Alemannia: Kölmel-Prozess bringt Verein in juristische Not

Von: Christoph Pauli
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Michael Kölmel
Vorfreude: Michael Kölmel hat vor Gericht gute Karten. Foto: imago/Matthias Koch

Köln. Aktuell verhandelt Alemannia Aachen mit einigen Vermarktern, die dem gestrandeten Verein finanziell unter die Arme greifen sollen. Am Mittwoch holte den Verein die Historie mit einem anderen Vermarkter ein. Michael Kölmel machte vor dem Oberlandesgericht Köln seine Ansprüche aus dem letzten Jahrtausend geltend.

Während der Rechtehändler vor der 9. Zivilkammer des Aachener Landgerichts deutlich scheiterte, zeichnet sich in der nächsten Instanz ein juristischer Erfolg für den 59-Jährigen ab, der auch den Mutterverein in existenzielle Nöte bringen würde.

„Eine Forderung in dieser Höhe können wir nicht begleichen“, so Vize-Präsident Helmut Kutsch am Mittwochabend. Kölmel war einziger Zeuge der drei Senatsrichter. Seit 1998 sammelte er über seine Sportwelt Beteiligungs GmbH Vermarktungsrechte von klammen, aber klangvollen Fußballvereinen ein.

Das Unternehmen half den gefallenen Traditionsvereinen finanziell, bekam im Gegenzug die (TV-)Rechte meistens unbefristet übertragen, um davon in besseren Zeiten profitieren zu können. Fast 120 Millionen Mark hat die Firma damals in die Branche investiert. So richtig ging die Geschäftsidee wohl nicht auf, auch die Gesellschaft ging in die Insolvenz.

Mit Alemannia entstand der Kontakt Ende 1998, erinnerte sich Kölmel. „Der Klub hatte enorme finanzielle Probleme in der 3. Liga.“  Kölmel sollte insgesamt fünf Millionen Mark in eine neue gemeinsame Gesellschaft einzahlen. Und weil die Not sehr groß war, blieb es zunächst bei einer Absichtserklärung, einem „letter of intent“.

Ein notarieller Vertrag wurde nicht abgeschlossen, stattdessen floss sofort die erste Rate von 1,8 Millionen Mark in Form eines zinslosen Darlehens. „Sonst wäre der Verein damals zahlungsunfähig geworden.“ Die Finanzspritze hatte Wirkung, der Verein stieg unerwartet auf in die 2. Liga. In der 3. Liga wurden damals 200.000 Mark, in der 2. Liga aber vier Millionen Mark an Fernsehgeldern gezahlt.

„Für uns war das ein richtig gutes Invest“, sagt Kölmel. Es kam aber anders. Die Gesellschaft wurde zwar gegründet, aber erwachte nie zu Leben. Der ehemalige Drittligist wollte nachverhandeln, fühlte sich nach dem Aufstieg unter Wert verkauft, meint Kölmel. „Es war ja bekannt, dass wir für Zweitligisten damals 15 Millionen Mark gezahlt haben.“ Vor Gericht ging es am Mittwoch primär um die  Frage, ob das Darlehen nicht durch längst erbrachte Werbeleistungen abgegolten war.

So sieht es der Verein, der am Mittwoch durch den Anwalt Dr. Karl-Heinz Paffen und Vorstandsmitglied Dr. Christoph Terbrack vertreten war. Schriftstücke von damals belegen das aus Vereinssicht. Die 1,8 Millionen Mark seien die Vergütung für Nutzungsrechte 1998/99, eine weitere abgerufene Zahlung von 800.000 Mark wurde ähnlich deklariert. Widerspruch regte sich bei Kölmel nicht.

Damals wie heute vermutete er einen fingierten Schriftverkehr „zur Beschönigung der Bilanz“, mit dem der lizenzgebende Verband DFB beruhigt werden sollte. „Da wurden bei vielen Vereinen aus Forderungen schon mal Einnahmen.“ Für ihn waren die Schreiben nicht relevant, „sonst hätten mir ja auch Einnahmen zugestanden, die es aber nie gegeben hat“.

Kleine Episode am Rande: Eine solche Vergütungsvereinbarung vom 23. Dezember 1999 ist auf Aachener Seite von den damaligen Vorstandsmitgliedern Manfred Grandt und Hans Bay unterzeichnet, für die Sportwelt hat Alemannias damaliger Präsident Wilfried Sawalies unterschrieben. „Er wollte immer Geschäftsführer der Sportwelt werden, war es aber nie, das ist prozessual geklärt“, sagt Kölmel. 

Die Richter deuteten an, dem Kläger nach Lage der Dinge folgen zu wollen. Sie stellten fest, dass Kölmel die Rückzahlung des Darlehens von 1,8 Millionen Mark zustehe. Bei der zweiten Tranche über 800.000 Mark hat der Verein die Möglichkeit zur Stundung, die damals für triste Zeiten vereinbart worden war. Dafür müsste Alemannia den immer noch nicht feststehenden Jahresabschluss 2012 vorlegen. Ein Termin zur Fortsetzung des Prozesses wurde nicht gesetzt. Fällt das Urteil wie angedeutet, wäre nach den beiden Gesellschaften wohl auch der Stammverein insolvent.

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