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Roda JC oder die große Flaute vor dem Tor

Von: Klaus Schmidt
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Ball-Beschwörer: Nestor Mytides, vor der Saison aus Larnaka geholt, ist noch keine Verstärkung für Roda Kerkrade. Foto: imago/VI Images
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Kaum jemand kennt den Klub so gut wie er: Eric van der Luer.

Kerkrade. Bald öffnet wieder das Transferfenster für einen Monat, Ton Caanen hatte eigentlich die Absicht, diesmal die Geldbörse geschlossen zu halten. Die Rundumerneuerung im Sommer mit nahezu komplettem Austausch des Kaders und 17 Zugängen sollte reichen, um Roda JC Kerkrade auch im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die Fußball-Ehrendivision den Klassenerhalt zu sichern, vielleicht etwas geschmeidiger als mit Platz 14 zuletzt.

Die Realität hat den Technischen Direktor zum Umdenken bewogen. Roda steht auf dem vorletzten Tabellenplatz, mit nur einem Sieg in 14 Partien (1:0 bei Excelsior Rotterdam). Und Kerkrade trägt ein Etikett, das sie im Parkstad Limburg Stadion lieber nicht hätten: Gerade mal acht Tore hat die Mannschaft geschossen, so wenige wie sonst keine im niederländischen Profifußball.

Nun will Caanen schauen, was finanziell möglich ist. „Es ist deutlich, dass unser Angriff Verstärkung gebrauchen kann“, sagt der Manager. Die vor der Saison verpflichteten Stürmer machten allesamt noch keinen großen Eindruck. Der Zyprer Nestor Mytides (von AEK Larnaka) hat Probleme mit dem Niveau, der walisische Nationalspieler und EM-Teilnehmer Simon Church (Milton Keynes Dons) fällt nach einer Hüftoperation sicher noch bis Januar aus, und der vom FSV Mainz 05 geholte Dani Schahin schlägt sich schon die ganze Saison mit einem lädierten Knie herum.

Kaum jemand kennt den Verein so gut wie Eric van der Luer. Der ehemalige Profi, U 21- und Co-Trainer von Alemannia Aachen, steht seit fast eineinhalb Jahren wieder bei Roda in Lohn und Brot, zuvor war er eine Saison lang als Scout unterwegs, „es hat den Klub nichts gekostet“. Van der Luer trainiert jetzt „Jong Roda“ und gehört zum Stab von Chefcoach Yannis Anastasiou, man hat zu Beginn dieses Jahrtausends zusammen gespielt, als die Zeiten noch erfolgreich waren. „Yannis hat hier eine schwierige Situation angetroffen, denn der Grundgedanke war anders.“ Schon in der vergangenen Saison waren die Erwartungen „viel höher“, sagt van der Luer. Der damalige Trainer Da-rije Kalezic wurde nach dem letzten Spiel gefeuert, weil er eine Grußadresse an Ton Caanen gerichtet hatte: „Er ist jemand, dem man ansieht, dass er zu lange Autoverkäufer war.“

Mit dem Abstiegskampf wollte man schon damals eigentlich nichts zu tun haben und auch jetzt nicht unter Anastasiou. „Die Erwartungen sind die gleichen geblieben“, berichtet Eric van der Luer. Das Problem: Die Idee eines offensiveren Spiels mit frühem Druck auf den Gegner passt nicht zum Personal, das es umsetzen soll, man kann auch sagen: Die Qualität fehlt.

Immerhin ist Roda nun seit sechs Spielen ungeschlagen, bei fünf Remis in Serie. „Doch irgendwann musst du in der Tabelle sehen, dass es vorangeht“, sagt van der Luer; er hätte lieber „drei Mal gewonnen und drei Mal verloren.“ Gleichwohl sei so eine Serie gut für die Moral. Der Stopp des Sturzflugs fällt zeitlich zusammen mit der Ankunft von Sef Vergoossen. Es ist ja oft so, dass die Nostalgie bemüht wird, wenn ein Verein zu ersticken droht. Roda hatte „etwas Besonderes nötig“, Ton Caanen wurde bei Vergoossen vorstellig und gewann den einstigen sehr erfolgreichen Roda-Coach (Pokalsieger 2000) als Technischen Berater.

Die Tabelle war dem inzwischen 69-Jährigen „ans Herz gegangen“, nun soll er dem Klub den „entscheidenden Schubs“ geben für sportlich bessere Zeiten. Ein Anfang scheint gemacht, jedenfalls sprechen sie schon vom „Vergoossen-Effekt“ in Südlimburg. Es sind genau die Leute, für die Vergoossen eine „Persona non grata“ war, er galt als eifriger Verfechter der Gründung eines FC Limburg, um den Profifußball in der Provinz zu retten, und viele Fans konnten sich im Leben nicht mehr vorstellen, dass der Mann nach diesem „Verrat“ an Roda jemals wieder eine Rolle im Verein spielen würde.

Roel Brouwers erlebt die sportliche Stabilisierung nicht mehr als Protagonist mit. Hohe Erwartungen hatten den Verteidiger bei seiner Rückkehr von Borussia Mönchengladbach nach Kerkrade begleitet, erfüllen konnte er sie nicht. Schließlich blieb der 34-Jährige sogar 90 Minuten auf der Bank sitzen, obwohl Abwehrspieler-Kollege Frederic Ananou verletzt ausgewechselt werden musste. Einen Tag nach dem 0:1 gegen NEC Nijmegen, Anfang Oktober, verkündete Brouwers das Ende seiner Laufbahn. „So etwas beschließt man nicht in einer Nacht. Ich hatte immer wieder Last mit kleinen Verletzungen, konnte nicht das bringen, was ich von mir selber erwarte.“ Eine entscheidende Rolle spielte der Kunstrasen, „auf dem wir tagein tagaus trainieren. Daran konnte sich mein Körper nicht schnell anpassen.“ Brouwers soll dem Verein erhalten bleiben, in welcher Rolle, ist noch unklar.

Am Sonntag vergab Roda nach 2:0-Führung bei Sparta Rotterdam den zweiten Saisonsieg (2:2). „Es hat sich wie eine Niederlage angefühlt“, sagt Eric van der Luer. Am kommenden Samstag (19.45 Uhr) wäre es schon eine Überraschung, wenn gegen PSV Eindhoven der Heimfluch (nur eins der letzten 20 Spiele gewonnen) beendet würde. Seit der Übernahme durch Unternehmer Frits Schrouff ist der Verein zwar schuldenfrei, doch für eine bessere sportliche Zukunft sollte noch einmal investiert werden. „Im Winter musst du etwas machen“, sagt van der Luer realistisch. „Sonst schaffst du es nicht.“ Noch ist alles eng beisammen – auf Platz sieben fehlen gerade mal sechs Punkte.

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