Mönchengladbach - Mönchengladbach und die Entdeckung der Einfachheit

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Mönchengladbach und die Entdeckung der Einfachheit

Von: Bernd Schneiders
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Trio mit drei Toren: Patrick Herrmann, Max Kruse und Raffael (von links) feiern das berauschende 4:1 gegen Bremen. Foto: dpa

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbachs Entdeckungsreise geht weiter. Hatte der Bundesligist im ersten Heimspiel gegen Hannover 96 erfolgreich (3:0) die Tiefe entdeckt, führte das zweite Saisonspiel im Borussia-Park das Expeditionscorps unter Leitung von Lucien Favre zu einem beinah noch sensationelleren Forschungsergebnis: die Entdeckung der Einfachheit.

Gegen Werder Bremen wurde das mit einem 4:1 belohnt. Zur Ehrenrettung der anspruchsvollen Favreschen Vorgaben ist anzumerken, dass die letzten beiden Tore auch etwas für Fußball-Feinschmecker boten. Doch es bleibt dabei: Die Basis dieses zweiten Erfolgs der Spielzeit wurde durch Simplifizierung gelegt – was auch Bremens Trainer Robin Dutt nicht entging. „Die ersten beiden Tore waren zu einfach.“

36 Minuten lang lief die Kombinationsmaschinerie der Favre-Schüler schleppend oder wurde durch unkonzentrierte Pässe (Kruse) gestoppt. Zum heiligen Simplicissimus wurde dann ein Schweizer. Granit Xhaka erlaubte sich einen langen Ball auf Juan Arango, der aus spitzem Winkel Werder-Keeper Sebastian Mielitz den Ball durch die Beine knallte.

Favre beeilte sich zu beteuern, dass dieser schnöde Weitschuss seines Landsmanns nicht auf der roten Liste steht. „Es gehört dazu, manchmal lang zu schlagen“, sagte der Schweizer Trainer. Simpel-Tor Nummer zwei verdient die gleiche (Ein-)Schätzung. Tony Jantschke erweiterte das Gladbacher Überraschungsreservoir jenseits des Tiki-Taka-Spiels. Sein kräftiger Fernschuss konnte von Mielitz nur abgeklatscht werden, Raffael bugsierte den Nachschuss zum 2:0 ins Tor (53.).

Der Edeltechniker als Abstauber: Das passte perfekt zum Tag, als Borussia die einfachen Mittel (wieder)entdeckte. Den passenden Überbau lieferte Sportdirektor Max Eberl. „Man kann nicht nur Tore selbstbestimmend erzielen“, zeigte sich der ehemalige Wadenbeißer erfolgreich als Fußball-Philosoph. „Viele Tore fallen, weil Fehler passieren.“ Und seine gefühlte Statistik sieht so aus: „Ich glaube, die Mehrzahl der Tore resultiert nicht aus bestimmten Spielzügen.“

Natürlich redet der Manager nicht dem Hauruck-Fußball das Wort, denn dann könnte er seinem Trainer die Papiere geben. „Du musst einfach die Mischung haben im Spiel.“ Und die hatte Borussia an diesem Nachmittag perfekt, auch wenn nicht alles perfekt lief. Pikanterweise lieferten diese Sahnehäubchen zwei Spieler, die die überwiegende Mehrheit der 53 392 Zuschauer wohl bereits ausgewechselt hätten, bevor sie ihrem Trainer den Kunst-Anspruch retten konnten. Max Kruse und Patrick Herrmann schrien laut danach, durch einen der hochkarätigen Bankdrücker ersetzt zu werden. Bei Kruse schien die Nationalmannschaftsnominierung die Genauigkeit und Konzentration im Passspiel geraubt zu haben, Herrmann hatte sich offensichtlich nach seiner schlechten Leistung in Leverkusen eher kontraproduktivisch für eine Wiedergutmachung in seinem 100. Bundesligaspiel motiviert: „Ich hatte mir vorgenommen, ein Tor zu schießen.“

Doch so akribisch und berechnend Favre auch vorgehen mag, Gefühle gehören auch zu seinem Trainer-Wirken. „Man muss Geduld haben“, erklärte er seinen Langmut. Max Kruse rechtfertigte ihn. Nachdem der für den gelb-rot-gefährdeten Xhaka eingewechselte Havard Nordtveit die harmlose Werder-Offensive mit einem Eigentor unterstützte (69.), bewies der Ex-Freiburger, dass auch Kombinations-Fußball effektiv sein kann. Eiskalt krönte Kruse die Vorarbeit von Raffael und Herrmann mit einem klugen Schuss ins rechte Eck zum 3:1 (74.). Und weil die gescheite Weiterleitung von Herrmann in ihrer Kürze fast untergegangen war, setzte der Gladbacher Neuzugang seinen Leidens-Kollegen noch mal groß in Szene: Die brillante Weiterleitung eines Arango-Passes ermöglichte Herrmann ,seine Flitzer-Qualitäten zu demonstrieren. Er umkurvte Mielitz ebenso schnell wie elegant und schoß zum 4:1 ein (86.).

Wahrscheinlich hatte Tempo-Forderer Favre diese Szene auch im Sinn, als er einschränkend lobte: „Manchmal haben wir es sehr gut gemacht.“ Der Coach ist zufrieden, ein Basislager für die Mission Europa-League-Qualifizierung scheint eingerichtet. Obendrein ohne einen Verletzten beklagen zu müssen. Am gefährdetsten schien Favre selbst, der mit seiner Defensive nicht immer so geduldig wie mit Kruse und Herrmann war.

Einen von den Bremern netterweise unausgenutzten Faux-Pas quittierte der ehemalige Mittelfeldspieler in der 83. Minute (Stand 3:1) mit einem kräftigen Tritt gegen die Trainerbank-Begrenzung, passend zu seinen Offensiv-Verstärkungen – auch ein Linksfuß.

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