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Alemannia: Ein Mal schütteln und „Arsch huh, Zäng ussenander”

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
Aussem
Alemannia hängt am seidenen Faden, doch Ralf Aussem will den KSC noch ins Boot holen. Und gibt seine Bewerbung für die 3. Liga ab. Foto: dpa

Aachen. Solche Pressekonferenzen gibt es auch nicht alle Tage. Da saß nun ein Trainer auf dem Podium, gerade zum vierten Mal in seiner Karriere aufgestiegen, ein schönes Argument, die fruchtbare Zusammenarbeit fortzusetzen.

Doch Armin Veh hinterließ alles andere als den Eindruck, seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt auf Teufel komm raus verlängern zu wollen. Stattdessen deponierte der 51-Jährige, er sei ja „in der Lage, dass ich das nicht brauche”, den Job.

„Wichtig ist, dass ich ein Ziel habe. Das ist etwas, worüber man sprechen muss”, am Donnerstag soll es zum Austausch mit der Klubspitze kommen. Auf Jahre hinaus sich immer nur über den Klassenerhalt zu freuen, das ist Veh zu wenig.

Neben ihm saß Ralf Aussem, gleichfalls 51 und Fußballtrainer und dennoch das Fleisch gewordene Kontrastprogramm. Aussem hatte nach Alemannia Aachens 0:3 gegen die Eintracht noch tiefer in den Schlund der Abstiegs-Fratze geschaut, das Projekt Klassenerhalt könnte schon am Sonntag Geschichte sein.

Eigentlich wollte sich der Interimscoach ja nicht mit der 3. Liga beschäftigen; er tat es dann doch und in eigener Sache. „Es ist schöner, eine Mannschaft zu trainieren, die höher spielt und vor mehr als 120 Zuschauern” wie die U 23, die er bis vor wenigen Wochen betreut hatte.

„Ich würd das gerne weitermachen, ich wäre bereit, mitzugehen in die 3. Liga.” Nach dieser Bewerbung „muss das Signal vom Verein kommen”; Aussem gab aber gleich den Hinweis: Man könne nicht davon ausgehen, „direkt wieder oben dabei zu sein”.

Noch ist der Abstieg nicht besiegelt. Sie klammern sich zwar am Tivoli nicht mehr an einen Strohhalm, „aber wir hängen immer noch am seidenen Faden”, sagt der Trainer. „Dunkel” sei die Nacht gewesen, Aussem hat sich seinen Humor bewahrt, auch wenn er „ein bisschen unruhiger” in den Dienstag gekommen sei.

Am Morgen hat er „den Jungs gesagt: nicht in Trauer verfallen. Wir müssen uns jetzt ein Mal richtig schütteln, haben immer noch Möglichkeiten.” Es gilt das Motto eines BAP-Songs: „Arsch huh, Zäng ussenander”.

Symptomatisch für die Aachener Malaise war am Montagabend die verzögerte Einwechslung von Sergiu Radu, der zunächst das Trikot mit der Nummer 25 (Manuel Junglas) gefasst hatte. „Dass das ausgerechnet Sergiu passiert, einem absoluten Profi, der auch im Training immer Gas gibt”, für Aussem passte das ins Bild.

Marquet macht Freude

Am Sonntag geht es nun um alles. Albert Streit (Gelb-Sperre) wird fehlen, der Trainer spielt mit dem Gedanken, Sascha Marquet aus der „Zweiten” die Position anzuvertrauen. „Der Junge hat das nach seiner Einwechslung gegen Frankfurt richtig gut gemacht und Belebung reingebracht”, es gibt immer noch Positives vom Tivoli. Und Alper Uludag (Pferdekuss) dürfte bis zum Spiel gegen den Karlsruher SC wieder fit sein.

Nur ein Sieg verhindert, dass der Faden reißt, an dem Alemannia hängt. „Und dann”, sagt Ralf Aussem, „nehmen wir den KSC noch mit ins Boot, dann gewinnen wir auch bei 1860.” Der Kollege Armin Veh hat Unterstützung am letzten Spieltag bereits zugesagt: „Ich verspreche, dass wir alles tun werden, um in Karlsruhe zu gewinnen.”

Jörg Schmadtke, der seine Qualitäten als „Trüffelschwein” unter den Managern jetzt bei Hannover 96 bestätigt, hatte am Montag eine Alemannia gesehen, „die alles versucht hat und deutlich besser war, als es die Tabelle aussagt”. Am Sonntag nun „zählt es. Auch wenn von der Psychologie her nicht viel für Aachen spricht.”
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