Aachen/Sotschi - „Wir sind ein Team für Sotschi“

„Wir sind ein Team für Sotschi“

Von: Lukas Weinberger
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Aachener in Sotschi: Robert Voigtsberger ist als Funktionär bei den Paralympics dabei. Foto: Weinberger

Aachen/Sotschi. Robert Voigtsberger ist schon ein paar Tage vor der Eröffnungsfeier nach Sotschi gereist. Erste Materialien für das deutsche Paralympics-Team hat er nach Russland geschafft, vor Ort noch einige Dinge geregelt.

All solche Dinge, die in den Aufgabenbereich eines stellvertretenden Sportdirektors fallen. Seit 2011 hat der Aachener diese Position beim Deutschen Behindertensportverband (DBS). Und da fährt man als Funktionär eben auch mit zu den Paralympics nach Sotschi. Eine Last ist das für Robert Voigtsberger nicht, im Gegenteil: Er war voller Vorfreude. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es tolle Spiele werden.“ Aus sportlicher Sicht, die dramatischen Ereignisse in der Ukraine und die russische Verstrickung darin ausgeklammert.

700 Athleten, 45 Nationen

„Wir hoffen, dass der Behindertensport in Sotschi eine positive Resonanz erfährt“, sagt Voigtsberger. Dass die Zuschauer sich von den Leistungen der Behinderten überzeugen, sich emotionalisieren lassen, darauf setzt der Funktionär. Bei den diesjährigen Paralympics werden 700 Athleten aus 45 Nationen an den Start gehen. „Ein großartiger internationaler Charakter“, sagt Voigtsberger.

Und von der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Mannschaft beim sportlichen Großereignis ist er überzeugt – „ein absolut schlagkräftiges Team“. Zwar gehen nur 13 deutsche Athleten in Sotschi an den Start, erfolgreich sollen die Spiele aber dennoch werden. Das Team sei „klein, aber fein“, ein Mix aus erfahrenen Sportlern und jungen Talenten. „Wir wünschen uns, dass alle ihre Bestleistungen abrufen können“, sagt er. „Wenn das gelingt, werden wir viele schöne Erfolge feiern.“ Dafür müssten aber alle Rädchen ineinandergreifen: Die Tagesform muss stimmen, die Arbeit der Trainer, Betreuer, Physiotherapeuten, Techniker. „Wir sind ein Team für Sotschi“, sagt der Aachener.

Und die Messlatte liegt hoch: Bei den vergangenen paralympischen Winterspielen 2010 belegte Deutschland Platz eins im Medaillenspiegel – 13 Goldmedaillen, fünf silberne und sechs bronzene waren die Ausbeute. Für den Medaillenregen beim damals 20-köpfigen deutschen Team haben in Vancouver vor allem Verena Bentele (fünfmal Gold), Gerd Schönfelder (viermal Gold, einmal Silber) und Martin Braxenthaler (dreimal Gold, einmal Silber) gesorgt.

Das Trio ist in diesem Jahr zwar nicht mehr dabei, aber „wir haben Sportler, die auf einiges hoffen lassen“, sagt Voigtsberger. Biathletin und Langläuferin Andrea Eskau zählt er dazu, auch die Alpinen Andrea Rothfuss und Anna-Lena Forster hat er auf der Rechnung. Eine Medaillenvorgabe für die Athleten gibt’s aber nicht.

Der Anreiz für die deutschen Paralympioniken, einen Platz auf dem Treppchen zu erobern, dürfte in Sotschi ohnehin größer als je zuvor sein. Ein Medaillengewinn lohnt sich nämlich nicht nur sportlich, er ist auch in finanzieller Hinsicht lukrativ. Die Deutsche Sporthilfe hat die Prämien für die paralympischen Sportler auf das Niveau der Olympioniken angehoben: Für Gold gibt’s 20.000 Euro, für Silber 15.000, für Bronze 10.000.

„Diese Angleichung ist eine immense Wertschätzung für den Sport der Menschen mit Behinderung“, sagt Voigtsberger. Schließlich würden auch die behinderten Athleten ihr Leben auf den Sport ausrichten, sich neben dem Beruf auf Großereignisse vorbereiten. Und nun seien auch die Medaillen gleich viel wert. Der einfachste Nenner? „Im Grunde sind die Paralympics nichts anderes als Olympia – nur gehen jetzt Sportler mit Behinderung an den Start“, sagt Voigtsberger.

Schattenseiten

Doch auch die Schattenseiten des Sports machen vor dem Leistungssport der Behinderten keinen Halt. Zwei Wochen vor Beginn der Winter-Paralympics hat der Tod des australischen Snowboarders Matthew Robinson die Sportwelt erschüttert. Der 28-Jährige war Mitte Februar bei einem Weltcup schwer gestürzt und eine Woche später an seinen schweren Nacken- und Wirbelsäulenverletzungen gestorben. In Sotschi wird es erstmals Snowboard-Entscheidungen geben.

Und auch Doping hat Einzug in den Leistungssport der Behinderten gehalten, in Sotschi werden in einem außerordentlich hohen Maße Kontrollen durchgeführt. „Das begrüßen wir sehr“, sagt Voigtsberger. Häufig würden Doping-Fälle nicht auftreten. Wenn doch drohen auch in Deutschland drastische Konsequenzen: „Wir gehen im Verband rigoros gegen Dopingsünder vor.“

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