Alemannia: Barfuß den Mount Everest besteigen

Von: Christoph Pauli
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Alemannia versucht das Unmögliche: Eine reine Nachwuchsmannschaft soll noch den Klassenerhalt schaffen. Foto: imago/Eibner

Aachen. Vermutlich zucken Alemannias Profis schon zusammen, wenn Rolf-Dieter Mönning in die Kabine kommt. Der Sanierer ist Sachwalter des insolventen Klubs und so etwas wie ein Notfallhelfer am Unfallort. Dazu gehört auch, dass er viele unerfreuliche Maßnahmen verkünden muss. Aber an diesem Donnerstag kam er in die Kabine, um der Mannschaft Mut zuzusprechen.

Das ausgedünnte Team startet am Samstag gegen den 1. FC Saarbrücken in die Rest-Rückrunde. Die bis zum Mai zu lösende Aufgabe ist kaum einfacher als die Barfußbesteigung des Mount Everest. Oder, um es mit den Worten des Sachwalters auszudrücken: Gelingt es dieser Restemannschaft tatsächlich, den Abstieg aus der 3. Liga zu verhindern, dann müssten Straßen und Plätze nach den Spielern benannt werden...

Mönning war diesmal ein gerngesehener Kabinengast. Er brachte gute Nachrichten mit. Es fehlen seit dem Bayern-Spiel „nur“ noch 1,2 Millionen Euro, um die Saison zu Ende spielen zu können. Etwas unfreiwillig wurde der Aachener selbst zum Spender. Während seines kleinen Vortrags klingelte das Handy: macht 100 Euro in die Mannschaftskasse, orientiert an der Schuldentabelle der Profis..

Alemannias Mannschaft steht vor einer ziemlichen Herausforderung. Zehn gestandene Profis sind in den letzten Wochen dem Klub durch Verletzung und Vereinswechsel abhandengekommen. Und noch ist das Transferfenster nicht geschlossen. Melka, Weber, Stehle, Olajengbesi, Baumgärtel, Schwertfeger, Demai, Streit, Rösler, und Borg könnte man sich zumindest in der 3. Liga in der Startformation eines ambitionierten Vereins vorstellen.

Es sind die erfahrensten Spieler im Kader, die sich beruflich neu orientieren (müssen). Aber Tristesse kommt deswegen bei René van Eck nicht auf. Der Trainer, der bis zum Herbst die A-Jugend des 1. FC Nürnberg leitete, ist nahezu wieder im Jugendbereich gelandet.

„Wir haben in der Breite an Substanz verloren“, räumt er zwar ein, „aber jeder ist ersetzbar.“ Der Niederländer bleibt robust optimistisch, obwohl ihm unterwegs fast eine komplette Startelf verloren ging. Am gefährdeten Standort sind nur Spieler geblieben, die allesamt Gehaltseinbußen hingenommen haben, die sich dennoch der Herausforderung stellen wollen. „Wir müssen als Mannschaft funktionieren, jeder muss für den anderen da sein“, sagt der Trainer.

Sein neues Team besteht überwiegend aus Spielern, die gerade erst das Wahlrecht erhalten haben. Dennoch, findet van Eck, könne diese froschgrüne Mannschaft nur schwer aus der Ruhe gebracht werden. Die Gruppe ist in den letzten Wochen auf drastische Art und Weise stressstabiler geworden. Zur Zweiten Mannschaft ist eine Pendeltür aufgebaut worden. Kevin Rauhut ist die neue Nummer 3, die Verteidiger Daniel Hofmann und Sasa Strujic sowie Angreifer Rafael Garcia sind bereits in die Profi-Abteilung befördert worden.

Noch lässt sich nicht erkennen, wer diese Mannschaft anführen wird. Der Breitschultrigste im Kader, Sascha Herröder, ist als Kapitän bestimmt. Der Mannschaft werden wenige Chancen auf den Ligaerhalt eingeräumt, aber sie werden sich wehren. Ab heute.

 

Mögliche Aufstellung: Flekken – Wilschrey, Erb, Herröder, Strujic – Brauer, Drevina – Marquet, Leipertz, Kefkir – Thiele

Schiedsrichter: Martin Petersen (Stuttgart)

Bilanz: 37 Spiele, 16 Siege, 10 Remis, 11 Unentschieden

Übertragung: Auf sportschau.de lässt sich die Partie im Livestream verfolgen

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