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Alemannia: Ein Abschied mehr als geplant

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Ein großer Spieler geht von Bord: Reiner Plaßhenrich muss die Karriere beenden, bleibt aber als Trainer im Verein.

Aachen. Als Jörg Berger sich vor sechs Jahren von Alemannia verabschiedete, machte er das mit einem Gläschen Sekt. Die Ehe wurde freundschaftlich geschieden, bis heute ist kein böses Wort gefallen. Als die Ehe von Alemannia und Trainer Michael Krüger am Sonntag für gescheitert erklärt wurde, gab es keinen Sekt.

Das klappte diesmal nicht. Der 55-Jährige und sein Sportdirektor Erik Meijer verabredeten sich lieber auf ein paar Bier im VIP-Raum.

Alemannia will die alte Saison am liebsten in eine Kiste packen, in der Asservatenkammer in der hintersten Ecke verstecken - und neu anfangen. „Dieser Neuaufbau kann nur gelingen, wenn der kommende Trainer unvorbelastet an die Arbeit gehen kann”, sagte Krüger nach dem 1:1 am Sonntag, als die Trennung bekanntgegeben wurde.

Der noch ein Jahr laufende Vertrag wird im beiderseitigen Einvernehmen - und vielleicht ist die Formulierung etwas realitätsnäher als gewöhnlich - nach nur acht Monaten aufgelöst. Krüger bekommt die im Vertrag festgelegte Abschlagssumme. Es ist kein zorniger Abschied, auch wenn Krüger noch vor Wochen der Meinung war, dass sich die Trainerfrage in Aachen nicht stelle für jemanden, „der sich intensiv mit der Situation bei Alemannia beschäftigt”.

Die Dinge haben sich anders entwickelt. Erik Meijer sagt, er sei einige Wochen lang mit dem Gedanken herumgelaufen: Wie machen wir weiter? Er hat sich beraten, hat externe Meinungen gehört, um vor ein paar Tagen diese Entscheidung zu treffen. „Ich habe großen Respekt vor dem Menschen Michael Krüger, als sportlicher Leiter habe ich aber eine andere Auffassung als der Trainer.”

Kein Abschied im Stadion

Nun ja. Krüger wollte keine öffentliche Verabschiedung im Stadion. Die Nachricht wurde erst am Spielende verbreitet. „Ich gehöre nicht zu den Effekthaschern der Branche”, sagt er über sich selbst.

Nach dem Spiel wurden im Stadion Co-Trainer Kronhardt, Özgen, Milchraum, Adlung, Szukala, Nemeth, Fiel und Plaßhenrich verabschiedet. Es wirkte, als hätten die Fans Frieden mit einer Saison geschlossen, über die man nur eines zuverlässig sagen kann. „Wir sind alle froh, dass sie vorbei ist”, hinterließ Kapitän Benjamin Auer.

Den Aachenern gelang ein stilvoller Abgang.

Für jeden Spieler gab es ein individuell gestaltetes Fotoalbum aus seiner Aachener Zeit mit persönlicher Widmung. Cristian Fiel räumte schluchzend seinen Platz, als er nach sechseinhalb Jahren vorzeitig das Feld verließ. „Ich bin traurig”, sagt der Spanier, dessen Zukunft noch ungeklärt ist. „Ich habe in der letzten Nacht nur eine Stunde geschlafen. Ich bin die vielen Momente durchgegangen.”

Die Trennung habe ihn nicht mehr überrascht. „Ich habe als Kapitän eine vernünftige Hinrunde gespielt. Nach acht Tagen Pause, in denen nichts passiert ist, außer, dass wir einen neuen Sportdirektor bekommen haben, bin ich plötzlich nicht mehr in der Mannschaft. Da hat sich die Trennung abgezeichnet.” Der Ex-Kapitän ging versöhnt vom Hof, überschüttet mit Zuneigung.

Und es gab noch einen großen Moment an diesem Tag. Reiner Plaßhenrich kehrte für wenige Minuten aufs Feld zurück - mit einer Sondergenehmigung der Berufsgenossenschaft. „Heini” hat seine Gesundheit für den Fußball geopfert. „Da war schon viel Wehmut mit am Start”, sagte der Aufstiegskapitän später. „Ich bin überwältigt von so vielen Emotionen.”

Ein Fußballspiel fand dann auch noch statt. Vielleicht war es ein typisches für so einen letzten Spieltag. Bei beiden Teams wurden die Sicherheitsvorkehrungen außer Kraft gesetzt, und nur die vorzüglichen Keeper und zahlreiche Pfostentreffer verhinderten ein solides 4:4. Adam Bodzek staubte nach einem Grlic-Freistoß an die Latte zum 0:1 ab (28.). Gueye traf zweimal das Aluminium, ehe Benny Auer der versöhnliche Saisonabschluss in der 86. Minute gelang.

So turbulent endete dann auch diese unerquickliche Saison. Meijer und sein scheidender Trainer, der die Gruppe noch bei den fünf Freundschaftsspielen betreut, tranken ein Bier. Am Ende sprach Krüger wie jemand, der nach langer Zeit noch mal ins Phantasialand durfte. „Es hat trotz allem richtig Spaß gemacht.”
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