Steffi Nerius´ geheimer Traum vom WM-Titel

Von: Andreas Schirmer, dpa
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Die deutsche Speerwerferin Steffi Nerius: Bei den Leichtathletik- Weltmeisterschaften in Berlin (15. bis 24. August) wird sie ihren letzten Titelkampf bestreiten und nach bisher drei Saisonsiegen in Ulm, Lausanne und London sogar als eine der Topfavoritinnen antreten. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Lockerheit ist die stärkste Waffe vor Steffi Nerius´ letztem großen Wurf. „Ich habe den Vorteil, dass ich nicht gewinnen muss und nichts zu verlieren habe”, sagte die 37 Jahre alte Speerwerferin aus Leverkusen.

Bei den Leichtathletik- Weltmeisterschaften in Berlin (15. bis 23. August) wird sie ihren letzten Titelkampf bestreiten und nach bisher drei Saisonsiegen in Ulm, Lausanne und London sogar als eine der Top-Favoritinnen antreten. „Ich könnte auch gewinnen, wenn die anderen weiter so schlecht werfen”, meinte die auf Rügen geborene Athletin. „Ein Traum wäre aber eine Medaille, egal, welche Farbe sie hat. Es wäre der perfekte Abschluss für mich.”

Die im DDR-Sportsystem groß gewordene Werferin ist für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) eine Erfolgsgarantin. Bei der WM 2003, 2005 und 2007 gewann sie jeweils Bronze, in den Jahren dazwischen wurde sie Olympia-Zweite (2004) und Europameisterin (2006). „Ich habe alles erreicht in meiner Karriere”, resümiert Steffi Nerius.

Trotz der Gelassenheit am Ende ihrer Laufbahn brennt sie auch weiter vor Ehrgeiz. „Ich wollte keine Halligalli- Abschiedstournee machen und bin unglaublich motiviert”, sagte die Diplom-Sportlehrerin, die im Wintertraining die besten Kraftwerte ihrer Karriere erzielte.

Steffi Nerius traut sich nicht nur zu, wieder eine der Speerspitzen des deutschen WM-Teams zu werden, sondern auch ihr Wurfgerät noch einmal weit durch die Luft sausen zu lassen. „Seit zehn Jahren werfe ich konstant 64, 65 Meter. Bei der WM ist eine Weite von 65 bis 70 Meter möglich”, hofft sie.

Ein Vorteil könnte auch sein, dass sie nach ihren Starts bei der WM 1993 in Stuttgart und bei der EM 2002 in München weiß, wie man mit dem Druck bei einem großen Heim-Titelkampf umzugehen hat. „Da kann man leicht überdrehen und übersteuern”, meinte Nerius. In Berlin wird sie im Athletendorf wieder ein Zimmer mit ihrer Freundin, der Diskus- Weltmeisterin Franka Dietzsch, teilen. Fehlen wird auch das Stirnband nicht, dass zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Mit was für einem Spruch sie diesmal überraschen wird, bleibt noch ein Geheimnis.

Bei den deutschen Meisterschaften in Ulm sicherte sie sich nicht nur den Titel, sondern besiegte wie auch in Lausanne ihre deutsche Rivalin Christina Obergföll. Für die Olympia-Dritte aus Offenburg kam dies nicht unerwartet. „Das beunruhigt mich nicht, ich habe sie aber auf der Liste für Berlin”, meinte Obergföll. „Steffi und ich haben in den letzten Jahren das Speerwerfen der Frauen gepusht, das hat auch für Medienpräsenz gesorgt.”

Mit ihrem Sieg-Triple hat sich Steffi Nerius schon so gut wie sicher für das „Welt Athletics Final” am 12./13. September im griechischen Thessaloniki qualifiziert. „Ich führe in der Speerwurf- Wertung und bin fast zu 100 Prozent dabei”, sagte sie. Offiziell Abschied gefeiert wird aber am 6. September in Elstal, wo sie im vergangenen Jahr ihre Bestleistung von 68,34 Meter aufstellte.

Vom 1. Oktober an beginnt für die Ausnahmeathletin ein neuer Lebensabschnitt, wenn sie einen Vollzeitjob im Behindertensport bei Bayer Leverkusen beginnt. „Ich bin sicher, dass ich nicht in ein Loch fallen werde”, sagte Nerius. „Schließlich bleibe ich ja weiter in der Trainingshalle und setze mich nicht an den Schreibtisch.”
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