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Alemannia: Etatziele nahezu flächendeckend verpasst

Von: Christoph Pauli
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Tivoli
Alemannia häuft ein eklatantes Defizit in der Abstiegssaison an. Foto: dpa

Aachen. Wie groß und wie tief Alemannias aktuelles Finanzloch ist? Der Verein taucht in dieser Frage erst einmal ab. Fast täglich ist die Zahl in den letzten Tagen gewachsen, auch weil im Verein jetzt endlich die ganz große Lupe herausgekramt worden ist.

Inzwischen pendelt sich das Defizit bei mehr als drei Millionen Euro ein. Dabei ist die Saison erst ein paar Monate alt. Und zuschauerintensive Wochen, die einen Mehrerlös generieren, stehen nicht an. Der Klub braucht dringend und zeitnah frisches Geld als lebenserhaltende Maßnahme, um Zeit zu gewinnen.

Montagabend machte sich vorsichtiger Optimismus breit, dass der Aufsichtsrat um Meino Heyen diese Herausforderung, die sich erst seit ein paar Tagen und unerwartet heftig stellt, bewältigen kann. Die Hoffnung wächst, dass die Zahlungsunfähigkeit vermieden werden kann. Die strukturellen Defizite des in der 3. Liga gestrandeten Traditionsklubs wären damit natürlich nicht behoben. Der Tanker müsste bei hohem Wellengang im offenen Meer gewendet werden. Eine ambitionierte Aufgabe.

Lückenlose Aufklärung

Wo das Geld geblieben ist? Der Aufsichtsrat hat eine lückenlose Aufklärung und öffentliche Dokumentation versprochen. Unserer Zeitung liegen Plan- und Kennzahlen der letzten Saison vor. Es ist ein Dokument, wie die meisten Etatziele in der Abstiegssaison verfehlt wurden. Auszüge einer Sündenliste, die die finanzielle Not deutlich verschärft hat.

In den spielfreien Monaten Mai und Juni mussten für die abgestiegene Mannschaft noch Gehälter von 764.000 Euro bezahlt werden. Das Geld war nicht vorhanden, musste durch einen Vorgriff auf die laufende Saison aufgebracht werden. Die Spieler erhielten am Ende selbst für den nutzlosen Sieg bei 1860 München am letzten Spieltag noch ihre Punkteprämien. Eine Staffelung, die solche Bonuszahlungen vom Tabellenstand abhängig macht, gibt es erst seit dieser Saison.

Höherer Personalaufwand

Das vorher noch einmal erhöhte Budget für den Personalaufwand des Lizenzkaders wurde in der Abstiegssaison noch einmal um 244.000 Euro überschritten. Der finanzielle Aufwand wurde durch die beiden Trainerwechsel erhöht. Beim Posten Prämien/Handgeld/Abfindungen wurde das Budget um 112.000 Euro überzogen. Nur bei den Punkteprämien gab es in der letzten Spielzeit dank weniger Erfolge eine Budgetunterschreitung. Wenn die kalkulierten 42 (es wurden 31) Punkte erreicht worden wären, wäre das Budget noch einmal um 360.000 Euro überschritten worden.

Auch der Posten „sonstiger Aufwand Lizenzspieler” verschlang statt der etatisierten 125.000 satte 190.000 Euro in der Abteilung von Erik Meijer.

Der Etatansatz für Reisekosten/Trainingslager wurde um 57.000 Euro überzogen. Für Transfers (primär Honorare für Spielerberater) wurden nicht wie veranschlagt 476.000, sondern 490.000 Euro ausgegeben. Zudem entstanden durch Nachverpflichtungen noch einmal Mehrkosten von etwa 200.000 Euro, die nicht durch das Budget gedeckt waren.

Auch jenseits der Abteilung Sport wurden die Planzahlen häufig nicht erreicht. Bei den Ticketerlösen fehlten am Ende 322.000 Euro, im Bereich des Merchandising 429.000 Euro, bei den TV-Geldern 110.000 Euro. Mehrerlöse gab es beim Catering (plus 95.000 Euro). Zudem wurden bei den Transfererlösen 550.000 Euro mehr generiert als kalkuliert.

Zuletzt wurde die GmbH noch gebeutelt, weil sich die Umfinanzierung der Stadionkredite in die Länge zog. Da fast ein komplettes weiteres Quartal noch die alten Zinskonditionen galten, standen Alemannia 112 000 Euro weniger für die Begleichung der Altkreditoren zur Verfügung, die durch alternative Geldmittel erbracht wurden. Auch hier kam es zum Vorgriff auf die laufende Saison.

Mehreinnahmen durch Pokal

In der aktuellen Spielzeit soll das Budget durch einen erhöhten Personalaufwand um 600.000 Euro überzogen sein, was Manager Uwe Scherr rigoros bestreitet. Er behauptet, dass ihm ein Etat von 3,3 und nicht von 2,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurde. In jedem Fall kann er sein Budget durch Mehrerlöse decken.

Das schöne Pokalspiel gegen Mönchengladbach, die gestiegenen Zuschauerzahlen und ein Nachschlag des FC Schalke für Marco Höger führten zu Mehreinnahmen von 618.000 Euro, die die finanzielle Not aber nicht entscheidend lindern können.
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