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Simon Ernst: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen“

Von: Lukas Weinberger
Letzte Aktualisierung:
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Die deutsche Nationalmannschaft um den Birkesdorfer Simon Ernst startet am Freitag gegen Ungarn in die Titelkämpfe.

Aachen. Wenn Simon Ernst für die deutsche Handball-Nationalmannschaft nominiert wird, ist das schon lange keine Überraschung mehr, und deswegen hat sich ja auch niemand gewundert, als der Spielmacher des VfL Gummersbach in den Kader für die Weltmeisterschaft in Frankreich berufen wurde.

Ernst ist ein fester Bestandteil des Teams von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, nach nur zweieinhalb Saison in der Bundesliga, mit erst 22 Jahren. Für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beginnt die WM am Freitag mit dem Spiel gegen Ungarn (17.45 Uhr), und der Mittelmann aus Düren-Birkesdorf will mithelfen, dass das Turnier zu einer ähnlichen Erfolgsgeschichte wird wie die EM im vergangenen Jahr, als er mit dem Team Europameister wurde. Im Interview spricht Ernst über seine Entwicklung, die Ziele für die WM und seine Oma Margret.

Herr Ernst, wer ist eigentlich Ihr größter Fan?

Simon Ernst: Puh, das wird natürlich jemand aus meiner Familie sein, da fiebern immer alle mit. Und sie tun sich alle nicht viel. Meine Eltern, meine Brüder. Aber vielleicht liegt Oma Margret tatsächlich manchmal einen Tick vorne.

Was macht Oma Margret denn zum größten Simon-Ernst-Anhänger?

Ernst: Nun ja, sie verfolgt natürlich meine Spiele mit Gummersbach, ab und zu auch live in der Halle. Und Anfang vergangenen Jahres ist sie ja extra zum Finale nach Krakau gekommen, als ich mit der Nationalmannschaft Europameister geworden bin. Mit dem Flugzeug. Vorher ist sie bestimmt 30, 40 Jahre nicht geflogen.

Und schneidet sicher Zeitungsartikel über Sie aus, oder?

Ernst (lacht): Ja, schon. Wie Großmütter das eben so machen, wenn sie stolz auf ihre Enkel sind.

In den vergangenen Tagen konnte man auch den Eindruck haben, dass Bundestrainer Dagur Sigurdsson ein großer Fan von Ihnen und stolz auf Sie ist . . .

Ernst: Er hat relativ positiv über mich gesprochen, das stimmt, und es hat mich natürlich gefreut. Überbewerten möchte ich das aber nicht. Ich bin einer von vielen Nationalspielern, und ich versuche immer, meine beste Leistung abzurufen und dem Bundestrainer zu zeigen, dass er mir auf dem Feld vertrauen kann.

„Simon Ernst hat sich im vergangenen Jahr noch einmal enorm weiterentwickelt, das ist gut für ihn. Und das ist auch gut für uns“, hat Sigurdsson gesagt. Sehen Sie bestimmt genauso, oder?

Ernst: Klar, es profitieren beide Seiten. Ich habe in Gummersbach einen weiteren Schritt gemacht, und bin dann – nachdem ich bei Olympia nicht dabei war – wieder in den Fokus der Nationalmannschaft gerückt, habe viele Spielanteile in der WM-Qualifikation bekommen. Und am Ende machen starke Einzelspieler eine Mannschaft stärker, das ist im Verein so, das ist beim Nationalteam so.

In welchen Bereichen haben Sie sich weiterentwickelt?

Ernst: Es ist nicht ganz so einfach, das selbst zu bewerten. Ich glaube aber, dass ich mittlerweile sehr konstant auf gutem Niveau spiele. In meinem Alter gilt es jetzt, den nächsten Sprung zu schaffen. Ich bin kein Neuling mehr, spiele ja schon meine dritte Bundesligasaison und habe rund 30 Länderspiele gemacht; um ein gestandener Profi zu sein, brauche ich aber auch noch ein bisschen. Ich bin aber auf einem guten Weg, denke ich.

Deswegen haben Sie in den beiden Testspielen vor der WM ja auch so viel Spielzeit bekommen. Wie zufrieden sind Sie?

Ernst: Im ersten Spiel gegen Rumänien haben wir noch recht durchwachsen gespielt, da haben wir es nicht geschafft, unser Spiel über 60 Minuten durchzuziehen. Gegen Österreich war das besser, da haben wir bis auf die ersten zehn Minuten wirklich gut gespielt – auf allen Positionen. Diese Geschlossenheit soll auch im Turnier unsere Stärke sein.

Und wie war Ihre persönliche Leistung?

Ernst: Ich glaube, ich habe es ganz gut gemacht. Viele Spielanteile, in beiden Spielen je zwei Treffer, das war schon in Ordnung.

