Köln - Nach WM-Aus: Trainer lobt Team, Team lobt Trainer

Nach WM-Aus: Trainer lobt Team, Team lobt Trainer

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
14618908.jpg
Letztes Bild der Heim-WM: Die deutschen Eishockey-Cracks von Bundestrainer Marco Sturm gehen raus mit Applaus. Foto: imago/ActionPictures
14618948.jpg
Ein zufriedener WM-Organisationschef und DEB-Präsident: Franz Reindl. Foto: imago/Jan Hübner

Köln. „Gute Frage“, sagte Marco Sturm. Der Bundestrainer überlegte einen Moment, ohne eine Antwort zu finden. „Ich habe keine Erklärung.“ Was eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft denn noch tun müsse, um ein K.o.-Spiel gegen den Titelverteidiger ausverkauft zu bekommen? „Wir haben alles dafür getan.“

Christian Ehrhoff, der Kapitän, vermutete die Ticketpreise als Zuspruchsbremse. Die Hoffnung des erneut überragenden Goalies Philipp Grubauer auf eine rappelvolle Hütte gegen Kanada hatte sich nicht erfüllt, rund 2000 Plätze waren leergeblieben bei diesem ehrenvollen Abschied, dem 1:2 im WM-Viertelfinale. Eishockey hat es weiter schwer hierzulande, doch der Chef des Organisationskomitees war ebenso zufrieden wie der Präsident des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB). Man musste nur Franz Reindl fragen, der die Posten in Personalunion bekleidet. Der Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1976 sagte also nun in den Katakomben der Kölner Arena: „Ich habe gedacht, dass weniger kommen.“ So ein Viertelfinale sei immer ein Problem, weil es nicht planbar sei. Aber: Rund 26.000 Zuschauer „an einem Tag mit zwei Viertelfinals sind WM-Rekord“.

Als die anfängliche Enttäuschung über den verpassten Coup gewichen war, Marco Sturm in der Kabine jedem Spieler gedankt hatte für „ein großes Turnier“, da war die Sicht auch wieder frei für die Realität. Das Ergebnis verfälschte die Kräfteverhältnisse, 50 Schüsse hatten Claude Giroux und Kollegen auf Grubauer abgefeuert, „ohne ihn hätten wir wohl höher verloren“, das wusste auch Moritz Müller. Jegliches Sinnieren über „ein bisschen mehr Glück im letzten Drittel“ (Dennis Seidenberg) beendete der Bundestrainer mit einem nicht diskussionsfähigen Satz: „Die Kanadier waren einfach besser.“

Die Bilanz der insgesamt acht deutschen Auftritte stimmte denn auch eher zufrieden. Dieses Viertelfinale hatte Sturm „besser gefallen als das vor einem Jahr gegen Russland. Wir sind als Underdog ins Turnier gestartet und von Spiel zu Spiel besser geworden, standen als Weltranglisten-Zehnter wieder unter den letzten Acht.“ Auf diesen Rang verbesserte sich die DEB-Auswahl auch im neuen Ranking. Das Loblied sang Christian Ehrhoff in die andere Richtung: „Marco Sturm bringt Kontinuität rein und wieder Spaß ins deutsche Eishockey. Das war einige Zeit nicht so, als manche Spieler nicht zur Nationalmannschaft kommen wollten. Marco leistet Superarbeit.“

Was perspektivisch möglich ist, hält Sturm für „schwierig zu sagen. Einige gute Ältere werden demnächst wahrscheinlich nicht mehr dabei sein.“ Es fielen die Namen Dennis Seidenberg und Ehrhoff, „enorm, was die in der Abwehr spielen“. Die Zeit kommt, in der Jüngere mehr Verantwortung übernehmen müssen. NHL-Star Leon Draisaitl ist dabei alleine schon sportlich eine Ausnahmeerscheinung, Franz Reindl schwärmt: „Mit dem hätte ich gerne zusammengespielt. Der spielt die Scheibe dort hin, wo sie hin muss. Ein Genuss.“

Aber auch andere Jungspunde nutzten diese WM: Während der Kölner Philip Gogulla, mit 158 Länderspielen der erfahrenste Nationalspieler im Kader, in den letzten drei Partien nur noch als „not dressed“ aufgeführt wurde, drängten der Münchner Dominik Kahun und College-Crack Frederik Tiffels mächtig nach vorne. „Ich denke schon, dass die WM meiner Karriere einen Schub gegeben hat“, sagt Tiffels, der bereits 2015 von Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins gedraftet wurde und nun auf ein festes NHL-Engagement hofft.

In der Nacht zu Freitag verstreute sich die DEB-Auswahl in alle Himmelsrichtungen. „Ich fliege jetzt erst mal zurück zu meiner Familie nach Florida“, sagte Marco Sturm. Sein Vertrag läuft noch bis zur WM 2018 in Dänemark, Franz Reindl wiederholte seinen ausdrücklichen Wunsch nach einer Verlängerung und kündigte Gespräche für diesen Sommer oder Herbst an. „Ich bin für alles offen“, hinterließ Sturm, dem auch gute Chancen als Head Coach eines NHL-Klubs attestiert werden. Für nachhaltige Erfolge des Nationalteams sei es aber angezeigt, verstärkt im Nachwuchsbereich zu arbeiten. Da war der Verband nach der letzten Heim-WM vor sieben Jahren – noch unter der Führung von Uwe Harnos – äußerst nachlässig gewesen.

Franz Reindl wusste das schon damals und wird diesen Fehler sicher nicht begehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert