Aachen - Max Hartung: „Von unserem Sport allein können wir nicht leben“

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Max Hartung: „Von unserem Sport allein können wir nicht leben“

Von: Katharina Menne
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Für ihn hat Athletenförderung Priorität: Max Hartung, Vorsitzender der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Foto: dpa

Aachen. Die deutschen Sportler haben bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang historische Erfolge gefeiert. Aber jeder Sportler weiß: Nach Olympia ist vor Olympia. Auch, wenn die gesellschaftliche Euphorie längst abgeebbt ist, geht das Training weiter.

Doch wer Sport auf hohem Niveau betreibt, aber kein Fußballer ist, muss Wettkampf, Training und Beruf unter einen Hut bringen und trägt das gesundheitliche und wirtschaftliche Risiko einer Sportkarriere alleine.

Säbelfechter Max Hartung und Wildwasser-Kanutin Silke Kassner, die Vorsitzenden der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sind vor den Sportausschuss des Deutschen Bundestags getreten und haben mehr Autonomie und professionellere Strukturen gefordert. Wie das aussehen soll, darüber hat sich Katharina Menne mit Max Hartung unterhalten.

Sie haben kürzlich zusammen mit vielen anderen Sportlern den Verein „Athleten Deutschland“ gegründet, um Spitzensportler besser zu vertreten als bisher. Was läuft denn zurzeit schief?

Max Hartung: Wir können als Athletenkommission unseren Aufgaben nicht gerecht werden. Wir brauchen eine professionelle Organisation, die uns Sportler vernetzt und sich dann für unsere Interessen einsetzt. Daher haben wir „Athleten Deutschland“ gegründet. Ein großes Thema für uns ist die Athletenförderung. Profifußballer verdienen sehr viel Geld – danach kommt lange nichts. Zahlreiche Spitzensportler gehen dann in die Sportfördergruppen von Bundeswehr, Polizei oder Zoll. Doch was ist mit den anderen? Wir sind keine Hobbysportler, aber von unserem Sport allein können wir nicht leben.

Sie fordern deshalb ein Berufsbild „Spitzensportler“ – wie soll das aussehen?

Hartung: Vieles muss besser und klarer geregelt werden. Sportler sind oft weder selbständig noch angestellt. Es gibt also viele Unklarheiten in Bezug auf Krankenversicherung, Rente oder Steuern. Und selbst jeder Vermieter schaut einen komisch an, wenn man sagt, man bekommt hin und wieder mal Preisgelder und ein bisschen Sportförderung.

Es gibt ja schon die offizielle Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die sich um Anliegen der Sportler kümmert und dessen Vorsitzender Sie sind. Wie will sich der neue Verein davon abheben?

Hartung: Der Verein arbeitet anders. Wir wollen selber Personal einstellen, dass sich hauptamtlich um wichtige Fragen der Athleten kümmert. Die Athletenkommission trifft sich nur einmal im Jahr mit den Vertretern der verschiedenen Sportarten. Das ist zu wenig. So lässt sich kaum etwas verändern und bewegen. Außerdem wollen wir unabhängig vom DOSB arbeiten, um auch strittige Fragen effizient lösen zu können.

Welche zum Beispiel?

Hartung: Das Bundeskartellamt prüft gerade, ob die Regel 40 der Olympischen Charta in Deutschland für Sportler und Sponsoren wettbewerbsbeschränkend ist. Danach darf kein Athlet, der an den Olympischen Spielen teilnimmt, während der Spiele in eigener Sache mit Firmen werblich zusammenarbeiten, die nicht offizielle Sponsoren sind. Das gilt auch für Social-Media-Aktivitäten. Wir finden diese Einschränkungen gehen zu weit. Zudem sollten die Sportler an den Milliardengewinnen der Spiele auch direkt beteiligt werden. Wir wollen in solchen Fragen mitverhandeln und mitbestimmen können – das geht nur, wenn wir unabhängig sind.

Wie wird der Verein mit der umstrittenen Spitzensportreform umgehen? Was sind Ihre Forderungen?

Hartung: Wir wollen, dass Spitzensport grundsätzlich auf Freiwilligkeit beruht. Wenn die Trainingsbedingungen an den Bundesstützpunkten ideal sind und das Angebot Leistungssport stimmt, werden die talentierten jungen Athletinnen und Athleten freiwillig kommen. Die Umsetzung der Reform wollen wir mithilfe des Vereins begleiten. Das können wir allein im Ehrenamt nicht leisten.

Sie haben die Anliegen von „Athleten Deutschland“ vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestags vorgetragen und staatliche Mittel für drei hauptamtliche Stellen gefordert. Wie waren die Reaktionen?

Hartung: Wir waren wirklich überrascht. Man hat uns parteienübergreifend und einstimmig Unterstützung zugesagt. Damit haben wir nicht gerechnet. Es wurden natürlich auch kritische Fragen zu unseren Forderungen nach Geld und Unabhängigkeit gestellt, aber wir hatten scheinbar auf alle Fragen gute Antworten parat. „Athleten Deutschland“ soll nun in der nächsten Haushaltsplanung berücksichtigt werden. Das freut uns sehr.

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