Alemannia: Lejan sieht Defizite bei der Gier, gewinnen zu wollen

Von: Klaus Schmidt
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Schwierige Phase: Michael Lejan will Samstag mit Aachen gegen Oberhausen bestehen. Foto: Steindl

Aachen. Phantastische Momente hat Michael Lejan schon im Pokal erlebt. Zum Beispiel das Achtelfinale Ende Januar 2008 mit dem Wuppertaler SV, der damals die Schalker Arena angemietet hatte, 61.482 Zuschauer sahen das 2:5 gegen den FC Bayern, es war die größte Kulisse, vor der Lejan im Laufe seiner Karriere je gespielt hat.

Oder den Siegeszug mit dem VfL Osnabrück in der Saison 2009/10, als der Hamburger SV und Borussia Dortmund den K.o.-Schlag erhielten. Bis vor einer Woche war das Aus mit Fortuna Köln bei den Sportfreunden Düren auf Mittelrhein-Ebene Lejans schlimmste Pokal-Erfahrung. Dann kam das 1:2 mit Alemannia Aachen bei Inde Hahn, „und das war noch bitterer“.

Michael Lejan, 30, ist der Erfahrenste am Tivoli, 310 Pflichtspiele hat er auf dem Buckel. Die grandiose Blamage kann er sich immer noch nicht erklären. Jeder hätte den Eindruck vermittelt, dass er das Spiel annehmen würde, die Trainingsleistung wäre gut gewesen, doch dann trat eine offensichtlich „völlig andere Denkweise“ zutage. „Ein Einstellungsproblem“, sagt Lejan, „auch gegen so einen Gegner müssen alle 100 Prozent auf den Platz bringen.“ Der Linksfuß hat etliche Kader erlebt, aber „noch nie mit so einer jungen Truppe gespielt“. Das Alter dürfe keine Entschuldigung sein, für den Routinier geht es in dieser „schwierigen Situation, in der wir uns befinden“, vielmehr darum: „Eine innere Gier zu entwickeln. Zu verstehen, was es heißt, gewinnen zu wollen. Da haben wir Defizite.“

Vielleicht sollte Lejan das Buch von Zinédine Zidane im Mannschaftskreis herumreichen. Der einstige Weltstar hat dort beschrieben, dass es „darum geht, diesen Willen zu siegen immer wieder neu zu entwickeln. Das galt auch für ihn, Zidane, und wenn ein so großer Spieler so etwas sagt...“ Lejan hat festgestellt: „Je höher du spielst, umso größer ist der Wille zu gewinnen.“ Wer es nach oben schafft, der hat es begriffen. „Die anderen bleiben auf der Strecke. Und das wird sich auch bei uns in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.“

Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt, dass die Chemie zwischen dem Trainergespann Peter Schubert/Reiner Plaßhenrich und Mannschaft teilweise getrübt sein soll. Michael Lejan kann das nicht bestätigen. „Es gibt nie 20 Spieler, die mit allem zufrieden sind. Das gibt es nirgendwo. Aber diese Behauptung ist für mich ein Witz. Die Mannschaft hat sich ja in den Spielen zuvor in jeden Zweikampf geworfen und alles gegeben. Ich habe in Wuppertal schon erlebt, wie es ist, wenn gegen den Trainer gespielt wird. Den Eindruck habe ich hier nicht.“

„Micou“ (den Spitznamen bekam er in jungen Jahren von seinem Bruder Christophe) kann „nicht versprechen, dass wir jetzt Oberhausen 3:0 schlagen werden. Aber ich hoffe und bin mir ziemlich sicher, dass wir uns den Fans wieder mit einer anderen Einstellung präsentieren werden.“ Noch sind es drei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, Michael Lejan spricht nicht nur wegen des Pokal-Desasters von einer „prekären Situation. Wir müssen höllisch aufpassen. Vor uns liegen richtungsweisende Wochen, wir müssen was holen. Es reicht nicht, zu kämpfen und dann unglücklich zu verlieren.“ Der Wille zum Sieg: Lejan hat da durchaus eine Entwicklung festgestellt seit Saisonbeginn (Ausnahmen bestätigen die Regel). „Bei Turnieren im Training ist jeder sauer, wenn er verliert. Das war anfangs nicht so.“ Immerhin. Und wer eine Auffrischung für den wahren Wettbewerb braucht, der kann bei Zinédine Zidane nachlesen...

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