Auch wenn als Spieler für die Mitte nominell nur Niklas Piecz­kowski und Sie dabei sind, ist die Konkurrenz im Rückraum doch recht groß...

Ernst: Das stimmt. Dagur Sigurdsson hat ja in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er gerne flexibel spielen lässt. Steffen Fäth, Paul Drux, Niklas Pieczkowski und ich sind sehr variabel einsetzbar. Da wird dann auch kein großer Unterschied gemacht, ob der eine ein Halblinker und der andere ein Mittelmann ist. Weil ich in der Vorbereitung recht viel gespielt habe, bin ich aber ganz optimistisch, dass ich bei dieser WM mehr zum Einsatz kommen werde, als es bei der EM im vergangenen Jahr der Fall war.

Das spricht für Ihr Selbstbewusstsein.

Ernst: Ich war nicht unzufrieden mit meiner Rolle bei der EM, als ich vor allem Ergänzungsspieler war. Es ist wichtig, dass sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen. Auch das macht unser Team so stark. Aber natürlich möchte jeder möglichst oft auf dem Spielfeld stehen und der Mannschaft helfen, das gilt auch für mich.

Heute gegen Ungarn, von Anfang an – das wär’s, oder?

Ernst: Das wäre großartig, aber wenn es nicht so kommt, ist das auch kein Beinbruch.

An Ungarn dürften Sie ja ganz gute Erinnerungen haben . . .

Ernst: Wir haben bei der EM im vergangenen Jahr klar gewonnen, da denkt man natürlich gerne dran zurück. Und für mich persönlich war es das erste EM-Spiel, bei dem ich über eine längere Spielzeit auf dem Feld stand.

Sie haben getroffen und einen Siebenmeter rausgeholt.

Ernst: Das haben Sie genauer im Kopf als ich (lacht). Wichtig war, dass wir gewonnen haben.

Das soll jetzt wieder klappen…

Ernst: Klar, es wäre schon schön, mit einem Sieg ins Turnier zu starten. Gerade weil wir Ungarn als starken Konkurrenten um den Gruppensieg auf dem Zettel haben. Einfach wird’s also nicht.

Ist Ungarn also ein Gegner auf Augenhöhe?

Ernst: Auf jeden Fall. Im Gegensatz zum vergangenen Turnier sind die Ungarn jetzt wieder mit voller Kapelle da. Von 16 Spielern, die in ihrem Kader stehen, spielen zwölf mit ihren Vereinen in der Champions League.

Wie schätzen Sie die weiteren Gruppengegner ein?

Ernst: Die Kroaten sind sehr stark, mit ihnen und Ungarn werden wir um Platz eins in der Gruppe kämpfen. Weißrussland sollten wir auch auf keinen Fall unterschätzen. Saudi-Arabien und Chile sind hingegen klare Außenseiter, die müssen wir klar schlagen. Und natürlich wollen wir auch die anderen Spiele gewinnen. Der Gruppensieg wäre wichtig, um in den ersten K.o.-Spielen den ganz dicken Brocken aus dem Weg zu gehen.

Und dann ist wieder alles möglich?

Ernst: Wir zählen mit vier, fünf anderen Mannschaften zum Favoritenkreis, das ist unser Selbstverständnis, und das ist auch die Erwartungshaltung der Fans. Das Halbfinale sollte da schon unser Ziel sein. Und ja, dann ist alles möglich.

Schade, dass die Fans nur per Live-stream im Internet dabeisein können, oder?

Ernst: Definitiv. Das ist keine zufriedenstellende Lösung. Gerade nach unserem Titelgewinn bei der EM im vergangenen Jahr ist das sehr, sehr schade für den Handball. Und trotzdem muss man ja schon irgendwie froh darüber sein, dass es jetzt doch noch Livebilder geben wird. Besser als gar nichts ist es allemal.

Trotzdem wäre ein weiteres gutes Turnier ja erneut Werbung für Ihren Sport.

Ernst: So ist es. Lamentieren hilft auch nicht mehr. Wir wollen mit unserer Leistung jetzt wieder mal zeigen, dass wir eine größere Präsenz verdient hätten.

Der WM-Titel wäre ein schöner Abschied für den Bundestrainer.

Ernst: Keine Frage, ein schöneres Geschenk könnte es nicht geben. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, das wäre auch so, wenn es nicht Dagur Sigurdssons letztes Turnier für den DHB wäre.

Und von Düren aus wäre es für Ihre Oma Margret sogar einfacher, zum Finale nach Paris zu kommen als damals nach Krakau...

Ernst (lacht): Stimmt, das ginge sogar mit dem Zug. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn sie mich da wieder überrascht. Aber so weit will ich eigentlich noch gar nicht denken.

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