Aachen nähert sich der Abstiegszone

Von: Christoph Pauli
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Ein Lichtblick: Marco Höger feierte in Cottbus eine gelungene Premiere. Hier setzt er sich gegen Stanislav Angelov (links) und Bernardo de Oliveira durch. Foto: Peter Aswendt

Cottbus. Besucher am Flughafen Schönefeld sahen am Samstagabend ausgesprochen konzentrierte Spieler von Alemannia. Die Mannschaft saß an einem Tisch, an einem anderen diskutierten Trainer Michael Krüger und Kapitän Benny Auer.

Es gibt wieder einmal Redebedarf im Verein, so wie es auch schon nach den Heimspielen gegen Frankfurt und Ahlen der Fall war.

Am Flughafen endete der nächste unerquickliche Betriebsausflug. Die Mannschaft checkte ein mit einer verdienten 3:1-Niederlage bei Energie Cottbus, die sie der Abstiegszone wieder etwas näher brachte.

Es war die dritte Niederlage in Folge, und schon kurz nach Spielende holte Erik Meijer die gesamte Delegation zusammen, um den Ernst der Lage sehr eindringlich zu formulieren. Der junge Sportdirektor steht aus gegebenem Anlass viel häufiger vor der Mannschaft als es ihm lieb ist. Nachhaltig warnte er sein Team.

In Cottbus verfolgte er den zweiten Durchgang hinter dem Aachener Tor, von da aus beobachtete er die zunehmende Pannenstatistik seiner Abwehrspieler - Ausnahme Allan Jepsen -, die doch bislang das einzige Prunkstück dieser verkorksten Saison waren. „Die Jungen, die die Mannschaft tragen sollen, haben sich versteckt”, zog Meijer ein alarmierendes Fazit.

Er verzichtete auf eine verniedlichende Umschreibung am Unfallort, er sprach Klartext.

Über den ersten Gegentreffer nach 36 Minuten: „Wenn Thorsten Stuckmann von der Linie kommt, dann muss er auch den Ball haben, Nico Herzig spielt Eins gegen Eins wie ein kleines Kind.” Über den zweiten Gegentreffer nach 42 Minuten: „Olajengbesi doppelt, obwohl es völlig unnötig ist.” Von der Aachener Fehlerkette profitierte jeweils Nils Petersen.

Über Gegentreffer Nummer 3 nach 58 Minuten: „Aimen Demai lässt den schnellsten Cottbuser Spieler auf der Innenbahn durch.” Er verlor Gegenspieler Stiven Rivic aus den Augen, in einer Art und Weise, die jeden ambitionierten Trainer einer Thekenmannschaft aufgebracht hätte.

Von zwei schlechten Mannschaften gewann die Gruppe, die deutlich weniger Fehler machte.

Aachen war fahrig, unkonzentriert. Die Gäste droschen mit sinnlosem Eifer ein paar hohe Flanken vor den Cottbuser Strafraum, als gebe es dafür Payback-Punkte. Der Mannschaft gelang es auch diesmal nicht ansatzweise, ein druckvolles Spiel aufzuziehen. Sie nahm die nächste Niederlage stellenweise fast lethargisch entgegen. Und das macht sie (und ihren Trainer) in hohem Maß angreifbar: Sie ruft an schwachen Tagen nicht einmal ihre Primärtugenden ab.

Schon zur Pause bekam der starke Neuling Marco Höger einen ersten Eindruck von der Lautstärke im Profibereich. Erst analysierte der Trainer wütend die Darbietung, dann ergriff auch Kapitän Auer das Wort, ein Novum. „Die erste Halbzeit war teilweise ein Graus, wir waren nicht aggressiv, nicht konzentriert. Da muss sich jeder hinterfragen.”

Natürlich war in der Lausitz kein eingespieltes Aachener Team am Start. Thomas Stehle wird sich auf der Ersatzbank wie ein Herbergsvater vorgekommen sein. Neben ihn nahm eine Boy-Group bestehend aus Abdul Özgen, Alper Uludag, Andreas Korte, Waldemar Schattner und Daniel Engelbrecht Platz. Trainer Michael Krüger schickte zwar eine ungewöhnliche Formation ins frostige Gefecht, aber es war keine Notelf, sondern eine enorm routinierte Mannschaft.

Die Gastgeber, deren Fans aus Protest gegen jüngste Leistungen 15 Minuten schwiegen, hatten es gegen pomadige Gäste leicht. „Da sind wir ideal, angeschlagene Gegner aufzubauen”, flüchtete Michael Krüger in Ironie. Den zahnlosen Gästen gelang nur der unverhoffte Anschlusstreffer. Ein Abschlag von Keeper Gerhard Tremmel landete nach wenigen Flugmetern bei Benny Auer, der schickte Babacar Gueye auf die Reise. Tremmel bügelte rustikal seinen Fehler gegen den Angreifer aus. Gelbe Karte, Strafstoß, 2:1 durch Aimen Demai (53.), der die kleine Hoffnung mit dem nächsten Patzer gleich wieder beerdigte. Alemannias Spiel wurde noch etwas munterer, weil die fahrigen Burkhardt und Gueye den jugendlichen Özgen und Uludag weichen mussten.

Am Ergebnis änderte sich nichts mehr, Cottbus zog mühelos an Aachen in der Tabelle vorbei. „Fakt ist, wenn die Leute, die uns sonst so stabil machen, wegbrechen, reichen 30 Punkte nicht”, betonte Meijer. Trostlos endete der Betriebsausflug. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Strudel hineingeraten”, sagte Krüger. „Ich bin mir nach dieser Partie nicht so sicher, ob jeder weiß, dass vom Klassenerhalt die Existenz des Vereins abhängt.”

Ein Sonderlob gibt es nur für Marco Höger

Marco Höger stand zum ersten Mal in der Elf, spielte in der Raute zunächst links, später rechts und bekam das einzige Sonderlob des Spieltags in der Kabine vom Sportdirektor. „Das bedeutet mir richtig viel”, sagte der Kapitän der Amateure.

Trotz der Niederlage hat der 20-Jährige natürlich Blut geleckt. „Ich bleibe jetzt am Ball und hoffe, dass noch weitere Einsätze dazukommen.”

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