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Alemannia: Abstieg? Insolvenz? War da was?

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Hochspringer: Dennis Dowidat bejubelt seinen spektakulären Siegtreffer gegen Verl. Foto: Andreas Steindl.

Aachen. Vermutlich ist Andreas Golombek ein unverdächtiger Zeuge. Gerade hatte er mit seinem SC Verl eher unglücklich am Tivoli 0:1 verloren. Der Trainer ärgerte sich mächtig über den Schiedsrichter, über fehlendes Schussglück. Aber ein Kompliment wollte er trotzdem in Aachen lassen.

„Was die Trainer hier in kurzer Zeit nach einer so komplizierten Vorbereitung geleistet haben, ist bemerkenswert“, lobte er Peter Schubert und (den Ex-Verler) Reiner Plaßhenrich. „Sie haben ein paar richtig gute Spieler geholt und ein gutes Team geformt.“

Dieses „gute Team“ hat mit zwei Siegen aus zwei Spielen eine optimal Beute gemacht. Das Team ist aktueller Tabellenführer, aber das ist am zweiten Spieltag nur eine Randnotiz. „Wir wissen noch nicht, wo wir stehen“, urteilte der starke Sascha Marquet am Ende des Tages. „Es gibt ganz, ganz viele Dinge, an denen wir arbeiten können“, blieb auch Schubert sehr nüchtern.

Der Sieg schmeckte nicht nach großem Spektakel, sondern nach ehrlicher harter Arbeit. Die beste Nachricht des Tages kam sehr lautstark herüber. 8100 Zuschauer strömten zum Tivoli, als dort die Regionalliga sich erstmals ausbreitete. Abstieg? Insolvenz? War da was? Die Partie musste sogar 15 Minuten später angepfiffen werden, weil die Einlass-Drehkreuze ausgefallen waren. Dieser Nachmittag war ein starkes Statement für den Fußballstandort Aachen. „Vor einer solchen Wand spielen zu dürfen, ist etwas Besonderes“, urteilte Torwart Frederic Löhe.

Trainer Schubert hatte dann doch die Formation des ersten Spieltags ins Rennen geschickt.Verl gab bereitwillig Flächen und Spielanteile auf, setzte auf Konter. Alemannia holte sich Beulen im Zentrum, weil die Pässe im Dickicht hängen blieben. Es fehlte die Tiefe, die schnelle Verlagerung auf die Randgebiete. Die Mannschaft hatte eine hohe Fehlerquote, aber sie blieb geduldig und diszipliniert, gönnte den Gästen nahezu eine Stunde lang nicht einmal ein kleines Schüsschen.

Aachener Gefahr ging von ruhenden Bällen aus – und das ist durchaus eine Neuigkeit. In der Disziplin sind die Alemannen seit Jahren harmlos. Wären zum Beispiel Außerirdische im Sommer auf dem Planeten gelandet, man hätte ihnen nur die letzten 500 Aachener Freistöße und Eckbälle vorspielen müssen – sie hätten beruhigt erkannt, dass von diesen Erdlingen keine Gefahr ausgeht. Die Lage hat sich verändert. Zwei Freistöße von Dennis Dowidat (24./48.) schrammten ans Außennetz, dann hätte Jochen Schumacher problemlos seine Ecke ins Tor verlängern können (49.). Ein Weitschuss von Marquet zischte knapp am Tor vorbei (68.), dann hob Verls Keeper Sebastian Lange einen abgefälschten Ball von Kris Thackray noch über die Latte (73.).

Die Partie ging ihrem torlosen Ende entgegen, in der Regie wurden vermutlich schon das Torjingle eingepackt. Die 78. Minute brach an, und Dowidat sah, dass Sasa Strujic am Spielfeldrand auf seine Einwechslung wartete. Auch am ersten Spieltag hatte der Bosnier ihn abgelöst. Ein letzter Ballkontakt noch, 26 Meter vor dem Tor holte der kleine Mittelfeldspieler den Hammer raus. Der Ball flatterte in den Winkel vor der Stehtribüne. „Einen solchen Treffer vor einer solchen Kulisse habe ich auch noch nicht erzielt“, atmete der Torschütze durch.

Die Begeisterung schwappte durchs Stadion. „Von der Mannschaft fiel ein großer Ballast ab“, beobachtete Schubert am Spielfeldrand. Unter der Begeisterung litt erkennbar die Konzentration. Aachen machte einen Gegner stark, der schon angeknockt war. Zweimal durfte Simon Engelmann durch Aachens Abwehr kurven, als ständen da nur Drehkreuze herum.

Einmal scheiterte er am Innenpfosten, beim nächsten Versuch zielte er knapp vorbei (79./84.). Das Glück – eher unzuverlässiger Begleiter in den letzten Monaten – ist zumindest in dieser frühen Phase der Saison zurück. Zudem verhinderte auch der sichere Löhe gegen Mainkas Kopfball die möglichen Punktverluste (86.). Die Kritik kam gleich nach Spielende: „Solche Fehler dürfen nach einem Tor nicht passieren, hier wird der Trainer ansetzen.“ Das Zitat stammte nicht vom Aachener, sondern vom Verler Fußball-Lehrer Golombek.

Es gibt erkennbar viel zu tun am Tivoli, aber der Start ist sehr geglückt, das Publikum honoriert bemerkenswert den Neustart in der Niederung. Diese Fans, urteilte Golombek erkennbar beeindruckt, diese Fans seien auf der Strecke einer kompletten für sieben, acht Punkte gut, weil es die Mannschaft beflügele und Schiedsrichter beeinflusse.

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