Tour de France: Rätselraten um Funkverbot

Von: Benjamin Haller und Andreas Zellmer, dpa
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Limoges. Fahrer und Teams gehen auf die Barrikaden, die Veranstalter bleiben hart - und der Zwist schwelt weiter. Einen Tag vor der zehnten Etappe der Tour de France herrscht Verwirrung über das angekündigte Funkverbot.

Nach einer knapp 80-minütigen Sitzung des Tour-Veranstalter ASO mit dem Vorstand der Team-Vereinigung IPCT war am Montagnachmittag noch nicht klar, ob die umstrittene Neuerung auf der 10. (Dienstag) und 13. Etappe (Freitag) zum Tragen kommt.

„Kein Kommentar”, antwortete Astana-Teamchef und „Streikführer” Johan Bruyneel den Fragestellern. Ein Rabobank-Manager sagte: „Die Entscheidung ist vertagt. Wir treffen sie erst am Dienstag direkt vor dem Rennen.”

Trotz des massiven Widerstands scheint das Funkverbot aber beschlossene Sache. Selbst eine Petition der Funkbefürworter, die die Mehrzahl der Teams unterzeichnet hat, konnte den Radsport-Weltverband UCI nicht umstimmen. „Die UCI will davon nichts wissen und reagiert quasi nicht”, berichtete Milram-Teamchef Gerry van Gerwen der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Diese sture Haltung störte den Frieden am Ruhetag in Limoges empfindlich und brachte viele Fahrer auf die Palme. Am lautesten machte der ehemalige Aktiven-Sprecher Jens Voigt seinem Ärger Luft. „Das gibt großes Chaos und ist Humbug. Wir leben im 21. Jahrhundert. Was machen wir als Nächstes? Etwa ohne Helm fahren?”, schimpfte der Berliner vom Saxo-Bank-Team.

Während die UCI unerbittlich blieb, signalisierte der Tour-Veranstalter ASO immerhin Gesprächsbereitschaft. Die Sitzung ging aber ergebnislos zu Ende. Ein Streik der Fahrer am Dienstag in Limoges scheint aber unwahrscheinlich. Man wolle die Angelegenheit nicht „hochschaukeln”, sagte Bruyneel vor Sitzungsbeginn: „Es wird keine Riesenproteste geben.”

Das Direktionskomitee der UCI hatte den Vorschlag der ASO, während zweier Etappen auf Funk zu verzichten, um das Rennen interessanter zu machen, am 19. Juni abgenickt. Demnach dürfen die Fahrer auf dem 10. und 13. Abschnitt nicht mit ihren Team-Leitungen in den Fahrzeugen kommunizieren. Nur das UCI-Komitee könnte die Rolle rückwärts beschließen.

Angeführt wurde die Schar der Kritiker vom Astana-Team, das auch abseits der Strecke die Regie bei der Tour übernommen hat. Bruyneel hatte die Koalition der Funkbefürworter - laut van Gerwen haben 16 Teams die Petition unterzeichnet - organisiert. Als prominenteste Unterstützer sprangen ihm seine Kapitäne Alberto Contador und Lance Armstrong zur Seite. „Die Tour ist kein Ort für Experimente”, meinte Armstrong.

Fast unisono verwiesen die skeptischen Fahrer und Sportdirektoren auf die extremen Gefahren, die ein Funkverbot berge. So könnten die Profis etwa nicht vor scharfen Kurven, Rollsplitt oder Ölspuren gewarnt werden. „Man muss sich gut überlegen, ob man sagt, wir wollen das Rennen spannend machen auf Kosten der Sicherheit. Dann können wir auch die Bremsen abbauen”, monierte Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag.
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