Alemannia lässt gegen Berlin alle Tugenden vermissen

Von: Roman Sobierajski
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Auch mal dagegenhalten und den Gegenspieler bearbeiten: Bilal Cubukcu erhielt gegen Union Berlin seine ersten Einsatzminuten im Alemannia-Trikot. Foto: imago/Bernd König

Aachen. Der letzte Motivationskniff aus der Trainer-Trickkiste zog nicht: Peter Hyballa hatte seinen Spielern vor dem Spiel gegen Union Berlin die Bayern-Raute groß auf das Flipchart gemalt: „Das ist das Spiel, bei dem ihr alle auf dem Platz stehen wollt. Aber ihr müsst vorher euer Ticket dafür lösen.”

Zumindest die erste der beiden Möglichkeiten, sich in den Meisterschafts-Spielen den Fahrschein für den Pokal-Knaller zu holen, ließ fast die komplette Mannschaft aus. Auf dem schlammigen Feld in Köpenick waren fast nur Schwarzfahrer unterwegs. „Einen richtig gepflegten Ball” hat Trainer Peter Hyballa beobachtet und „hohe Passsicherheit. Das Ergebnis ist ein Fußball-Witz.”

Dieses uneingeschränkte Lob gilt allerdings nicht seiner eigenen Mannschaft, sondern dem FC Bayern München, den Aachens Trainer am Tag nach der Niederlage bei Union gescoutet hat. Wenn die Alemannia gegen den übergroßen Gegner im Pokal bestehen will, dürfen sich die Fehler, die sich in Berlin durch alle Mannschaftsteile zogen, allerdings nicht wiederholen.

Eine gelungene Spieleröffnung durch Torhüter David Hohs oder die beiden Innenverteidiger waren die absolute Ausnahme, „weil das Mittelfeld gestanden hat”, ist die Erkenntnis des 35-Jährigen. Die Schnittstelle zwischen den beiden Innenverteidigern und Timo Achenbach auf der linken Abwehrseite wurde zur Einflugschneise für die Union-Angreifer Mosquera und Savran. „Taktisch ist dieses Verhalten überhaupt nicht in Ordnung”, kritisiert Hyballa das Stellungsspiel von Achenbach. „Wir hatten vorher darüber geredet, dass ich das in der Halbzeit noch einmal ansprechen muss, geht gar nicht.”

Auch von den beiden Leistungsträgern Kevin Kratz und Marko Höger erwartet Aachens Trainer mehr als nur „Holzklasse”. „Kratz war überfordert, weil Höger und Manuel Junglas nicht gut mitgemacht haben, und er viele Lücken stopfen musste. Aber er muss jetzt den nächsten Schritt machen und seine Mitspieler auf dem Platz mehr coachen. Der Sechser ist einer der wichtigsten Spieler in jeder Mannschaft, der Zug zwischen Abwehr und Angriff. Auch Höger muss resoluter werden.”

Nur sieben Liga-Punkte hat Alemannia Aachen geholt, seitdem sich Alper Uludag vor dem Spiel bei Erzgebirge Aue verletzt hat und damit die schärfste Angriffswaffe der Alemannia stumpf geworden ist: Pass in die Tiefe, schneller Antritt Zoltan Stieber, Flanke und Abschluss durch Benny Auer. Dem 22-jährigen Ungarn hängt noch der Trainingsrückstand aus dem Dezember in den Knochen, doch nach der Einwechselung von Bilal Cubukcu auf der linken Mittelfeld-Position kam wieder mehr Gefahr über die linke Seite.

Bleibt das letzte Problem, das bis zum Pokal-Viertelfinale, besser noch bis zum nächsten Meisterschaftsspiel gegen den Karlsruher SC abgestellt werden muss: Die Alemannia-Spieler ließen sich, wie schon in Aue, von den Berlinern komplett den Schneid abkaufen.

„Union war giftig und gallig. Alle Attribute, die man uns zuschreibt, haben wir nicht erkennen lassen”, kritisiert Hyballa. „Der Patsch-Patsch-Fußball kann funktionieren, und natürlich spielen wir lieber gegen Gegner, die auch gut mitspielen. Aber in so einem Spiel muss man auch mal dagegenhalten und seinen Gegenspieler bearbeiten.” Klingt nach viel Arbeit für den Mann am Fahrkarten-Schalter. Und mit den Winter-Zugängen Cubukcu und Radjabali-Fardi stehen zumindest personelle Alternativen bereit.
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