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Alemannia: Haching bedient sich in der Aachener Geschenkboutique

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Die Aachener scheiterten aber nicht an ihrer Kraft, sondern an ihrer Konzentration. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Am Ende war es so leise am Tivoli, dass man den Gesang von 18 mitgereisten Fans der Spielvereinigung Unterhaching hören könnte: „Auswärtssieg”. Die große Mehrheit schwieg betreten, Alemannia unterlag den Gästen mit 1:3 und bewegt sich in Richtung Tabellenende.

Die Premiere von René van Eck war missglückt, obwohl das Team eine überzeugende erste Halbzeit angeboten hatte. Der neue Trainer hatte die Karten kräftiger durcheinander gemischt. Christian Weber, als Demai-Ersatz im defensiven Mittelfeld vorgestellt, feierte seine Tivoli-Premiere - als rechter Außenverteidiger. Von da rückte Kai Schwertfeger vor die Abwehr. Deren Chef Seyi Olajengbesi fand sich nur auf der Bank wieder, Thomas Stehle wurde wieder berücksichtigt. Und im linken Mittelfeld gab es noch eine Premiere: Der junge Robert Leipertz stand zum ersten Mal in der Startformation.

11.902 Zuschauer sahen eine deutlich tatendurstigere Mannschaft als in den letzten Wochen. Keine Mannschaft, die reagiert, sondern eine, die forsch agiert und attackiert, so wie es der Trainer gefordert hatte. „Man hat gesehen, dass wir unser Spiel verändert haben”, urteilte Marcel Heller später.

Alemannia erhöhte die Zweikampfdichte, mit vielen gewonnenen Bällen soll die Sicherheit zurückkehren, die in den letzten Wochen von Spieltag zu Spieltag abgenommen hat. Die Hausherren hielten den Gegner robust vom eigenen Strafraum fern. Bis zur Halbzeit berührte Tim Krumpen den Ball nicht einmal mit seinen Torwarthandschuhen.

Alemannia brannte kein spielerisches Feuerwerk ab, sie arbeiteten Fußball, und heraus kamen dabei ausreichend Chancen, um endlich einmal in Führung zu gehen. Der Heber von Leipertz landete nur auf dem Netz (5.), dann knallte Timo Brauer den Ball aus 20 Metern nur knapp über die Latte (30.).

Aachen schaltete noch einmal hoch, das 1:0 war längst überreif, aber es fiel nicht. Leipertz’ Linksschuss wurde von Daniel Hofstetter noch geblockt (34.), dann verzog der Angreifer am Elfmeterpunkt einen präzisen Rückpass von Marcel Heller (38.). Und auch der agile Kapitän Albert Streit fand in Gästekeeper Stefan Riederer bei einem Schlenzversuch aus 15 Metern seinen Meister (44.).

Das Team hatte einen guten Rhythmus. „Aber es war uns klar, dass wir nicht die Power für 90 Minuten haben”, teilte van Eck am Ende mit. Der Laktakttest aus der Vorwoche ließ solche Rückschlüsse zu. „Wir können noch nicht unsere Spielweise komplett durchziehen”, ist eine verblüffende Erkenntnis nach neun Spieltagen.

Die Aachener scheiterten aber nicht an ihrer Kraft, sondern an ihrer Konzentration. „Wir machen nahezu drei Eigentore”, schüttelte Keeper Tim Krumpen später mit dem Kopf. Timo Brauer verlor einen Ball, als seine Mannschaft gerade herausrückte, Unterhaching nutzte fröhlich den Raum zum 0:1 durch Marius Willsch. Die erste Gelegenheit nach 57 Minuten führte gleich zum Gegentor.

Alemannia und Brauer kehrten zurück, der defensive Mittelfeldspieler schlug einen weiten Ball auf Marcel Heller, der mit einem gekonnten Heber den Ausgleich erzielte (64.). Das war die Phase, als die Partie hätte kippen können, Schwertfegers Kopfball wehrte Verteidiger Markus Schwabl auf der Linie ab (69.).

Alemannia demonstrierte aber auch an diesem Nachmittag die unglückliche Fähigkeit, das Erreichte wieder mit dem Hintern umzustoßen. Kefkir verursachte einen dussligen Freistoß, die Defensive bekam das Spielgerät nicht entfernt, und schon feierte Haching das 1:2 durch Jonas Hummels (71.).

Stehle hätte noch per Flugkopfball ausgleichen können (85.), doch eine Minute später schaffte Florian Niederlechner den Endstand, als Aachen weit aufgerückt war.

Hachings Teamchef Manuel Baum bedankte sich für das Ergebnis und das Erlebnis: „Das Gastspiel am Tivoli war ein Höhepunkt für diese junge Mannschaft, die mit Gänsehaut ins Stadion gekommen ist.” Dort durften sich die Gäste ausgiebig in der Aachener Geschenkboutique bedienen.

René van Eck war dementsprechend unzufrieden mit dem Verlauf der Partie. „Wir müssen stärker werden in unseren Zweikämpfen.” Einen Warnhinweis gab es noch in Richtung eines Einwechselspielers, der fröhlich alle Anweisungen auf der Bank gelassen hatte.

„Da werde ich knallhart durchgreifen, wenn einer so das Team im Stich lässt”, sagt van Eck, der keinen Namen nennen wollte. „Er wird das Spiel nächste Woche am Fernseher verfolgen müssen.” Gemeint war wohl Oguzhan Kefkir.
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