„Und vergesst die Pferde nicht!”

Von: Thomas Thelen
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So bleibt er in Erinnerung: Hans-Heinrich Isenbart an seinem Arbeitsplatz im Dressurstadion in der Soers. Im Alter von 88 Jahren ist der Sportjournalist in Hamburg gestorben. In der Aachener Soers war er seit 1954 als Stadionsprecher im Einsatz. Mit seiner markanten Stimme eroberte er die Herzen der Reitsportfans. Foto: Jaspers

Aachen. Es gibt sie, jene markanten Stimmen, die man aus Tausenden von Stimmen sofort heraushört. Stimmen, die zu Markenzeichen werden, die man einmal gehört hat und nicht wieder vergisst. Eine solche Stimme hatte der Sportjournalist Hans-Heinrich Isenbart.

1954 war es, als er zum ersten Mal in der Aachener Soers beim CHIO als Sprecher im Richterturm Platz nahm. Nicht lange, und die Menschen hatten den fachkundigen Mann am Mikrofon in ihr Herz geschlossen. Wenn Isenbart sprach, dann wurde es ganz still im Stadion. Nun ist die einzigartige Stimme für immer verstummt. Im Alter von 88 Jahren ist Isenbart in Hamburg gestorben.

Im Richterturm der Soers hat er alle Triumphe und schicksalhaften Augenblicke miterlebt. Die Weltmeisterschaft der Springreiter 1955, als Hans Günter Winkler vor Piero dInzeo siegte. 55 000 Zuschauer sollen damals im Stadion mitgefiebert haben. Der tragische Moment, als Graziano Mancinellis Pferd 1967 plötzlich ohne Außeneinwirkung im Parcours zusammenbrach und Isenbart die Live-bilder kommentieren und das Entsetzen der Menschen in Worte fassen musste. 20 Minuten ist er alleine mit der Tragödie, eine halbe Ewigkeit, die er mit wohl gewählten Worten übersteht. Die Medien sprechen danach von einer Sternstunde der Live-Berichterstattung, der ewig zurückhaltende Isenbart selbst sagt: „Weiß Gott, ich hätte mir eine andere gewünscht.”

Schauspieler und Moderator

Isenbart, in Hamburg aufgewachsen, wurde bereits 1945 freier Mitarbeiter des NWDR. Nach einem Jurastudium in Wien kehrte er zum NDR zurück und wurde 1951 Redakteur im Studio Oldenburg. Nach den Olympischen Reiterspielen entwickelte er ab 1957 in der Abteilung Politik und Gesellschaft die „Nordschau” im NDR Fernsehen mit. 1960 wechselte Isenbart zu Radio Bremen und leitete dort die Abteilung Fernsehen, bis er 1974 als ARD-Sportkoordinator nach München ging.

Nach seiner Pensionierung 1987 kommentierte er weiter Pferdesport-Veranstaltungen, war als Schauspieler und Moderator tätig. Darüber hinaus war er in „Freut euch des Nordens” und in der eigens auf ihn zugeschnittenen Sendung „Land und Lieder” im NDR Fernsehen zu sehen.

Isenbart sei für Millionen Fernsehzuschauer jahrzehntelang die unverwechselbare Stimme im deutschen Reitsport gewesen, sagte Arno Beyer, Stellvertretender NDR Intendant. Seine profunden Kenntnisse und seine unverwechselbare Art der Kommentierung, bei der man auch mit geschlossenen Augen das Bild vor sich sah, reihten ihn in „die ganz Großen des deutschen Sportjournalismus ein”. Bei allen sportlichen Erfolgen sei es ihm nicht nur um die Menschen, sondern auch um die Tiere gegangen. „Nicht umsonst beendete er seine Moderationen immer mit dem Satz ?... und vergesst die Pferde nicht!”, sagte Beyer.

Alle, die den Pferdesport lieben, werden ihn nicht vergessen: Hans-Heinrich Isenbart.
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