Aachen - Ruderer der RWTH: Vom absoluten Außenseiter zum Favoriten

Ruderer der RWTH: Vom absoluten Außenseiter zum Favoriten

Von: Ines Kubat
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Miriam Höner steuert den erfolgreichen Ruder-Achter der RWTH in dieser Saison. Erst seit wenigen Tagen steht die endgültige Zusammensetzung fest: Das Team tritt bei den Deutschen und Europäischen Hochschulmeisterschaften an. Foto: Kubat

Aachen. Im Bootshaus nimmt das Team letzte Anweisungen von Trainer Andreas Penkner entgegen. Durch das offene Tor sieht man, wie sich der Maastrichter Himmel leer regnet. Kein Grund jedoch für den Ruder-Achter der RWTH Aachen, das Training abzusagen.

Schließlich stehen am ersten Juli-Wochenende die Deutschen Hochschulmeisterschaften an. Drei Mal in Folge haben sie diesen Titel schon geholt. Und deshalb gilt es in den kommenden Wochen, das Team fit zu machen – vor allem, weil die endgültige Besetzung des Boots erst seit wenigen Tagen feststeht. Niklas Kell, Max Meurer, Sebastian Kutter, Mario Friese und Trainer Andreas Penkner rudern wie gewohnt mit.

Die drei Neuzugänge Markus Nolden, Jonas Kell und Lovis Heinrich müssen jetzt punktgenau integriert werden. Wirklich neu sind sie im Rudersport allerdings nicht, erklärt Penkner: Der Großteil der Mannschaft war schon vor der RWTH-Karriere in anderen Vereinen aktiv. Auch den ein oder anderen ehemaligen deutschen Junioren-Meister habe man sich für diese Saison ins Boot geholt. Penkner selbst saß 2008 bei den olympischen Spielen in Peking im deutschen Achter.

Sondertraining auf der Maas

Als das Training losgehen soll, ruft die zierliche Steuerfrau den acht „Kleiderschränken“ mit lauter Stimme Befehle zu. Dass sie schreien muss, ist Miriam Höner gewohnt, schließlich gibt sie zu Wasser den Ton an, hält die Gegner im Blick und treibt die Studenten an ihre Belastungsgrenzen. Die Jungs gehorchen ihr aufs Wort. Gemeinsam heben sie das 18 Meter lange Mannschaftsboot aus der Halterung. 96 Kilogramm tragen sie über ihren Köpfen zum Ufer der Maas.

Normalerweise trainiert das Team nicht in den Niederlanden, sondern am Rursee, wo ihr eigenes Bootshaus steht. Aber jetzt – so kurz vor ihrer vierten Teilnahme an den Deutschen Hochschulmeisterschaften – dürfen sie bei der Rudervereinigung der Maastrichter Hochschule üben. Dort herrschen bessere Wasserbedingungen, und man kann auf einer geraden Strecke rudern – ideale Voraussetzungen also für die Regattavorbereitung, erklärt Trainer Penkner, der selbst an zweiter Position sitzt. Rund 20 Kilometer fährt das Neuner-Gespann an Trainingstagen – darunter schnelle Einheiten im Renntempo. Das liegt, sobald der Kahn einmal richtig in Fahrt ist, bei rund 20 Stundenkilometern. Danach ist man schon platt, lacht einer der Ruderer.

Die Langstrecke ist eigentlich nicht die Königsdisziplin des Achters: Gut ist er auf kürzeren Distanzen, vor allem den 1000 Metern. Auf diesen Strecken gewannen die Studenten schon im Jahr 2011 die Deutsche Hochschulmeisterschaften – die ersten, an denen sie überhaupt teilnahmen. Kaum einer hatte damals das RWTH-Team auf dem Schirm, als es an allen vorbeiruderte. Die Sportler selbst hatten am allerwenigsten an einen Sieg geglaubt, erinnert sich Penkner. Und das ist auch kein Wunder. Die Aachener Hochschule war nie für Rudersport bekannt, die nächste brauchbare Wassersport-Möglichkeiten sind eben an der Maas oder am Rursee. Aber das Image hat sich geändert. Die RWTH tritt in professionellen Wettkämpfen im 1er, 2er und 4er-Gespannen an. Das Aushängeschild sei aber eindeutig der Achter, der vom früheren Außenseiter zum Favoriten avanciert ist.

Mit den drei Siegen bei den deutschen Uni-Meisterschaften haben sich die Studenten zwei Mal für die Europäischen qualifiziert, und holten sowohl in Moskau als auch im polnischen Posen einen fünften Platz. Beide Male war das Team wegen Krankheitsausfällen nicht in Bestbesetzung. Wer weiß, auf welche Platzierung es sich sonst gerudert hätte.

Denn das Potenzial des Achters ist unumstritten. Das hat die Gruppe nicht zuletzt bei der Traditionsregatta Pisa-Pavia bewiesen: Auf Einladung war das Studententeam im Jahr 2012 nach Pisa gereist. Und dort landeten sie einen bemerkenswerten Coup: sie gewannen. Und zwar nicht gegen irgendwelche Vereine, sondern unter anderem gegen das Boot aus Cambridge, das mit Oxford zu den renommiertesten und besten Universitätsteams überhaupt gehört.

Bei den anstehenden Regatten treffen sie wieder auf ewige Stammgegner wie Karlsruhe, Dresden, Hamburg, die sehr stark seien, blickt Penkner in Richtung Hochschulmeisterschaften in Hannover. Und dann sind da auch immer wieder Überraschungsteams wie sie es selbst noch vor drei Jahren waren. Sicher ist ihnen der vierte Sieg also keinesfalls, gibt sich der Trainer bescheiden.

Dennoch ist ihr Ziel die Titelverteidigung. Außerdem erklärt Penkner: „Bei den Europäischen Meisterschaften in Rotterdam hoffen wir auf eine Medaille.“ Es wäre die erste. Und deshalb erinnert Steuerfrau Höner vor dem Training an die eherne Regel im Rudern: Der Blick bleibt im eigenen Boot, der Tunnelblick geradeaus – in diesem Fall möglicherweise zum vierten deutschen Meistertitel in Folge.

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