Alemannia: Am Dienstag ist der Tag der Weichenstellung

Von: Christoph Pauli
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Am Dienstag ist für die Alemannia Aachen GmbH der Tag der Weichenstellung.

Aachen. Es ist eine Verabredung mit Unbekannten. So richtig weiß niemand, wie viele Gläubiger von Alemannias insolventer Sport GmbH am Dienstagmorgen in der Dürener Arena auflaufen werden. In Frage kommen etwa 11.000 Gläubiger, aber nicht einmal 2000 haben nach Informationen dieser Zeitung ihre Ansprüche angemeldet.

Die Halle jedenfalls verfügt über etwa 2300 Plätze. Das sind die Rahmenbedingungen, wenn über die Zukunft von Alemannia Aachen entschieden wird.

Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning wird wie angekündigt die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs vorschlagen, und die Weichen sind in diese Richtung gestellt. Der Gläubigerausschuss hat sich bereits am Freitag ebenfalls auf diese Empfehlung festgelegt. Der Fußball soll weiterleben bei Alemannia Aachen – auch wenn viele Fans, Firmen und öffentliche Geldgeber ein beträchtliches Opfer dafür bringen müssen. Die Alternative ist keine richtige: Wenn der Verein nach 113 Jahren liquidiert werden müsste, gingen alle Gläubiger leer aus. Der größte Gläubiger ist die Stadt Aachen, und auch die wird Alemannia weiter helfen, wird den Stadionbetrieb zumindest in dieser Saison bezuschussen. „Wir haben uns dafür die Rückendeckung der Bezirksregierung geholt“, bestätigte Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Insgesamt sind Forderungen in einer Höhe von 64 Millionen Euro an die GmbH angemeldet worden, deren Berechtigung im Einzelfall noch geprüft werden muss, sagt Sprecher Holger Voskuhl.

Interessanterweise hat nach Informationen unserer Zeitung auch die Muttergesellschaft Ansprüche von rund zwei Millionen Euro bei der Tochter geltend gemacht. Dabei dürfte es sich um die aufgelaufene Summe im seit Jahren laufenden Kölmel-Prozess handeln. Ursprünglich hatte Michael Kölmel dem damaligen Drittligisten Alemannia 1999 ein zinsloses Darlehen in Höhe von 1,8 Millionen Mark gegeben. Damals unterstützte Kölmel finanziell gestrandete Vereine, erwarb im Gegenzug Anteile an TV-Rechten. Ein Deal, der in höheren Ligen lukrativ werden konnte. Mögliche Ansprüche wurden nie ausgegliedert, obwohl Alemannias Lizenzspielerabteilung mit weiteren Fußballteams 2006 in die neue (jetzt zahlungsunfähige) GmbH umgezogen war. Für den TSV wäre das eine schöne Pointe. In den letzten Jahren gab die klamme Mutter der noch ärmeren Tochter schon einmal ein Darlehen. Jetzt könnte ein kleiner Betrag – orientiert an der noch nicht feststehenden Quote – zurückfließen.

Folgen die Gläubiger mehrheitlich der Vorgabe, wird die Sanierung im Insolvenzplanverfahren beschlossen. „Ende September“ könnte der Plan „im optimalen Fall“ fertiggestellt und zur Prüfung beim Gericht abgegeben werden, ehe die Gläubiger dann abschließend befinden. Das Verfahren könnte allerdings nachhaltig durch Gerichtsverfahren aufgehalten werden. Mönning will verschiedene Funktionäre aus der Vergangenheit wie den ehemaligen Geschäftsführer Frithjof Kraemer haftbar machen. Gelingt das nicht außergerichtlich, wird sich das Verfahren entsprechend in die Länge ziehen und der Insolvenzverwalter bleibt entsprechend länger an Bord.

Inzwischen durchgesickert ist das Interesse von Investoren am TSV Alemannia. Das DFB-Statut lässt theoretisch eine maximale Beteiligung von 49 Prozent zu. Die Geldgeber aus den Niederlanden waren nach Informationen unserer Zeitung mehrfach vor Ort, die Gespräche sind noch nicht sonderlich vertieft worden. Ein Verkauf der Anteile wäre ohnehin nur möglich mit Zustimmung der Mitglieder.

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