Aachen - Alemannia: Heller bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück

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Alemannia: Heller bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück

Von: Christoph Pauli
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Ein gewichtiges Spiel: Marcel Heller steht vor dem nächsten Retterspiel – diesmal gegen den SV Babelsberg. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Selbst während der Partie wurden die Antennen hochgefahren. Er registrierte die heftigen, beleidigenden Reaktionen von der Tribüne und reagierte umgehend. „Da kam der Hitzkopf ein bisschen durch“, grinst Marcel Heller. Der Angreifer regelte die Dinge noch „unterwegs“ im verbalen Schlagabtausch. Es ist keine einfache Zeit für Alemannias Flügelflitzer, der sich auch medial nicht immer richtig bewertet fühlt.

„Ich habe die eigenen Erwartungen definitiv nicht erfüllt, aber ich werde hier schon sehr kritisch gesehen“, sagt er. Die Dinge könnten sich gerade in eine positive Richtung entwickeln. Im Herbst war er noch erster Kandidat für ein Strafgericht, im aufziehenden Frühjahr deutet er inzwischen regelmäßig seine Qualitäten an. Alemannia erwartet den SV Babelsberg – und Heller kann ein Schlüsselspieler im wichtigen Abstiegsduell sein. „Wir sind durch den Ausfall der Innenverteidiger angeschlagen“, sagt er. „Aber wir sind inzwischen heimstark, wir haben uns einfach fußballerisch verbessert.“

Im Grunde hätte so einer wie er das Zeug zum Publikumsliebling. Er kommt aus der Region (Bergheim), war schon mal beim Klub, er ist einer der wenigen spektakulären Spieler. Warum es anders gekommen ist, ist ein Rätsel, das auch Heller nicht eindeutig lösen kann. Er ist zum Blitzableiter von Teilen des Publikums geworden, das in der Hinrunde zunehmend unzufriedener wurde. „Erklären kann man nicht immer, warum Fans so reagieren“, sagt sein Berater Gerd vom Bruch, der selbst am Tivoli trainiert hat. Der Flügelflitzer hat durchaus Anlass für Liebesentzug gegeben, sein Spiel war flüchtig, er hat seine PS nicht richtig auf die Straße gebracht. Aber mit diesem Manko war er nicht allein. Vom Bruch hat seinem Schützling gesagt, was alle Trainer sagen: „Du musst das Bild durch Leistung korrigieren.“

Die Reaktionen sind nicht an ihm abgeprallt. „Die Jungens geben sich immer cool, aber das nagt an ihnen“, sagt vom Bruch. Heller ist ins Grübeln gekommen, weil er so viel Ablehnung in seiner Karriere noch nie zu spüren bekam. Er hat nicht funktioniert. Monate-lang vergeigte er mit Wucht seine Chancen. Im Training traf er nach Belieben, im Spielbetrieb waren die Stürmerfüße meist falsch justiert. Es gab die Chance, im Winter wegzulaufen, wie es viele andere auch gemacht haben. „Ich habe nie an einen Wechsel gedacht“, nahm er Gehaltseinbußen in Kauf. „Ich ziehe das bis zum Sommer durch, und dann gucken wir weiter.“

Sein Trainer sagt, es mache großen Spaß, mit einem „so guten Typen“ zu arbeiten. Ein bisschen fehle es ihm aber an Selbstkritik, moniert René van Eck. „Wenn er Hinweise bekommt, reagiert er häufig mit: ‚Ja, aber‘.“ Fast will Heller mit „Ja, aber“ auf den Vorhalt reagieren. „Das klingt rechthaberisch, ist aber doch nur eine Redensart. Natürlich will ich weiter lernen.“ Sein Trainer fordert, dass Heller sein Tempo noch gewinnbringender einsetzen, seine Waffe stärker nutzen müsse. Bislang hat das Team in dieser Saison noch keinen Strafstoß zugesprochen bekommen, was verwunderlich ist, bei einem solchen Sprinter in den eigenen Reihen.

Seine Mannschaft hat sich in Zeiten größter Not wunderbar zusammengerauft. Heller ist mit seinen 27 Jahren schon fast der Älteste in der Kinderstube. „Ich versuche schon, den Jüngeren ein Vorbild zu sein.“ Die Rolle hat sich geändert, vielleicht auch die Wahrnehmung des ehemaligen U-20- und U-21-Nationalspielers (14 Länderspiele). Es ist eine merkwürdige Entwicklung. Seine besten Spiele hat der Profi mit dem Raketenantrieb erst in dieser ziemlich entkernten Mannschaft gemacht, er erlebt gerade seine beste Phase nach seiner Heimkehr. Das Publikum hat das honoriert. Beim letzten Heimspiel registrierten Hellers Antennen, dass er auf der Stehtribüne gefeiert wurde – wenn auch nur für Sekunden.

Wahrscheinliche Aufstellung: Flekken – Wilschrey, Brauer, Murakami, Strujic – Drevina, Andersen – Marquet, Schumacher, Heller – Thiele

Punktspielbilanz gegen Babelsberg: 3 Spiele – 1 Sieg, 1 Remis, 1 Niederlage/4:3 Tore

Schiedsrichter: Eduard Beitinger (Regensburg)

TV: Ausschnitte im WDR im Anschluss an das Live-Spiel Bielefeld – Münster

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