Aachen beurlaubt Sportdirektor Bornemann

Von: Christoph Pauli
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Andreas Bornemann. Foto: imago/Sportnah

Aachen. Der Aufsichtsrat traf sich bereits spontan am Freitagabend nach diesem Spiel, das Herrenzirkel hatte größeren Klärungsbedarf. Die Debatte ging im größeren Kreis am Sonntag weiter.

Artikel Fünf Stunden lang dauerte die Sondersitzung mit geladenen Gästen aus der sportlichen Leitung. Dann stand fest: Andreas Bornemann ist nicht mehr Manager von Alemannia Aachen, er ist beurlaubt nach nicht einmal elf Monaten.

Die Wege trennen sich sofort. Der Aufsichtsrat beschloss die Trennung gegen den Willen des Geschäftsführers. Frithjof Kraemer hatte noch unter der Woche dem Manager in dieser Zeitung eine Arbeit bescheinigt, „die in allen Bereichen überzeugt. Ich sehe keinen Grund, den Vertrag nicht zu verlängern.” Den sah aber der Aufsichtsrat.

In der Pressemitteilung des Klubs wurde Kraemer nicht zitiert, er war auch später am Sonntag nicht mehr zu sprechen. Stattdessen musste er dem Manager, mit dem er weiterarbeiten wollte, dessen Beurlaubung mitteilen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Linden attestierte Kraemer, dessen Vertrag vor ein paar Monaten um drei Jahre verlängert worden war, noch einmal „gute Arbeit. Wir stehen hinter ihm.” Der Geschäftsführer trage die getroffene Entscheidung mit.

Bornemann selbst sagte am Sonntagabend, ihm seien keine Gründe mitgeteilt worden. „Die Fallhöhe ist schon hoch. Erst soll der Vertrag verlängert werden, jetzt bin ich beurlaubt. Merkwürdig.”

In der Runde habe Linden erst mit seinem Rücktritt drohen müssen, damit sich seine Vorstellung durchsetze. „Das ist eine spannende Frage, nach welchen Kriterien in diesem Verein Entscheidungen getroffen werden.”

Linden führt die vertragliche Verabredung an, bis zum 31. Dezember hätte sich die Parteien äußern müssen, ob sie den im Sommer auslaufenden Kontrakt verlängern wollen. Daran hat der Aufsichtsrat kein Interesse, und deswegen mache es auch keinen Sinn „länger weiterzumachen”, sagt Linden nach dem „klaren Votum”.

Über die Mannschaft

„Die Situation ist sehr ernst”, urteilte Linden. „Die Botschaft geht an die Mannschaft.” Der sportliche Misserfolg schlägt sich bereits wirtschaftlich nieder, der Verein befürchtet weitere Auswirkungen bei Sponsoren oder beim Dauerkartenverkauf.

Der Aufsichtsrat wünscht ein Gespräch mit dem Team, „um den Unmut des Vereins und der Öffentlichkeit mitzuteilen und sie zu angemessenen Leistungen” aufzufordern. Linden: „Wer viel Geld verdient, von dem darf man auch viel Leistung erwarten. Die Spieler sind jetzt in der Pflicht.”

Zum Trainer

Auch Michael Krüger musste zum Rapport antreten. „Er hat den Ernst der Lage erkannt, er weiß, dass es hier kurz vor zwölf ist”, sagt Linden und fordert mehr Arbeit ein. Der Coach habe Perspektiven aufgezeigt, wie er die Mannschaft in den Griff bekommen könne.

„Die vorgestellten Maßnahmen und die angestoßenen Selbstreinigungsprozesse in der Mannschaft geben uns die Hoffnung, dass sich Leistungen wie am Freitag nicht wiederholen.” Ergo darf Krüger in den dritten Monat seiner Amtszeit gehen.

Über den Nachfolger

„Zeitnah” soll der neue Bornemann gefunden werden. Verstärkt will man nun sich in den eigenen Reihen umschauen, ob nicht ehemalige Spieler in Frage kommen. „Das ist ein Kriterium, aber nicht das ausschließliche.” Das vor einem Jahr von der Findungsgruppe um Erik Meijer erstellte „Anforderungs-Profil” wird wieder herausgekramt.

Über Freunde des Vereins hofft man, entsprechende Liquidität zu schaffen. Apropos: Auch über Neuzugänge im Winter beriet der Klub, auch da ist der finanzielle Rahmen ausschlaggebend. Und der dürfte seit Sonntag nicht größer geworden sein.
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