Wiesbaden/Aachen - Alemannia: „Liebesbeweis“ für ein Team, das tut, was es kann

CHIO-Header

Alemannia: „Liebesbeweis“ für ein Team, das tut, was es kann

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
5387125.jpg
Raus mit Applaus: Fans feiern Aachens Verlierer. Foto: imago/Huebner

Wiesbaden/Aachen. Schon eine Viertelstunde vor Spielende im Blechdosenstadion des SV Wehen Wiesbaden stimmte die schwarz-gelbe Kolonie „You’ll never walk alone“ an, voller Inbrunst, dass es einem Schauer den Rücken hinunterlaufen ließ. Und auch als die nächste Niederlage besiegelt war, nahmen die Gesänge kein Ende.

Mancher Spieler und selbst Trainer René van Eck kamen mit glasigen Augen vom Platz, der Niederländer wusste nicht, „ob ich so etwas schon einmal in meiner Karriere erlebt habe. Ich kann mich nicht erinnern.“ Die Szenen nach Alemannia Aachens 2:3 gingen „tief unter die Haut“ in einer Saison, in der manche Begleiter der Mannschaft auf ihre Art negative Schlagzeilen geschrieben hatten.

Der sportliche Abstieg aus der Dritten Liga wird auch am kommenden Samstag selbst bei einer weiteren Niederlage gegen den Aufstiegskandidaten 1. FC Heidenheim (trainiert vom Ex-Aachener Frank Schmidt) keine unumstößliche Tatsache sein. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass Alemannia danach in Halle, gegen die „Zweite“ des VfB Stuttgart und in Osnabrück Kantersiege einfährt, Richtung null tendiert. Noch drei Mannschaften hinter sich zu lassen, wäre ohnehin ein Muster ohne Wert.

Ein schönes Gefühl zwar für Mannschaft und Trainer, getan zu haben, was sie tun konnten, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens würde aber so oder so nicht verhindert. Im Raum steht nach wie vor die Ankündigung von Interims-Geschäftsführer Michael Mönig, den Schritt vorzuziehen, wenn die Tabelle Aachen als sportlichen Absteiger ausweist. Das kann aber frühestens am 4. Mai der Fall sein, zwei Wochen vor dem Saisonfinale. Manager Uwe Scherr gab am Sonntag noch einmal zu bedenken: „Das wäre ein Imageschaden, der auf 50 Jahre nicht gutzumachen wäre.“

Die Analyse des Spiels am Freitagabend ergab Altbekanntes. „Wir machen und versuchen und geben alles, aber es reicht nicht – wie jede Woche“, sagte Kristoffer Andersen. Der Belgier, in Wiesbaden Kapitän, sei noch einer, „der mit der Situation umgehen kann“, erklärt René van Eck. „Kris macht seine Arbeit und kann sich deshalb für andere Vereine empfehlen.“ Andere Spieler jedoch wüssten nicht, wie es mit ihnen weitergehe. „Sie wollen natürlich gerne weiter in der Dritten Liga spielen, aber ob sie es auch können?“ Die Gedanken um die persönliche Zukunft blockieren zusehends Profis wie Timo Brauer und Mario Erb, die nicht mehr die Leistung bringen, die sie kurz nach der Winterpause gezeigt haben. „Sie sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie den Druck noch erhöhen.“

Die Ergebnisse vom Wochenende hätten Alemannia wieder einmal in die Karten gespielt. „Das macht die Niederlage in Wehen noch ärgerlicher“, sagt Uwe Scherr. Und weiß doch längst um die wahre Erkenntnis: Die Mannschaft spielt, was sie umsetzen kann. Die Vorlagen der Konkurrenz zu nutzen, dafür reicht es nicht.

Am Dienstag (19.00 Uhr) geht es gegen den FC Wegberg-Beeck um den Einzug ins FVM-Pokalfinale gegen Fortuna Köln. „In der schlimmsten Phase des Vereinslebens haben unsere Fans am Freitag ein Signal gesetzt“, sagt Uwe Scherr. „Ich hoffe, dass sich nach diesem Liebesbeweis der eine oder andere nicht mehr so unter Druck setzt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (19)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert