Aachen/London - Olympia-Opa aus Aachen: Hoketsu reitet mit der Jugend der Welt

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Olympia-Opa aus Aachen: Hoketsu reitet mit der Jugend der Welt

Von: Michael Rossmann, dpa
Letzte Aktualisierung:
Hiroshi Hoketsu
Der älteste Teilnehmer der Olympischen Spiele ist ein in Aachen lebender Japaner. Der 71 Jahre alte Hiroshi Hoketsu könnte der Opa der meisten Teilnehmer sein. Seine ersten Spiele erlebte der Reiter 1964 in Tokio.

Aachen/London. Hiroshi Hoketsu ist die ganze Sache ein wenig unangenehm. Der japanische Dressurreiter ist mit 71 Jahren der älteste Teilnehmer der Olympischen Spiele, will aber nicht viel Aufhebens machen.

Etwas verlegen sagt er: „Ich denke nicht daran, dass ich der Älteste bin.” Und nach einer kleinen Pause schiebt er freundlich lächelnd hinterher: „Das tue ich nur, wenn mich Journalisten danach fragen.”

Der 71 Jahre alte Hiroshi Hoketsu könnte der Opa der meisten Teilnehmer sein, und von einer Medaille ist er weit entfernt. Doch das stört ihn nicht. Beim „Treffen der Jugend der Welt”, wie Pierre de Coubertin es nannte, will der Senior einfach nur dabei sein. Dafür hat der rüstige Rentner sein Leben „straff organisiert”, erklärt der Aachener Dressur-Ausbilder Ton de Ridder, bei dem Hoketsu trainiert: „Er lebt sehr bewusst.”

Wie 71 sieht drahtige Hoketsu tatsächlich nicht aus. „Mit der Wette auf sein Alter hätte ich schon ein paar Kisten Bier gewinnen können”, witzelt de Ridder: „Fast alle halten ihn für jünger.” Dafür lebt der durchtrainierte Japaner sehr diszipliniert. „Ich reite jeden Tag, und ich mache fast jeden Tag eine Stunde Fitness-Training”, sagt Hoketsu, der seit neun Jahren zwischen Japan und Aachen pendelt. „Ich reise hin und her”, berichtet der ehemalige Geschäftsmann: „Zuletzt war ich mehr in Deutschland.”

Seine ersten Spiele erlebte Hoketsu 1964 in Tokio. Damals war er noch Springreiter. Als die Sehkraft nachließ und er Probleme mit dem Abschätzen der Distanzen zwischen den Sprüngen bekam, sattelte er um. „Es scheint mir, dass es seitdem einen große Wechsel gab im ganzen Konzept der Spiele. Damals war die Teilnahme das, was zählte”, kommentiert er die Entwicklung seit seiner Premiere.

Bei den Spielen in Seoul 1988 musste er kurzfristig passen, weil sein Pferd wegen Problemen mit der Quarantäne nicht in Südkorea ankam. Und so feierte Hoketsu sein Olympia-Comeback 2008 in Hongkong - mit 67 Jahren. Schon damals war er der Senior der Spiele und bei internationalen Medien ein vielgefragter Mann. In Japan hielt er eine eigene Pressekonferenz ab, als er im April die Qualifikation für London geschafft hatte.

„Ich merke, dass ich mich immer noch Stück für Stück verbessere”, erklärt der Japaner: „Das erhält meine Motivation.” Dabei wäre der Olympia-Start in London fast geplatzt. Sein Pferd Whisper war krank, lange blieb die Ursache unklar, ehe ein Tierarzt in den Niederlanden half. Auf den letzten Drücker schaffte der Japaner die Norm für Olympia. „Es war ein Wunder”, sagt der Reiter.

Wie ein Wunder wäre es auch, wenn der Japaner den Rekord von Oscar Swahn noch knacken könnte. Der schwedische Schütze war 1920 in Antwerpen 72 Jahre und zehn Monate alt und ist damit der älteste Olympia-Teilnehmer der Geschichte. 2016 also könnte Hoketsu vorbeiziehen. Das werde wohl nichts, sagt der rüstige Rentner freundlich lächelnd und verweist auf die nachlassende Fitness im Laufe der Jahre: „Mein Pferd ist jetzt 15 und wäre für Rio zu alt.”
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