Radarfallen Blitzen Freisteller

Alemannia: „Es ist unfassbar, was hier passiert“

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
4493573.jpg
Wieder eine Chance vergeben: Der gute Kai Schwertfeger scheitert an Osnabrücks Kapitän Manuel Riemann. Foto: Birkenstock

Aachen. Irgendwann brach es aus ihm heraus wie Lava und Asche aus einem Vulkan. Eine Frage kam angeflogen, aber Claus-Dieter „Pele“ Wollitz hielt sich nicht mit der Antwort auf. Der Trainer des VfL Osnabrück hatte etwas vorbereitet und wollte es nun loswerden.

1:0 hatte sein Team gerade am schon lange nicht mehr gefürchteten Aachener Tivoli gewonnen. Dieses 1:0 war nach 78 Minuten gefallen, und die Reaktion des Aachener Publikums sorgte nicht nur bei Wollitz für „Gänsehaut“, wie er nun berichtete. Die Anhänger standen auf und feierten ihre Mannschaft: „Aber eins, das bleibt bestehen, Alemannia wird nie untergehen.“

„Ich bin total ergriffen von dieser Situation“, referierte Wollitz. Lava und Asche flossen weiter, der gefühlsbetonte Coach entleerte sich immer mehr. „Es ist unfassbar, was hier passiert, in welcher Situation Trainer und Spieler in Aachen arbeiten müssen. Dass Mitarbeiter und Fans in eine solche Situation hineinkommen, ist unglaublich. Sie müssen ausbaden, was sie nicht zu verantworten haben.“

Wollitz‘ Team war an diesem Nachmittag Herbstmeister geworden. Alemannia dagegen kann den Spieltagen statt Ziffern einfach Emotionen zuordnen. „Fassungslosigkeit und Trotz“ waren zu spüren im ersten Spiel, seitdem der Insolvenzantrag eingereicht ist. Am Samstag war selbst beim Gegner kein Platz für Häme oder Schmähungen. Noch 12000 Menschen waren zum Zuschauerkrösus der Liga gekommen, das ist keine überzeugende Abstimmung mit den Füßen.

Der Plot des Spielfilms ist schnell erzählt, er wurde schon zuhauf in dieser Saison an der Krefelder Straße aufgeführt. Alemannia bewegte sich zeitweise sogar auf Augenhöhe mit dem aktuell besten Team der 3. Liga, aber natürlich reichte es am Ende auch diesmal nicht zu einem Punktgewinn. Leistung und Ertrag stehen in einem Verhältnis, als würde man die Suppe mit der Gabel auslöffeln. Nicht mal ein kleiner Sonnenstrahl ist beim Klub auszumachen.

Im Januar bricht diese Mannschaft auseinander, das ist von den Finanzleuten, die diesen Klub auf hoher See übernommen haben, verordnet. Noch ist es nicht ganz so weit, die Gruppe funktionierte auch gegen Osnabrück. „Dieses Spiel spiegelt den Verlauf der Hinrunde wider“, urteilte Manager Uwe Scherr. „Der Mannschaft ist kein Vorwurf zu machen, sie bringt den Willen mit, aber sie belohnt sich einfach nicht.“

Das ist das größte Manko beim Absteiger. Das Team ist unglaublich ungefährlich. Heller und Leipertz (37./39.) trafen in der ersten Halbzeit das Außennetz. In der zweiten Halbzeit wurde der Wellengang deutlich höher. Der offene Schlagabtausch setzte auf dem Sandplatz ein. Der Klassenprimus hatte Pech: Erst traf Zoller per Fallrückzieher den Pfosten (71.), dann visierte Grimaldi nach einem Sekundenschlaf von Olajengbesi nur die Latte (75.) an.

Die Hausherren hätten sich die seit Wochen ausstehende Belohnung abholen können, wenn Schwertfeger eine seiner Chancen genutzt hätte. Freistehend scheiterte er an Gästekeeper Manuel Riemann (76.), dann huschte sein Kopfballwischer knapp am Tor vorbei (78.). Alles schon mal gesehen. „Wir sind gut im Spiel und kassieren einen leichten Gegentreffer“, legte Trainer René van Eck die immergleiche Platte auf.

Die keineswegs souveränen Gäste nutzten schließlich einen der vielen Fehler, die sich beide Teams leisteten, aus. Baumgärtel stand falsch, Costas Flanke schob Glockner fröhlich aus vier Metern zum 0:1 ein (78.). Alemannias Spielverläufe sind inzwischen so vorhersagbar wie Regentage in Aachen. Der eingewechselte Freddy Borg scheiterte noch nahezu vom Elfmeterpunkt aus (85.). Die nächste Niederlage ließ sich nicht mehr abwenden. Der Niedergang breitet sich am Tivoli aus wie Bodennebel.

Den Anhängern dieses leidgeprüften Klubs blieben am Ende in Stunden der größten Not nur noch ihre unzerstörbaren Lieder. „Ich habe das Transparent ‚Zusammenhalten‘ im Stadion gesehen“, sagte René van Eck später. „Darum geht es.“

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert