Rad-WM: Es geht um die Ehre, die Firmen-Ehre

Von: Hartmut Scherzer
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Fahren für die Firma: Bei der
Fahren für die Firma: Bei der Straßen-WM hat am Sonntag in der Provinz Limburg das Team Time Trial (TTT) Premiere. Foto: imago/Action Plus

Frankfurt. Die Radprofis legen sich für die Firma ins Zeug, nicht für die Nation. Der WM-Ruhm 2012 gehört dem Sponsor, nicht den einzelnen Rennfahrern. Und die Nationalhymne wird zur Siegerehrung jenes Landes gespielt, in dem die Sportgruppe ihren Hauptsitz hat.

Wenn also das vom spanischen Vuelta-Sieger Alberto Contador angeführte Sextett „Saxo Bank” gewinnen sollte, würde die dänische Hymne zu Ehren des Team-Besitzers Bjarne Riis erklingen.

Dieses Novum zum Auftakt der Straßenweltmeisterschaft am Sonntag in der niederländischen Provinz Limburg berücksichtigt erstmals die Unternehmen, die mit ihrem Geld den Radsport überhaupt am Leben halten.

Firmen-Rennställe, sowohl die der Männer als auch der Frauen, und nicht Nationalteams kämpfen im Mannschaftszeitfahren über 53,2 bzw. 34,2 Kilometer zwischen Sittard und Valkenburg um die Medaillen. Es werden keine Regenbogentrikots verteilt.

Der Sportdirektor des siegreichen Teams erhält eine Trophäe, die die Vitrine der Firma schmücken wird. Die siegreichen Rennfahrer dürfen ein kleines Logo als Zeichen ihres Sieges auf dem Trikot tragen, aber nicht mehr, wenn es im kommenden Jahr das eines neuen Arbeitgebers sein sollte.

Mit Voigt, Klöden, Hondo

Durch diese Neuerung kommen am Spätabend ihrer langen Karriere drei deutsche Veteranen noch einmal zu einer WM-Teilnahme, für die sie vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nicht mehr nominiert wurden: Jens Voigt, 41, und Andreas Klöden, 37, in ihrem Team Radioshak-Nissan sowie Danilo Hondo, 38, mit Lampre.

Auch Tony Martin, 27, und Judith Arndt, 36, als Titelverteidiger im Einzelzeitfahren vom BDR selbstverständlich nominiert, fühlen sich am Sonntag ihren Sponsoren verpflichtet, Omega Pharma-Quickstep (Belgien) beziehungsweise dem australischen Team Green-Edge.

Firmenmannschaften können dieses für das Fernsehen besonders spektakuläre, auf Harmonie, Geschlossenheit und Präzision ausgerichtete Team Time Trial (TTT) intensiv trainieren wie für die großen Rundfahrten. Bei Nationalmannschaften wäre dies nicht möglich. „Das Thema Weltmeisterschaft hatte ich eigentlich abgehakt”, schreibt Jens Voigt in seiner Kolumne des Fachmagazins „Radsport”.

„Das Teamzeitfahren ist eine sehr gute Idee, denn eine Mannschaft kann sich dann in der nächsten Saison mit diesem Titel schmücken.” Klöden sagte auf Anfrage: „Die Moral im Team und bei mir ist super. Für mich ist das echt schön, noch einmal an einer WM teilzunehmen, nachdem ich 2008 mit dem BDR gebrochen habe.”

Martins erste Medaille?

Voigt, der am 17. September 41 Jahre alt wird, und seinen Vertrag beim in Luxemburg ansässigen Team Radioshack um ein weiteres Jahr verlängerte, und Klöden hätten durchaus gute Medaillenchancen gehabt, würde der Schweizer Spezialist Fabian Cancellara, viermaliger Weltmeister und Olympiasieger 2008, nicht wegen einer Schulteroperation fehlen. Gleiches gilt für das dominante Team Sky. Olympia- und Toursieger Bradley Wiggins verzichtet auf eine WM-Teilnahme.

Tony Martin und Judith Arndt, die in Valkenburg ihre Karriere beendet, haben also schon vor der Titelverteidigung am Dienstag und Mittwoch die Möglichkeit, Medaillen zu erobern. Martin hat eigens die Vuelta am vorletzten Tag aufgegeben, um einen Tag mehr Erholung vor der Vorbereitung mit dem Team auf die TTT-WM zu haben.

Mit dem belgischen Star Tom Boonen sowie Sylvain Chavanel (Frankreich), Niki Terpstra (Niederlande), Jurgen Vandewalle (Belgien) und Peter Velits (Slowakei) zählt Martins Team zu den Medaillenkandidaten.

Anders als bei den großen Rundfahrten ist kein Autobahn-ähnlicher Kurs zu bewältigen. Die Anstiege des Amstel-Gold-Rennens mit dem berühmt-berüchtigten Cauberg, der 1200 Meter langen 5,8-Prozent-Rampe einen Kilometer vor dem Ziel, verleihen diesem Spektakel zusätzliche Spannung.
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