach noch etwas Positives aus den verlorenen zwei Punkten.
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