Alemannia-Kapitän Streit: „Hauen nicht jeden mit vier, fünf Toren weg”

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Der neue Frontmann in einer neuen Liga: Alemannia-Kapitän Albert Streit. Foto: imago/T-F-Foto

Aachen. Seine Gattin Maria machte ihn vergangenen Monat zum Vater - Luca heißt der Stammhalter - und sein Trainer Ralf Aussem zum Kapitän: Die Zeit zwischen den Spieljahren war durchaus ereignisreich für Albert Streit.

Zum ersten Mal in seiner langen Profi-Karriere geht der 32-Jährige als Spielführer in eine Saison, die am Freitag (20.15 Uhr/live im WDR) für Alemannia Aachen bei Arminia Bielefeld beginnt. Unser Redakteur Klaus Schmidt sprach mit Streit.

Wie weit hatten Sie sich nach dem Abstieg eigentlich schon in Gedanken von Alemannia entfernt?

Streit: In keinster Weise. Mein erster Gedanke war immer, für Aachen weiterzuspielen, das hatte Priorität. Wir haben uns in Köln niedergelassen, vor einem Jahr ist unser Haus fertig geworden. Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr ständig umgezogen, das wollte ich nicht mehr.

Und die sportlichen Argumente?

Streit: Ralf Aussem, Uwe Scherr und Frithjof Kraemer haben mir ein sehr gutes Gefühl vermittelt, dass man zusammen mit Aimen Demai und mir was aufbauen will. Es ist ja auch eine Herausforderung, in der Dritten Liga was zu schaffen, ich habe noch nie dort gespielt. Und ich fühle mich dem Verein gegenüber verpflichtet. Bei Alemannia habe ich noch einmal eine Chance bekommen. Hier zu bleiben, ist meine Art danke zu sagen.

Ist der Verein für Sie zu einer Herzensangelegenheit geworden?

Streit: Ich wurde immer als Söldner dargestellt. Natürlich geht es im Fußball auch darum, genügend Geld für später zu verdienen. Aber hier wurde ich ohne Vorurteile aufgenommen und habe ab dem ersten Tag eine faire Chance bekommen. Ich spiele sehr gerne für diesen Verein.

Sie haben die Mannschaft bereits zum letzten Zweitliga-Spiel in München als Kapitän aufs Feld geführt und tragen auch in der Dritten Liga die Binde. Ist das eine Art der Wertschätzung, die Sie brauchen?

Streit: Ich brauche keine Binde für Wertschätzung. Ich habe immer versucht, Leistung zu bringen, und unter dem neuen Trainer trage ich mehr Verantwortung, seitdem ich in der Mitte spiele. Da kann ich mit meiner Erfahrung auch Ruhe ins Spiel bringen, was außen so nicht zu machen ist. Wertschätzung gibt es nur durch Leistung und nicht durch Gelaber oder weil man versucht, ein besonderer Typ zu sein. Aber es ist schon eine Ehre, nach einem halben Jahr Kapitän zu sein. Das ist nicht selbstverständlich.

Wegen des Geldes müssen Sie längst nicht mehr Fußball spielen. Was macht Sie optimistisch, dass Sie in diesem Kader den erhofften Spaß und Erfolg bekommen?

Streit: Die ganze Vorbereitung. Wie wir zusammen gearbeitet haben. Die Charaktere der Jungs, sehr wichtig. Ich habe auch den Ehrgeiz, den Jüngeren zu zeigen, dass ich immer noch mithalten kann. Ich unterhalte mich oft mit Jungs wie Thiele, Kefkir, Herröder, Heller, und ich sehe, dass sie noch was erreichen wollen. Sie haben die ganze Karriere vor sich.

Was hat der neue Kader, was der alte nicht hatte?

Streit: Es gibt keine Grüppchen mehr, oder zumindest weniger. Der Zusammenhalt ist spürbar besser, das merkt man in der Kabine. Die Stimmung ist positiv. Natürlich muss sich das beweisen, wenn es mal nicht so läuft, aber da habe ich eigentlich keine Bedenken. Wer sich hier nicht im Sinne der Mannschaft verhält, der kommt nicht weit bei diesem Trainer.

Ist Ihnen die Rolle als Liga-Favorit recht?

Streit: Wichtig ist, dass wir unsere Arbeit machen. Und wenn wir oben mitspielen, habe ich nichts dagegen. Die Erwartung, ganz oben mitzuspielen, erzeugt eine gewisse Druck-Situation. Aber so einfach wird das nicht. Man haut nicht jeden Gegner mit vier, fünf Toren weg. Ich habe mich in der Bundesliga immer am leichtesten getan mit dem Fußballspielen, weil da die Gegner nicht sinnlos draufgehen. Je tiefer die Liga, umso schwieriger ist es, Fußball zu spielen.

Wann würden Sie sagen: Das war eine gute Saison?

Streit: Wenn wir unser Maximales abgerufen und die Ziele erreicht haben, die wir uns intern stecken. Wir machen unsere Arbeit - dann werden wir auch wieder da sein, wo wir sein wollen.

Mit welchem Gefühl fahren Sie zum Saisonstart nach Bielefeld?

Streit: Mit großer Vorfreude nach einer langen, intensiven Vorbereitung. Freitagabend, Flutlicht, der Platz wird in einem guten Zustand sein. Die Liga ist natürlich für viele von uns Neuland. Aber ich hoffe, dass sich unsere Arbeit auszahlt. Wir versuchen, das hinzubekommen.

Alemannia: Krumpen - Schwertfeger, Olajengbesi, Stehle, Baumgärtel (Andersen) - Streit, Demai - Heller, Rösler, Kefkir - Thiele.

Punktspielbilanz gegen Bielefeld: 44 Spiele - 20 Siege - 9 Remis - 15 Niederlagen - 74:54 Tore.

Freddy Borg konnte wegen einer Knieverletzung nicht am Training teilnehmen. Für ihn wird Timmy Thiele in der Spitze spielen.

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