Alemannia: Der nächste Kapitän geht von Bord

Von: Von Christoph Pauli
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Schwerfeger
Im Retterspiel noch Kapitän: Kai Schwertfeger kehrt dem Tivoli den Rücken und wechselt mit sofortiger Wirkung zum Ligakonkurrenten Karlsruher SC. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der letzte Rückschlag kam am Donnerstagabend. Kai Schwertfeger verlässt die Alemannia und wechselt zum Karlsruher SC. Der 24-Jährige nahm bereits am Freitagmorgen das Training bei den Badenern auf und soll auch die Reise zum Spitzenspiel gegen den VfL Osnabrück antreten.

Kurz zuvor hatte der Defensiv-Allrounder im Wildpark einen bis zum 30. Juni 2014 datierten Vertrag unterzeichnet.

Alemannias Manager Uwe Scherr muss einen seiner wenigen Leistungsträger ziehen lassen. Dem 46-Jährigen sind die Hände im Insolvenzverfahren gebunden. Er kann nur mit Worten, nicht mit Geldscheinen überzeugen.

„Es ist sportlich schmerzhaft, aber damit war zu rechnen“, sagt er über dem Weggang des designierten Kapitäns. Mit den eigenen Bordmitteln ist die Lücke kaum zu schließen. Der sportliche Leiter denkt über Leih-Arbeiter von anderen Klubs nach, aber auch die dürfen nichts kosten.

Schwertfeger schlägt zwei Angebote aus der 2. Liga aus. Mittelstürmer Freddy Borg trainierte am Donnerstag bereits bei Darmstadt 98. Dafür hat am Donnerstag aber Kristoffer Andersen sein Ja-Wort bis zum Sommer in Aachen doch noch gegeben.

Fristlose Kündigungen

Torwart Michael Melka hat das deutlich reduzierte Angebot ebenso wie Seyi Olajengbesi ausgeschlagen. Zudem wird der Keeper am Montag am Knie operiert. Beide Spieler bekommen nun die fristlose Kündigung des Vereins.  „Ein solcher Schritt tut mir in der Seele weh bei einem so verdienten und charakterlich einwandfreien Spieler wie Seyi“, sagt Scherr.

Der Manager ist zum Überbringer schlechter Nachrichten geworden. Er muss den Profis die neue Wahrheit verkünden, die auch er erst seit ein paar Wochen kennt.

Mit den drei Langzeitverletzten Aimen Demai, Sascha Rösler und Thomas Stehle sind lose Gespräche geführt worden, sie werden derzeit von der Berufsgenossenschaft bezahlt. Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen, aber auch für die Routiniers gilt: „Es sind bei uns keinen Spieler, keinen Trainer, keinen Betreuer mehr in der Kabine, der nicht eklatante Gehaltseinbußen in Kauf genommen hat.“

Scherr muss ein Low-Budget-Team formen. Sein Kader steht, die meisten Spieler haben die Änderungskündigung akzeptiert. Die höchst anspruchsvolle „Mission Klassenerhalt“ startet überwiegend mit Profis, die an der Kinokasse noch nach ihrem Ausweis gefragt werden.

Eine „Mission impossible“? Es ist ein kleines Paradoxum in Aachen entstanden, wichtige Spieler haben sich gegen den insolventen Verein entschieden, die ohnehin schon gefährdete Mannschaft verliert an Substanz –  und dennoch wächst gerade die Zuversicht am Tivoli wieder zaghaft.

Die Resonanz der Fans (5500 der 8500 Dauerkarteninhaber haben ihre Tickets für durchschnittlich 30 Euro wieder freigeschaltet), die vielen kleinen lebenserhaltenden Maßnahmen, die Leidenschaft der Spieler – all das stimmt Scherr zuversichtlich. „Wir sind näher zusammengerückt. Wenn ich sehe, wie gut das gesamte Team mit der Situation umgeht, bin ich sehr stolz.“ Der Blues ist verflogen.

Scherr weiß, dass der Klub viel Vertrauen in den letzten Monaten verspielt hat. Und doch hofft er, dass sein Team nun die Wendeboje erreicht hat. Das ist die Aufgabe: Das Team muss aufgrund der Vergangenheit erheblich leiden, soll aber eine bessere Zukunft mit ehrlichem Fußball sichern. Scherr: „Wir wollen diesen Verein retten.“

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