Alemannia: Präsidium wehrt sich juristisch gegen „falsche Behauptungen“

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Helmut Kutsch
Wird die Rettung gefährdet? Das aktuelle Alemannia-Präsidium um Helmut Kutsch wehrt sich juristisch gegen das Quartett mit Ex-Präsident Horst Heinrichs. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Behauptung lässt keine Interpretation zu. „Präsidium plant das Ende“ ist die Pressemitteilung von Horst Heinrichs, Hans-Dieter Schaffrath, Ralf Bündgen und Klaus Offergeld überschrieben. Alemannias aktuellem Vorstand wird unterstellt, dass er „in den nächsten Tagen die Auflösung des Vereins“ erwäge.

„Gleichzeitig verdichten sich die Anzeichen, dass parallel ein anderer Verein gegründet werden soll.“ Das Alemannia-Quartett, das längst als neue Vorstandsmannschaft gehandelt wird, unterstellt den aktuellen Amtsinhabern eine Lüge.

Schon vor ein paar Wochen waren die Vier aktiv geworden, als das Präsidium eindeutig satzungswidrig die vorgeschriebene Mitgliederversammlung verschoben hat. Mit den dargelegten Gründe – zu wenig Geld für zwei Versammlungen und unklare Lage im Kölmel-Prozess – hätte man offensichtlich nur das Ziel verfolgt, „Zeit zu gewinnen sowie Mitglieder, Fans und die Öffentlichkeit über die wahren Absichten zu täuschen.“

Hat das aktuelle Präsidium, wie angedeutet, also das Publikum massiv und fortgesetzt getäuscht? Suchten Schaffrath, Ex-Präsident Heinrichs nur verzweifelt die öffentliche Bühne, um auf die drohende Entwicklung hinzuweisen? Dann müsste das Präsidium um Helmut Kutsch schleunigst den Rückzug antreten.

Oder liegen die Dinge anders, sind die Vier aus Profilierungssucht deutlich übers Ziel hinausgeschossen? Das wäre genau so ein Skandal. Dann würden die Präsidiumsmitglieder, die nach dem Abschied von Meino Heyen im Herbst am Tivoli geblieben sind, nicht nur persönlich verunglimpft. Die Behauptungen – bereits bundesweit vervielfältigt – würden auch den Regionalligisten an seiner empfindlichsten Stelle treffen.

Verbrannte Erde

Der Klub versucht derzeit wieder ein bisschen verbrannte Erde zu bepflanzen. Bei Sponsoren und Fans soll das verspielte Vertrauen zurückerobert werden. Vor ein paar Tagen erst hatte der neue Vermarkter Infront sein Aushängeschild Günter Netzer deswegen nach Aachen geschickt. So oder so: Ein Quartett wird am Ende als Lügner darstehen.

Das Präsidium hat nicht nur die überfällige Hauptversammlung inzwischen auf Montag, 2. September, 19 Uhr, Ort steht noch nicht fest, terminiert. Es wehrt sich juristisch gegen die verbreitete Erklärung. „In dieser existenziellen Krise der Alemannia derart falsche Behauptungen zu verbreiten, geht einfach zu weit“, ärgert sich Schatzmeister Oliver Laven.

Unterlassungserklärung

Der Frust wächst in dem Gremium, das intensiv damit beschäftigt ist, die drohende Insolvenz zu verhindern. Heinrichs, Schaffrath und Co. sollen bis Donnerstagmittag schriftlich erklären, ab sofort derartige „vereinsschädigende“ Erklärungen zu unterlassen. „So gefährdet man mit diesen Gerüchten alle Rettungsversuche“, sagt Laven.

Ex-Präsident Horst Heinrichs dagegen begrüßt die neue Entwicklung. „Wer sagt denn, dass es ohne unseren Druck so schnell eine Jahreshauptversammlung gegeben hätte?“

Immer noch schwebt über den Verein der Ausgang des Kölmel-Prozesses. Das Verfahren ist beim Oberlandesgericht in Köln anhängig, der zuständige Senat hatte zuletzt ausgeführt, dass er deutlich in Richtung der Argumentation des Rechtehändlers tendiert. Auf Alemannia käme dann eine Millionen-Forderung zu, die zwangsläufig zur Zahlungsunfähigkeit führen könnte. Der Senat hatte die Parteien zu Stellungnahmen bis Anfang Juli aufgefordert, dann will er festlegen, ob er noch einmal in die Beweisaufnahme geht.

Alemannias Präsidium versucht seit Wochen, einem Urteil durch einen Vergleich zu entgehen. Die Ausgangslage des Vereins ist deswegen so schwierig, weil in der Ära unter dem Präsidenten Horst Heinrichs eben keine Rückstellung gebildet wurde. Heinrichs berichtete am Montag, dass damals Gutachter davon abgeraten hatten und auch die DFL als Lizenzgeber keine Notwendigkeit dafür gesehen habe. Die Haltung wurde bekräftigt durch den juristischen Sieg Alemannias in der ersten Instanz vor dem Aachener Landgericht.

Dementiert wird auch von Seiten der Alemannia-GmbH, dass im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Klubs der Ball selbst nicht einmal in der Regionalliga rollen würde, wie das behauptet wird in dem Schreiben von der Gruppe um Heinrichs. „Eine Insolvenz des Vereins hätte keinen Einfluss, wir haben wirtschaftlich sowohl die Lizenz für die 3. als auch für die 4. Liga“, sagte Sprecher Holger Voskuhl.

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