Radarfallen Blitzen Freisteller

Overaths Rücktritt spaltet die Mitglieder

Von: Günter Kirschbaum
Letzte Aktualisierung:
Abschied unter Tränen: Die Ä
Abschied unter Tränen: Die Ära Wolfgang Overath beim 1. FC Köln ist beendet. Foto: Rainer Dahmen

Köln. Der 1. FC Köln hat seit Sonntagnachmittag kein Präsidium mehr. Wolfgang Overath, Jürgen Glowacz und Friedrich Neukirch haben aufgegeben. „Mit Ende der heutigen Mitgliederversammlung treten wir als Präsident und Vizepräsidenten des 1. FC Köln zurück”, gab das 68-jährige Fußball-Idol in der Lanxess-Arena überraschend bekannt.

Die Overath-Fans waren bestürzt, die Opposition überrascht. Das unterstrich auch das Stimmenverhältnis bei der Entlastung des Vorstandes: 1528 (66,4 Prozent) erteilten der Overath-Crew bei 764 Gegenstimmen und 130 Enthaltungen das Okay.

Bis zu den Neuwahlen des Präsidiums auf einer außerordentlichen Versammlung - wahrscheinlich erst 2012 - wird der Vorsitzende des Verwaltungsrat die Vereinsführung kommissarisch übernehmen. Noch am Sonntagabend traf sich das neu gewählte Gremium, um seinen „Chef” zu wählen. Der Favorit Dr. Werner Wolf, Sprecher der Bitburger-Gruppe, setzte sich durch. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Josef Sanktjohanser gewählt.

Die Versammlung war gerade fünf Minuten alt, die Vereinshymne mit Inbrunst intoniert worden und die 2750 Mitglieder von Friedrich Neukirch begrüßt worden, da ergriff Wolfgang Overath das Wort. Der Präsident vermittelte zunächst den Eindruck, die Situation beruhigen zu wollen. Doch nach wenigen Sätzen änderten sich Ton und Diktion. Overath blickte auf den 17. November 2010 zurück, als ihm die Mitglieder die Entlastung verweigerten. „Es lief sportlich nicht gut, und da wird man verunglimpft und beschimpft, wie ich es noch nie erlebt hatte”, sagte er mit bebender Stimme. „Auch wenn man von vielen ermuntert wird, nervt das.”

Und dann richtete er eine Breitseite gegen die Fan-Gruppierung „fc-reloaded”: „Ich habe mich geärgert über diese kleine, aber nie konstruktive Gruppe.” Und erst einmal in Rage, redete er sich von der Seele, was ihn besonders bedrückt hatte. Die Kritik der Fans im Mai dieses Jahres am Rande des Heimspiels gegen Schalke 04. „Ich danke allen, die gegen die aufgestanden sind, die Randale gegen uns gemacht haben.” Besonders getroffen hatte den FC-Chef, dass die meisten Transparente auf dem Betriebsgelände von Verwaltungsratsmitglied Fritz Guckuk gefertigt worden waren.

Overath ließ auch durchblicken, dass in den letzten Monaten intern nicht alles glatt gelaufen war, es Konflikte mit dem Verwaltungsrat gegeben hatte. „Wir waren nicht immer ein Team, aber das hat nicht den Vorstand betroffen”, betonte er auf seiner letzten Veranstaltung als FC-Präsident.

Nach Overaths Paukenschlag gab es Balsam für die geschundenen Mitglieder-Seelen. Trainer Stale Solbakken versprach fürs Heimspiel am Samstag gegen Mainz launig einen 3:0-Sieg, Geschäftsführer Claus Horstmann kündigte an, die Entwicklung zu einem „sympathischen Klub” weiter voranzutreiben. Volker Finke rundete das Bild ab. „Hier ist eine unheimliche Fan-Basis”, sagte der Sportdirektor, „und Köln ist eine Stadt, die die Emotionalität des Fußballs tragen kann.” Unter großem Beifall versprach Finke, alles zu tun, um Lukas Podolski über 2013 an den FC zu binden.

„fc-reloaded” als Feindbild

Als Stefan Müller-Römer, der „reloaded”-Sprecher, das Wort ergriff, hatten die Overath-Anhänger ihr Feindbild ausgemacht. Der Anwalt wurde gnadenlos ausgepfiffen, als er feststellte: „Wir zollen Herrn Overath für diesen Schritt Respekt. Es schmeckt mir auch nicht, dass ich hier zum Königsmörder gemacht werde. Aber es muss einen geben, der für eine Initiative mit ein paar hundert Mitgliedern spricht.”

Die Quittung für ihre kritische Haltung bekam „reloaded” bei der Wahl der beiden Mitgliedervertreter im Verwaltungsrat. Ihr Kandidat Jörg Heyer fiel durch, gewählt wurden Stadionsprecher Michael Trippel und Georg Melcher, ein Unternehmer aus Nippes. Durchs Sieb fiel auch Konstantin Neven DuMont, dessen Platz Thomas Klein einnimmt. Erstmals vertreten sind Kölns OB Jürgen Roters und Investor Franz-Josef Wernze. Vor der Abstimmung über die restlichen Verwaltungsräte kam es zwischen den Lagern fast zu Handgreiflichkeiten. Ordnungskräfte konnten größere Tumulte gerade noch verhindern.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert